Schorndorf Yo La Tengo kommen in die Manufaktur

Yo La Tengo kommen am Donnerstag (17.04.) um 20.30 Uhr in die Manufaktur Schorndorf. Foto: Manufaktur Schorndorf

Schorndorf. Es gibt kaum Bands, die ausschließlich gute bis herausragende Platten veröffentlicht haben. Umso schöner, dass eine von ihnen am Donnerstag, 17. Mai, in die Manufaktur kommt: Yo La Tengo.

Auch für Programmchef Werner Hassler ist es ein ganz besonderes Konzert. Denn ohne diese wunderbare, vor 34 Jahren in Hoboken/New Jersey gegründete Alternative-Institution wäre er nicht da, wo er jetzt ist. Hassler erinnert sich: „Ich hab’ vor 18 Jahren im Netz gesucht, wann genau Yo La Tengo in der Manufaktur spielen, weil ich da unbedingt hinwollte. Seinerzeit hab’ ich noch in Schwäbisch Hall gewohnt. Auf der Homepage ploppte mir eine Stellenanzeige entgegen: Suchen Programmmacher.“ Flugs bewarb sich Hassler und wurde, Yo La Tengo sei Dank, genommen. Es kann sich tatsächlich auszahlen, einen guten Musikgeschmack zu haben.

Parallelen zu The Velvet Underground

Besonders zu Beginn ihrer Karriere wurden Yo La Tengo so oft mit The Velvet Underground verglichen, dass es der Band wohl gewaltig auf den Keks ging. Andererseits waren die Parallelen nicht zu verleugnen. Da gab es die Schrammelgitarren, die Popsensibilität, den Lärm, die intellektuelle Leck-Mich-Attitüde und der an Lou Reed erinnernde trockene Gesang von Ira Kaplan. Und natürlich der Umstand, dass seine Frau Georgia Hubley, mit der er die Band 1984 ins Leben gerufen hatte, wie Moe Tucker von den Velvets Schlagzeug spielte und ganz charmant, weil alles andere als perfekt, ins Mikrofon trällerte.

Seit Jahrzehnten unterwegs

Doch der Vergleich der Bands greift zu kurz. Schon, weil die Velvets eine recht kurzlebige Angelegenheit waren und Yo La Tengo seit Jahrzehnten unterwegs sind, ohne dass ein Ende in Sicht wäre. Mehrmals änderten sich Besetzung und musikalische Ausrichtung. Zusammen mit Sonic Youth beeinflusste die Gruppe in den 1980ern und 90ern ganze Heerscharen von Musikern. Selten klangen Dissonanzen so verführerisch. Umso mehr, als es besonders bei Yo La Tengo stets auch die andere Seite gab, kurze, in ihrer Prägnanz an die 60er erinnernde Songs mit zauberhaften Melodien. Neue Horizonte eröffnete 1990 die brillante LP „Fakebook“, die aus sparsam instrumentierten, überwiegend recht obskuren Coverversionen sowie Neuinterpretationen eigener Stücke bestand. Es war das erste Mal in dieser Konsequenz, dass der Fuß vom Verzerrer blieb.

Anfang der 90er stieß Bassist und Sound-Hexer James McNew zur Band, seit etlichen Jahren arbeiten Yo La Tengo als Trio. Mit dem Wechsel zum Label Matador erfolgte auch eine weitere Richtungsänderung. Die Stücke wurden ruhiger und verwaschener, dabei aber immer ausgefuchster. Manchmal klang es hippieesk. Na ja, fast.

Ungewöhnliche Wege

Interessant wird es sein zu hören, wie Yo La Tengo ihr neues Album auf die Manu-Bühne bringen. Natürlich ist „There’s a Riot going on“, der Titel stammt vom Sly-Stone-Klassiker von 1971, auch als Statement zur Ära Trump gedacht. Die Band wählt einen ungewöhnlichen Weg und verzichtet gänzlich auf Aggression. Es gibt überwiegend ruhige Songs mit verwaschenen Klangbildern und sogar Ambient-Soundcollagen. Es scheint, als wolle sich die Band darin auflösen. Nach ein paar Durchläufen ergibt aber alles einen Sinn. Eine tolle Platte, wieder einmal. Auf in die Manufaktur.


Yo La Tengo spielt am Donnerstag, 17. Mai, um 20.30 Uhr in der Manufaktur Schorndorf.

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