Schorndorf Ziegeleisee-Freunde lassen nicht locker

Als passionierte Ziegeleisee-Schwimmer wollen sie die Umbaupläne stoppen: Hartmut Ramsthaler, Lisa Kober und Bärbel Heckner (von links) haben Baubürgermeister Andreas Stanicki (Zweiter von links) die Gegner-Unterschriften überreicht. Bild: Habermann Foto: ZVW

851 Gegner-Unterschriften an Baubürgermeister Andreas Stanicki überreicht / Gemeinsames Bäderkonzept gefordert

Schorndorf. So frustrierend die Umbaugegner ihren Auftritt Ende Juli im Gemeinderat auch erlebt haben, unterkriegen lassen sich die Freunde des Ziegeleisees nicht. Gestern haben sie Baubürgermeister Andreas Stanicki 851 Unterschriften übergeben. Ihre Forderungen: sofortiger Planungsstopp, Bürgerbeteiligung und Offenlegung der Wirtschaftlichkeitsrechnung.

Obwohl Bäderleiter Jörg Bay und Stadtwerke-Chef Andreas Seufer ihnen schon in mehreren Gesprächen den Umbau des Ziegeleisees versuchten schmackhaft zu machen, die Freunde des Ziegeleisees bleiben dabei: Der Ziegeleisee, für sie Kulturdenkmal und Naturidyll, soll ohne Sprungfels und Holzdeck auf der Schwimmfläche und mit trübem Wasser in die Zukunft gehen. Dafür haben Lisa Kober, Bärbel Heckner und Hartmut Ramsthaler sich nicht nur in die Materie eingearbeitet, etliche Gespräche geführt, unter www.ziegeleisee.de eine Internetseite ins Netz gestellt, einen Informations-Flyer gedruckt und sich in der Bürgerfragestunde des Gemeinderats ein hitziges Wortgefecht geliefert (wir haben berichtet). Dafür haben sie auch auf 101 Listen 851 Unterschriften gesammelt, die sie gestern Vormittag an Bürgermeister Andreas Stanicki übergaben – in Vertretung sozusagen.

Da Oberbürgermeister Matthias Klopfer und Erster Bürgermeister Horst Reingruber derzeit beide im Urlaub weilen, vereinbarten sie mit Stanicki einen Termin – wohl wissend, dass er, obwohl Baubürgermeister, mit der Baumaßnahme gar nicht betraut ist. Doch da die Stadtwerke als eigentliche Herren des Verfahrens hundertprozentige Tochtergesellschaft des städtischen Eigenbetriebs Bäderbetriebe sind, ist für die Ziegeleisee-Freunde die Stadtverwaltung Ansprechpartner Nummer eins.

Andreas Stanicki nahm die Unterschriften denn auch freundlich entgegen, versprach sie an die Stadtwerke weiterzuleiten und hörte sich die Argumente der Umbaugegner noch einmal an: Da sie durch den geplanten Umbau die Zerstörung eines Kulturdenkmales und eines Naturidylls befürchten, fordern sie – nachdem die Frist eines Bürgerbegehrens abgelaufen ist – nicht nur den sofortigen Planungsstopp, sondern eine Neuplanung mit Bürgerbeteiligung.

Wirtschaftlichkeitsrechnung: Umbaugegner haben Zweifel

Sind sie doch überzeugt, dass nicht nur sie als Ziegeleisee-Freunde gegen die Klärung des trüben Quellwassers und den Einbau von Sprungfelsen und Holzliegedeck sind. Sie werfen auch die schon jetzt angespannte Parkplatzsituation an der Lortzingstraße in die Argumentations-Waagschale. Außerdem bezweifeln sie die von den Stadtwerken vorgelegte Wirtschaftlichkeitsrechnung, wonach sich das Freibad nur mit einem deutlichen Besucherplus halten lässt. In dem Schreiben, das sie dem Unterschriften-Stapel beigelegt haben, argumentieren sie: „Selbst wenn man der Annahme folgen würde, dass doppelt so viele Besucher in das Freibad kämen, wäre es nicht nachvollziehbar, wie eine Investition von 2,5 Millionen Euro plus erhöhte Folgekosten durch eine moderate Preiserhöhung um etwa einen Euro kostendeckend finanziert würde.“

Stattdessen wünschen sie sich, dass das Ziegeleiseebad so erhalten bleibt, wie es ist – auch um zwei verschiedene Interessengruppen zu bedienen: Schließlich erfülle das neue Oskar-Frech-Seebad schon die Wünsche der Chlorbad- und Saunabesucher mit mittleren bis höheren Einkommen. Das Ziegeleiseebad hingegen soll für sie die Bedürfnisse der Schorndorfer mit mittleren bis geringeren Einkommen „an einfaches, naturnahes, preisgünstiges Schwimm- und Badevergnügen im Sommer“ stillen.

Dass die Sauna erweitert wird und Sanitär- und Umkleideräume sowie der Baby- und Kleinkindbereich im Freibad erneuert werden, dagegen wollen sich die Umbaugegner gar nicht sperren. Doch mit der großen Umbaulösung – vor allem im Seebereich – können sie sich partout nicht anfreunden. Sie wünschen sich vielmehr, dass jetzt die Chance ergriffen wird, für alle Schorndorfer Freibäder ein gemeinsames Konzept zu entwickeln, „das über Bürgerbeteiligung und Budgetmitbestimmung direkte Demokratie in der Kommunalpolitik wieder erfahrbar macht und der allgemeinen Politikverdrossenheit entgegenwirken könnte“.

 

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