Schorndorf Zweite Chance für insolventen Busbetreiber Knauss?

„Knauss ist Schorndorf“: Das Busunternehmen hat im August einen Insolvenzantrag gestellt. Die Schorndorfer Buslinien werden neu ausgeschrieben. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Schorndorf.
"Herr Oberbürgermeister Klopfer, bitte setzen Sie sich für die Beschäftigten und das Unternehmen ein!" Den Hilferuf richten die 50 Busfahrer des insolventen Busunternehmens Knauss an den Schorndorfer Oberbürgermeister. „Knauss ist Schorndorf“, lautet ihr Appell. Binnen weniger Tage hatten die Busfahrer bei ihren Fahrgästen fast 850 Unterschriften gesammelt. Am Montag überreichten sie Klopfer die Unterschriftenliste. „Wir brauchen weiterhin freundlichen, pünktlichen und verlässlichen Nahverkehr in Schorndorf. Dafür steht Knauss“, heißt es auf dem Flugblatt, mit dem die Busfahrer in ihrer Freizeit Unterschriften bei den Fahrgästen sammelten. „Der fehlgeleitete Ausschreibungswettbewerb hat das Unternehmen in die Insolvenz getrieben. Es droht die sofortige Stilllegung und damit verbunden betriebsbedingte Kündigungen von allen Beschäftigten.“

Die Uhr tickt. In den letzten Wochen haben sich bei Knauss die Ereignisse überschlagen. Nachdem die Firma Knauss-Reisen Dieter Frank GmbH & Co. KG am 8. August Insolvenz angemeldet hatte, begann zunächst recht zuversichtlich die Suche nach einem Investor. An denen schien es nicht zu mangeln, doch dann sprang ein Interessent nach dem anderen ab. Die Insolvenzverwalterin bot an, gegen einen Aufpreis die Busse weiterfahren zu lassen. Dies lehnte wiederum das Landratsamt ab, woraufhin Knauss die Verkehre der Linien 242 bis 249 zum 31. Januar 2020 kündigte. „Wir sind in einer Wettbewerbswelt“, erklärte Dr. Peter Zaar am Montag im Kreistag. Eine freihändige Vergabe sei nicht möglich. Zaar ist als Erster Landesbeamte für den ÖPNV zuständig. Bis aber die Verkehre europaweit neu ausgeschrieben werden können, ist eine Notvergabe für ein halbes Jahr notwendig. Am Dienstag endet die beschränkte Ausschreibung, zu der das Landratsamt sechs Busfirmen eingeladen hatte, darunter auch die insolvente Firma Knauss.

Statt Qualität habe der Preis entschieden

Für die Dienstleistungsgewerkschaft und den Knauss-Betriebsrat liegen die Gründe für die Insolvenz des Unternehmens an der generellen Ausschreibungspraxis der Buslinien. In den vergangenen Jahren wurden zwischen Rems und Murr mehr als ein Dutzend sogenannter Linienbündel neu vergeben. Doch statt auf Qualität und Service zu achten, habe ausschließlich der Preis entschieden, moniert die Gewerkschaft. Der Wettbewerb werde auf dem Rücken der Beschäftigten und der Fahrgäste ausgetragen. Den mehr als 50 Busfahrern bei Knauss drohe der Verlust ihrer Arbeitsplätze.

Das Landratsamt wiederum argumentiert, dass ihm in Sachen europaweiter Ausschreibung die Hände gebunden sind. Mit Linienbündeln waren die Kreise in der Region den örtlichen mittelständischen Busunternehmen insoweit entgegengekommen, dass kleinteilige Verkehre für große, internationale Verkehrsunternehmen uninteressant sind. Den Zuschlag für das Schorndorfer Bündel erhielt vor fast zwei Jahren der bisherige Betreiber, die Firma Knauss. Und zwar zu einem Preis, der den der Mitbewerber nur unwesentlich unterschritten habe, betonte Zaar. Er widerspricht auch dem erhobenen Vorwurf, dass dieser Preis nicht auskömmlich sei. Er vermutet, dass die Insolvenz von Knauss wohl eher einem Missmanagement geschuldet sei.

Oberbürgermeister Matthias Klopfer bedauert jedenfalls die Entwicklung und teilt die Sorge der Knauss-Mitarbeiter um ihre Jobs. „Wir waren immer sehr zufrieden mit Knauss“, sagte Klopfer auf Nachfrage und hofft auf eine gute Lösung – sowohl im Sinne der Fahrgäste wie auch der Mitarbeiter.


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