Schorndorfer Schulzentrum Randalierer hinterlassen fünfstelligen Sachschaden

Farbschmierereien im Schulzentrum Süd: Sprayer und randalierende Jugendliche waren unterwegs. Foto: Habermann / ZVW

Schorndorf. 30 bis 40 randalierende Jugendliche vor der Gottlieb-Daimler-Realschule: Am Samstagabend haben Anwohner gleich zweimal die Polizei alarmiert. Obwohl die Beamten Platzverweise erteilt haben, randalierten die Jugendlichen nach Mitternacht noch einmal, zündeten Feuerwerkskörper, hinterließen Farbschmierereien an der Schule, versprühten einen Feuerlöscher, verteilten Abfall auf dem Gelände und richteten einen Sachschaden von 10 000 bis 15 000 Euro an. Es ist ein Höhepunkt in einer Reihe von Sachbeschädigungen.

Schon wieder Randale auf einem Schorndorfer Schulhof – sofort wird die Erinnerung an die große Schlägerei auf dem Künkelinschulhof von Anfang Juni wach. Nach bisherigen Erkenntnissen gibt es für Markus Jatzko, Leiter des Polizeireviers Schorndorf, aber keinen Zusammenhang. Dennoch hofft er auf einen schnellen Ermittlungserfolg. Bei der Gruppe, die am Samstag erst gegen 20 Uhr und dann noch einmal nach Mitternacht für enorme Unruhe auf dem Schulhof gesorgt hat, handelt es sich laut Polizei „um ortsansässige Jugendliche und Heranwachsende“ – mit deutschen und ausländischen Nachnamen. Ob die Jugendlichen, denen die zwei Streifen des Polizeireviers gegen 20 Uhr zum ersten Mal Platzverweise erteilt haben, später auch tatsächlich für die enormen Sachbeschädigungen verantwortlich sind, lässt sich noch nicht abschließend sagen: Nicht alle der anwesenden Jugendlichen konnten namentlich erfasst werden.

50 Farbschmierereien an und im Gebäude

Gegen 0.20 Uhr jedenfalls alarmierten Anwohner, die sich in der Vergangenheit schon oft über nächtliche Gelage ärgern mussten, zum zweiten Mal die Polizei, weil sich wieder eine größere Gruppe von Jugendlichen an der Schule zusammengefunden und Feuerwerkskörper gezündet hatte. Vor Ort stellten die Beamten fest, dass die Jugendlichen außerdem den Inhalt eines Feuerlöschers auf dem Sportplatz versprüht, Abfall auf dem Gelände verteilt und insgesamt 50 Farbschmierereien an den Außenwänden des Schulgebäudes sowie an Oberlichtern auf dem Dach und, wie sich erst jetzt herausstellte, sogar im Gebäude hinterlassen hatten. Die Polizei erteilte zum zweiten Mal Platzverweise.

Schulleiter glaubt nicht, dass es Realschüler waren

Ob es sich bei den Randalierern um Schülerinnen und Schüler der Gottlieb-Daimler-Realschule handelt, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht klar. Schulleiter Peter Hoffmann glaubt, nach dem Buschfunk in seiner Schule zu urteilen, aber nicht richtig daran: „Wir machen ganz allgemein die Feststellung, dass unsere Schüler nicht das Problem sind.“ Kürzlich wurde das Außengestühl an der Mensa beschädigt – „dafür haben sie nicht wirklich einen Anlass“, findet Hoffmann und kann ansonsten von größeren Sachbeschädigungen auf dem Schulgelände nicht berichten: „Wir liegen im normalen gesellschaftlichen Trend.“ An der Gottlieb-Daimler-Realschule ist’s nach seinem Dafürhalten also nicht schlimmer, aber auch nicht besser als anderswo.

"Das ist kein Spaß mehr"

Und hat Hoffmann in der Vergangenheit vielleicht mal nach dem Wochenende zerbrochene Flaschen auf dem Schulgelände liegen sehen, die Randale am vergangenen Wochenende hat auch für ihn eine andere Dimension: Er hält es nicht nur für gefährlich, auf dem Dach herumzusteigen, in eine Baustelle, ja sogar in das Gebäude einzudringen. Für ihn haben die Jugendlichen am Wochenende auch ganz klar Hausfriedensbruch, ja einen Einbruch begangen: „Das ist kein Spaß mehr.“

Sachbeschädigungen auch im MPG und in der Mensa

Und tatsächlich ist das Bild, das Erster Bürgermeister Edgar Hemmerich vom Schulzentrum Süd zeichnet, überhaupt nicht rosig: Seit vergangener Woche häufen sich dort die Sachbeschädigungen. Bei einem Besuch im Max-Planck-Gymnasium hat Hemmerich selbst mitbekommen, wie sich eine Betreuungskraft bei einem Lehrer über eine zerstörte Autoscheibe beklagte. Vor den Weihnachtsferien wurden im SMV-Zimmer drei kaputte Fensterscheiben entdeckt. An der neuen Mensa wurden Ein- und Ausgangstüren kaputtgetreten, das Außenmobiliar wurde „mutwillig zerstört“. In der Jungstoilette, weiß Markus Wasserfall, Schulleiter am Max-Planck-Gymnasium, wurden zwei Sichtschutzwände zwischen den Pissoirs weggetreten. „Wir verstehen’s gar nicht“, sagt Wasserfall: „Da muss jemand seine Aggressionen ausgelebt haben.“.

Und auch für EBM Edgar Hemmerich ist die Sache klar: „Wir haben es mit einer Gruppe von Jugendlichen, vielleicht von Schülern zu tun, die dort oben ihr Unwesen treibt.“ Das wird Konsequenzen haben: Die Stadt Schorndorf als Schulträger überlegt, wie die Gebäude besser gesichert werden können und die Kontrolle – auch in den Pausen – verstärkt werden kann. Vergangene Woche, erzählt Hemmerich, hat der Hausmeister sogar rauchende Schüler im Gebäude erwischt.


Schlägerei auf dem Künkelinschulhof

Anfang Juni 2018 kam es an einem Samstagabend auf dem Schulhof der Künkelinschule zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen zwei etwa 30-köpfigen Gruppen. Die eine Gruppe bestand hauptsächlich aus Syrern und Afghanen, die andere, so haben wir damals berichtet, war ein „bunt gemischter Haufen verschiedenster Nationalitäten“, „auch Deutsche“.

Blaulicht, Sirene, Rettungshubschrauber, Streifenwagen – es ging drunter und drüber vor der Künkelinhalle. Eine Person wurde schwer und eine weitere leicht verletzt: Ein 18 Jahre alter Syrer erlitt Gesichtsverletzungen und wurde mit dem Rettungshubschrauber in eine Klinik geflogen. Ein 19 Jahre alter Syrer wurde mit dem Rettungswagen zur ambulanten Behandlung ins Krankenhaus gebracht.

„Es sieht so aus“, als seien die Gruppen „nicht zufällig“ aufeinandergetroffen, sondern hätten sich verabredet, mutmaßte die Polizei damals. Mitte Juni wurde die Ermittlungsgruppe der Kripo Waiblingen und des Polizeireviers Schorndorf, die nach der Auseinandersetzung vor der Künkelinschule eingerichtet worden war, aufgelöst. Aktuell wird der Fall im Amtsgericht Schorndorf verhandelt, Tatvorwurf: gefährliche Körperverletzung.

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