Schorndorfer Weihnachtswelt Mieses Wetter, weniger Gäste

An einigen Abenden war die Weihnachtswelt trotzdem gut besucht. Foto: Habermann / ZVW

Schorndorf. Zu verregnet, zu warm, zu wenig Besucher: Das Fazit der Marktbeschicker fällt dieses Jahr eher ernüchternd aus. Ein Grund für schlechte Laune war das aber bei den meisten nicht, denn: Die gute Atmosphäre hat viel wieder wettgemacht, auch bei den Gästen aus den Partnerstädten.

„So hab ich’s noch nie erlebt“, sagt Sissi Wudtke von „MaulTäsch“. Sie verkauft im fünften Jahr schwäbische Leckereien an ihrem Stand auf der Weihnachtswelt. „Andere sind natürlich schon länger dabei“, relativiert sie. Besonders das schlechte Wetter an den ersten beiden Adventssonntagen habe Kunden gekostet. Stadtrat Werner Neher vom „Wein- und Teelädle“ hat in der Tat schon mehr Erfahrung und erinnert sich noch an einen Winter vor einigen Jahren, in dem er bei 15 Grad Minus Glühwein verkauft hat. Schlimmer geht also immer, aber so gut wie im vergangenen Jahr lief es trotzdem auch bei ihm nicht. „Es regnet manchmal auch in Deutschland, das hat man nach diesem Sommer vergessen“, scherzt er. „Aber guter Glühwein läuft immer.“

Nach dem Attentat in Straßburg: Keine Angst zu spüren

Das bestätigt auch Ulrich Fink, Geschäftsführer von Schorndorf-Centro: „Essen und Trinken verkauft sich, Weihnachtsschmuck weniger.“ Der Stadtmarketing-Verein betreut den Markt rundum, vom Aufbau über die Aufsicht bis zur Dekoration. Um die Sicherheit zu gewährleisten, wurden auf Wunsch der Polizei dieses Jahr die Fluchtwege beschildert. Außerdem führte ein Mitarbeiter von Schorndorf-Centro regelmäßig Rundgänge durch. „Die Polizei hat verstärkt mit Streifen reagiert und nachts gab es einen zusätzlichen Sicherheitsdienst,“ sagt Fink. „Die Sicherheit ist für uns ein wichtiges Thema, wohl wissend, dass es einen letzten Schutz nicht gibt.“ Trotzdem ist alles friedlich verlaufen, auch das Attentat auf dem Straßburger Weihnachtsmarkt habe sich nicht bei den Besucherzahlen bemerkbar gemacht.

François Theillaumas kam aus Frankreich angereist, allerdings nicht aus Straßburg, sondern aus der Schorndorfer Partnerstadt Tulle. Dieses Jahr hat er schon zum neunten Mal französische Delikatessen verkauft. „Unheimlich schlechtes Wetter“, kommentiert der Großhändler seinen Aufenthalt in der Daimlerstadt. „Letztes Jahr gab es Sonne und Schnee, dieses Jahr Regen und Wind.“ Trotzdem ist er gerne da, freut sich, alte Freunde wiederzutreffen und zu sehen, wie die Kinder von Bekannten größer geworden sind. „Ich bin immer froh, hier zu sein“, sagt er. Die Zeit am Stand auf der Weihnachtswelt ist eine willkommene Abwechslung vom alltäglichen Berufsleben, „Ferien für den Kopf“, meint er.

„Das tut uns nach den vielen Jahren richtig weh“

„Die erste Frage ist immer, ob wir wiederkommen, weil der Weihnachtsmarkt ohne uns langweilig wäre“, sagt Doreen Lippmann-Grund, die ebenso jedes Jahr aus einer Schorndorfer Partnerstadt anreist. Die Thüringer Rostbratwürste aus Kahla sind inzwischen fester Bestandteil der Weihnachtswelt. Die frische Ware, die Lippmann-Grund verkauft und an den Stand nebenan liefert, an dem die Würste frisch gebraten werden, wird während des Markts alle zwei Tage aus Thüringen angeliefert. „Das ist ein Riesenaufwand“, sagt sie und bemerkt: „Es waren viel weniger Leute unterwegs dieses Jahr.“ Die Stammkunden seien aber trotzdem gekommen. „Bei schönem Wetter und dann geballt.“

Aber nicht alle der üblichen Partnerstadt-Besucher waren vertreten: Waltraud Feistritzer aus dem österreichischen Radenthein konnte aus persönlichen Gründen zum ersten Mal nach langjähriger Teilnahme nicht anreisen. „Das tut uns nach den vielen Jahren richtig weh,“ sagt Ulrich Fink von Schorndorf-Centro. „Die Leute haben sie wirklich gesucht.“ Er ist froh, dass „Jacky’s Dorfladen“ aus Oberberken eingesprungen ist, um das Vakuum zu füllen.

"Fürs Wetter können wir halt nichts“

Georg Vlassidis vom Eiscafé Santa Lucia sieht die Dinge positiv. „Es waren ein paar Regentage dabei, aber wir wollen uns nicht beschweren.“ Der Markt habe schwach angefangen, aber mit dem Gesamtpaket sei man trotzdem zufrieden. „Wir haben den Vorteil, dass wir unseren Hauptbetrieb um die Ecke haben“, sagt er. Das Eiscafé betreibt zwar erst im zweiten Jahr seinen Stand auf der Weihnachtswelt, will aber auch in Zukunft dabei bleiben. „Es macht Spaß“, sagt Vlassidis, „wir sind motiviert und lernen jedes Jahr dazu.“ Vielleicht im nächsten Jahr wieder bei besserem Wetter.

„Es hat uns alle getroffen“, zieht Sissi Wudtke von „MaulTäsch“ Bilanz. Ulrich Fink schaut auch auf die Nachbarorte: „Das Problem hatten nicht bloß wir, das hatten alle in der Umgebung.“ An den Stehtischen und Schirmen habe es einige Sturmschäden gegeben, die müssen jetzt erst einmal aufgenommen werden. „Wir können noch so gut organisieren“, meint Fink. Fürs Wetter können wir halt nichts.“


Die Diskussion über längere Öffnungszeiten

„Es wäre schön, wenn der Weihnachtsmarkt wenigstens samstags eine Stunde länger offen wäre“, meinen Stefan Falkenstein und Christina Kefer, die dieses Jahr schon nachmittags als Gäste auf der Weihnachtswelt unterwegs waren. „Letztes Jahr kamen wir gegen halb neun Uhr abends, und die Stände waren schon am Zumachen.“ Dabei komme erst abends im Dunkeln richtig Stimmung auf.

„Wir führen diese Diskussion seit Jahren“, sagt Ulrich Fink von Schorndorf-Centro. Früher habe der Markt durchgängig bis 20 Uhr aufgehabt, seit zwei Jahren können Getränke und Speisen am Freitag und Samstag auch bis 21 Uhr verkauft werden. „Das ist schon relativ lang“, meint Fink. Bis alles geputzt und aufgeräumt ist, werde es für viele der Standbetreiber 22 Uhr, bis sie nach Hause gehen könnten.

Außerdem sei es natürlich auch eine Frage des Personals und der Rentabilität. Das Modell, am Freitagabend länger zu verkaufen, habe man vor einigen Jahren schon ausprobiert. „Das war nur ein Vorglühen“, so Fink. Den Anwohnern mute man über das Jahr hinweg sowieso schon viel zu.

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