Schorndorfer Wochenmarkt Stadt und Marktbeschicker arbeiten an Verbesserungen

Der Schorndorfer Wochenmarkt. Foto: ZVW/Alexandra Palmizi

Schorndorf. Keine Frage, der Wochenmarkt, vor allem der am Samstag, ist ein altbewährtes Schorndorfer Markenzeichen. Und die Besucher und Kunden sind, wie eine vom Fachbereich Wirtschaftsförderung durchgeführte Umfrage gezeigt hat, mit dem Wochenmarkt überwiegend auch sehr zufrieden. Was aber nicht heißt, dass es nichts zu verändern und zu verbessern gäbe. Und genau daran arbeiten Stadt und Marktbeschicker gemeinsam.

Hier geht es direkt zu den Ergebnissen der Befragung.

Ein Problem ist zum Beispiel die Altersstruktur - und zwar sowohl auf Seiten der Beschicker als auch auf Seiten der Kunden. Woraus laut Lars Scheel vom Fachbereich Wirtschaftsförderung einerseits die Sorge rührt, dass der eine oder andere Marktbeschicker in den nächsten Jahren aufhören und eine Lücke hinterlassen könnte, und sich andererseits die Frage ergibt, was sich am Wochenmarkt verändern müsste, damit er verstärkt auch eine jüngere Zielgruppe anspricht. Aus der von Trainee Svenja Beigl vorgestellten Umfrage geht in diesem Zusammenhang hervor, dass sich die Jüngeren – die Grenze wurde bei 41 Jahren gezogen – nicht zuletzt andere Marktzeiten wünschen und dass dieser Wunsch umso ausgeprägter ist, je jünger die Befragten sind. Als mögliche Änderungen werden hauptsächlich längere Öffnungszeiten am Samstag und ein Nachmittagsmarkt genannt. Wofür Oberbürgermeister Matthias Klopfer teilweise Verständnis hat. Über einen dritten Wochenmarkttag habe er selber auch schon einmal nachgedacht, ohne diese Idee dann weiter zu verfolgen, sagt Klopfer, der bezüglich längerer Öffnungszeiten zu bedenken gibt, dass es da schon Versuche gegeben hat, die aber nicht sehr erfolgreich waren. Zum einen, weil auch die Interessen der Marktbeschicker gesehen werden müssten, die vom frühen Morgen an auf den Beinen seien und am Samstag auch irgendwann Feierabend machen wollten, und zum anderen, weil die Frequenz ab einer bestimmten Zeit doch spürbar nachgelassen habe.

Partnerschaftliches Verhältnis zwischen Stadt und Beschickern

„Etwas gegen den Willen der Marktbeschicker zu machen, macht keinen Sinn“, weiß Lars Scheel, der genauso wie der Oberbürgermeister froh darüber ist, dass sich das Verhältnis zwischen Stadt und Marktbeschickern in den letzten Jahren zu einem sehr partnerschaftlichen entwickelt hat und dass es auf beiden Seiten den erklärten Willen gibt, auf Veränderungen und neue Herausforderungen mit im Konsens erarbeiteten Lösungen zu reagieren. Äußerer Ausdruck dieses Miteinanders sind von der Stadt angebotene und von den Marktbeschickern gut angenommen Workshops, in denen auch offen über die Umfrageergebnisse und sich daraus möglicherweise ergebende Konsequenzen diskutiert wird. „Erstmalig wird an einer gemeinsamen Strategie gearbeitet“, freut sich Matthias Klopfer.

Bei schlechtem Wetter entstehen Lücken

Daran, dass die Stimmung unter den Marktbeschickern eine deutlich bessere ist, als das früher der Fall war, haben der beim Fachbereich „Sicherheit und Ordnung“ für das Marktwesen zuständigen Marina Fischer zufolge auch die zwei neuen Marktmeisterinnen einen gehörigen Anteil, die zu den Marktbeschickern ein fast schon freundschaftliches Verhältnis pflegten und ihre Hauptaufgabe nicht darin sähen, mit dem Meterstab in der Hand zu kontrollieren, ob ein Stand einen halben Meter über die zugeteilte Standfläche hinausrage. Das sei alles kein Problem, „solange nicht jemand übers Ziel hinausschießt“, meint auch Matthias Klopfer, der ebenso wie Marina Fischer und Lars Scheel ein Problem für den Wochenmarkt darin sieht, dass er vor allem an witterungsbedingt schlechten Tagen – und da vor allem in den Herbst- und Wintermonaten – und nach Feiertagen größere Lücken aufweist. Wobei es laut Marina Fischer bei den Marktbeschickern solche und solche gibt: solche, die sich für ihr Fernbleiben entschuldigen oder es schon im Voraus ankündigen, und solche, die unentschuldigt fehlen. Aber auch daran, die Verlässlichkeit zu erhöhen, werde gearbeitet, sagt Lars Scheel, der einen Grund für eine gewisse Unverbindlichkeit darin sieht, dass bislang nur Gebühren kassiert werden, wenn die Händler auch da sind. Da eine andere Lösung zu finden und den Marktbeschickern, die regelmäßig kommen, finanziell durchaus etwas entgegenzukommen, hätte aus Sicht von Lars Scheel auch den Vorteil, „dass die Marktmeisterinnen nicht mehr mit dem Handkässle rumrennen müssen“. Immerhin wird der Schorndorfer Wochenmarkt im Idealfall am Dienstag von 34 und am Samstag von 56 Marktbeschickern bevölkert, von denen etwa die Hälfte an beiden Markttagen vertreten ist. Und natürlich, so Scheel werde in den Gesprächen mit den Marktbeschickern auch intensiv am Thema Plastikverpackungsreduzierung gearbeitet.

Stotterstart für den neu eingeführten Radkurierservice

Auch der mittlerweile eingeführte Radkurierservice ist das Ergebnis dieser bilateralen Gespräche. „Der stottert aber noch ein bisschen“, hat Lars Scheel beobachtet - weil viele Menschen ihre volle Einkaufstüte offensichtlich nicht so ohne weiteres abgeben wollten. Ganz im Gegensatz zum Oberbürgermeister, der diesen Service schon in Anspruch genommen hat. Schließlich bietet so ein Markttag auch noch andere Zerstreuungen und Möglichkeiten als das Einkaufen. Sich mit anderen treffen, mit ihnen reden, im Café sitzen und das Marktgeschehen mal einfach nur beobachten – auch das gehört für Klopfer zu einem samstäglichen Markttag. Weshalb er – außerhalb der Gartenschau – Menschen, die ihn nach dem idealen Besuchstag für die Schorndorfer Innenstadt fragen, auch immer den Samstagvormittag ans Herz legt.

Da herrsche „so eine kleine Gartenschau-Atmosphäre“ in der Stadt, findet der Oberbürgermeister, für den Nachhaltigkeit und Regionalität die herausragenden Eigenschaften eines Wochenmarktes sind – und eine gewisse Enge gehöre natürlich auch dazu. Und außerdem, auch das lässt sich aus der Umfrage ablesen, ist er auch ein Frequenzbringer, von dem auch der Einzelhandel und die Gastronomie in der Innenstadt profitieren.


Ergebnisse der Befragung zum Wochenmarkt

968 Personen, das sind zwei Prozent der Schorndorfer Wohnbevölkerung, haben an der Bürgerbefragung zum Wochenmarkt teilgenommen, was Svenja Beigl als „große Beteiligung“ wertet. Und um bei der Frage anzufangen, wie die Sortimente bewertet werden, so gibt’s dafür eine Durchschnittsnote von 2,1. Besser vertreten sein dürften nach Meinung der Befragten Fisch, das Sortiment Spezialitäten/Feinkost und der Bereich Imbiss/Gastronomie. Und Lars Scheel weiß aus seinen vergleichenden Beobachtungen auf anderen Wochenmärkten in der Region, dass es in Schorndorf ein vergleichsweise deutliches Überangebot an Blumen gibt.

Auf die Frage, worauf des beim Besuch des Wochenmarktes vor allem ankommt, haben die meisten die Aspekte Frische/Qualität, regionale Produkte, Freundlichkeit der Händler (im Durchschnitt immerhin mit der Note 1,7 bewertet), Eigenerzeugnisse und Warenkennzeichnung genannt. Wobei gerade in den beiden letzten Kategorien auch noch die meisten Verbesserungspotenziale gesehen wurden.

Was den Service und Aktionen angeht, so rangieren die Wünsche nach einem plastiktütenfreien Wochenmarkt (67 Prozent), nach saisonalen Themenmärkten (49 Prozent) und nach mehr Probierhäppchen (42) auf den vorderen Plätzen. Musik zur Marktzeit und Aktivitäten für Kinder haben nur eine nachrangige Wertigkeit.

Was Repräsentativität und Datenqualität der Umfrage angeht, so sind die Frauen deutlich überrepräsentiert, sind doch 80 Prozent aller, die befragt wurden beziehungsweise sich beteiligt haben, über 40 Jahre alt und gehen 52 Prozent der Befragten mindestens einmal wöchentlich und 67 Prozent in aller Regel samstags auf den Wochenmarkt.

Bezüglich ihres Einkaufsverhaltens sagten 63 Prozent, dass es gleich geblieben sei, während 19 Prozent angaben, dass sie häufiger auf dem Wochenmarkt einkauften als früher. Als Hauptgründe dafür genannt wurden das Angebot an regionalen Produkten und das Flair, noch eine untergeordnete Rolle spielt die Möglichkeit, plastikfrei einkaufen zu können. Bei den 14 Prozent, die angaben, weniger häufig als früher einzukaufen, wurden als Gründe die schlechtere Erreichbarkeit – Stichwort: Parken – und familiäre beziehungsweise private Veränderungen (Alter, Gesundheit) ins Feld geführt. 90 Prozent aller Befragten gaben an, dass sie ihren Einkauf auf dem Wochenmarkt in aller Regel mit anderen Einkäufen und Erledigungen in der Stadt verbinden.

Was schließlich die Marktzeiten betrifft, so sind 87 Prozent der Befragten mit den aktuellen Marktzeiten zufrieden, nur 13 Prozent – je jünger, desto mehr – wünschen eine Veränderung.

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