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Schowo 2016 Missverständnis - erster Intimus bericht

Die SchoWo am Sonntagabend. Foto: Benjamin Beytekin

MISSVERSTÄNDNIS – Schon seit Jahren ist er mit dabei – ein Marktbeschicker mit Indio-Kunsthandwerk. Einst, so heißt’s, reiste er nur mit Panflöten und Halbplayback an. Die letzten Jahre bereicherte er die SchoWo mit gewebten und anderweitig hergestellten Waren. In diesem Jahr nun kam der SchoWo-Freitag, aber besagter Beschicker fehlte. Dann der Anruf: Er hatte den Termin verpasst, wann er zum Aufbau kommen dürfe. „Am Samstag um zwei“, lautete die knappe Auskunft. Als dann der gute Mann samt Indiokunst mitten in der Nacht anrückte, und seinen Stand montierte, fielen den SchoWo-Machern schier die Augen aus dem Kopf. Mit „zwei“ war der Nachmittag gemeint gewesen. Der Marktbeschicker, der nicht noch einmal einen Termin verpassen wollte, hatte eben die erste „zwei“ auf der Uhr gewählt, die der Samstag zu bieten hatte, vermutet Jürgen Dobler heute. Also musste der Standchef wieder abbauen, und durfte zwölf Stunden später erneut antreten. Um die entgangenen Einnahmen zu kompensieren, hat er nun seine Flöte wieder ausgepackt. Vielleicht bringt das ja noch ein paar Euro mehr...

HANDWERKSTALENT – So ein SchoWo-Mitarbeiter kann eigentlich fast alles. Zumindest gibt’s in dem Team immer einen, der ein plötzlich auftauchendes Problem lösen kann. Gut so für Familie Bech. Mutter und Sohn betreiben gemeinsam die Schiffschaukel am Mondscheinbrunnen. Schon seit Jahrzehnten kommen sie mit dem immergleichen Fahrgeschäft. Das hatte noch der Familienvater angeschafft. Jahrelang hatte er um den Stellplatz angefragt. Dann vor einigen Jahren rief er zum letzten Mal vom Krankenbett an – früher als sonst. Er habe nur noch wenige Wochen zu leben, daher versuche er, für seine Familie die weiteren Geschäfte zu regeln. Ob seine Frau mit der Schiffschaukel wieder zur SchoWo kommen dürfe. Die VG sagte natürlich zu. Gab der Schiffschaukelfamilie quasi eine Dauerkarte für die SchoWo. Und so reisen sie nun Jahr für Jahr an, inzwischen ist der 17-jährige Sohn der Schaukelchef. Nur leider geht immer wieder etwas kaputt an der nicht mehr ganz so taufrischen Schaukel. So auch in diesem Jahr. Aber einer der SchoWo-Mitarbeiter konnte einmal mehr helfen und damit der Familie die so dringend benötigten Einnahmen retten. Und die Rettung brachte auch ihm Frieden. Familiären nämlich, heißt es. Der Sprössling saß ihm während der Reparatur im Nacken und wollte endlich schiffschaukeln.

RECHENAUFGABE – Bingo-Chef Bodo Dura kann es noch immer kaum fassen. Da hatte doch letztens ein Spieler freie Bingo-Auswahl. Eine Spülmaschine im Wert von rund 400 Euro hätte es sein können. Oder der Besuch des Rocky-Musicals oder was auch immer. Der schon leicht Angeheiterte entschied sich für etwas anderes: einen Kasten Bier. Das Pfand muss er aber selber zahlen. Nicht auszumalen, wie viele Kästen Bier sich der Sieger hätte leisten können, wenn er die Spülmaschine gewählt und sie anschließend vertickt hätte. Da muss auch Intimus mit dem Kopf schütteln.

FAMILIENPAUSE – Frühschoppen mit den Haubersbronner „Frisch Auf“-Musikanten am späten Sonntagvormittag – auch wenn mancher die flotten Gardemädchen der 1. SMTV vermisst haben mag, der Haubersbronner Musikverein kann sich auch sehen lassen: Das Durchschnittsalter, hat Intimus erfahren, liegt bei unglaublichen 27 Jahren, Dirigent Philipp Heidemann ist sogar erst 25 – und Roland Hieber mit seinen auch nicht gerade uralten 59 Jahren der Zweitälteste der Kapelle. Und die hat obendrein noch eine richtig lange SchoWo-Geschichte vorzuweisen: In den ersten 20 Stadtfest-Jahren, als Partybands noch zur Zukunftsmusik gehörten, waren die Haubersbronner Dorfmusikanten, wie sie sich heute noch bisweilen nennen, nonstop dabei. Nach der Familienpause – die bei „Frisch Auf“ immerhin 28 Jahre dauerte – sind sie wieder zurück. Und der letzte SchoWo-Auftritt soll’s nicht gewesen sein: Werden sie zur SchoWo 2017 eingeladen, wollen sie wieder mit flotter Weise unterhalten – von Marsch über Polka bis zu Rock und Pop.

AUF DIE OHREN – Doch Intimus bekommt während der SchoWo ja sowieso ganz schön was auf die Ohren: Hofbräuregiment am Freitagabend, MPG-Big-Band und Blasorchester der Jugendmusikschule am Samstagvormittag – und dann am Nachmittag Tanzschulen-Musik, bis die Scheiben am Oberen Marktplatz beängstigend klirren. Da ist „Shango“ im Anschluss Entspannung pur. 35 Jahre lang hat sich Intimus „Talente am Mikrofon“ am Samstagnachmittag angehört, dieses Mal gab’s Westcoast-Latin-Smooth vom Feinsten: Da fehlte wirklich nur noch der Liegestuhl zum SchoWo-Chillout.

ERSCHRECKT – Ganz schon in die Knochen gefahren ist es Intimus am Freitagabend bei der Eröffnung. Übrigens ist es nicht nur ihm so ergangen. Ähnliches wurde ihm von manchem SchoWo-Gast berichtet. Als nämlich am Ende der Auftaktfeier, die ja mit einer Schweigeminute begonnen hatte, die Schützen ihre Böllerschüsse losließen, war er doch ein wenig verunsichert. Die freilich bestellten Verursacher waren auf den Dächern oberhalb des Durchgangs zur Stadtmauer zugange. Aber Intimus konnte es kaum glauben, dass man mit trauerndem Schweigen beginnt und am Ende Kanonenschläge loslässt. Drum war ihm wirklich kurz bange ums Herz, ob hier wohl alles mit rechten Dingen zugeht. Intimus findet: Konsequenterweise und in Gedenken an die Opfer von Nizza und anderer Attentate hätte man die Knallerei vielleicht wirklich einfach ausfallen lassen können.

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