Schüler zeigen Rems-Flut im 3D-Modell Jahrhundert-Hochwasser: Im Boot durch die Waiblinger Innenstadt

Weihnachten 1919: Boote in der Langen Straße. Foto: Stadtarchiv

Waiblingen. Das Jahrhundert-Hochwasser von 1919 hat sich tief ins Gedächtnis der Stadt eingeprägt. Die Rems strömte die Lange Straße in Waiblingen hinauf bis zum heutigen „Bobby’s“. Schüler des Winnender Georg-Büchner-Gymnasiums haben die Flut mit einem 3-D-Druck für eine Ausstellung im Haus der Stadtgeschichte simuliert.

Auf einer historischen Postkarte schippern Menschen mit Booten über die Lange Straße. Im Hintergrund steht der Beinsteiner Torturm, die überflutete Brücke dort ist unpassierbar. An Heiligabend des Jahres 1919 wurden die Waiblinger von einem denkwürdigen Hochwasser überrascht. Innerhalb von wenigen Stunden schwoll der Fluss nach Starkregen und Schneeschmelze auf ein ungekanntes Ausmaß an und bescherte große wirtschaftliche Schäden. Zu Tode kam zum Glück niemand, doch zahlreiche Keller und Wohnstuben standen unter Wasser, und allein von einem Zimmermannsbetrieb ist überliefert, dass ihm Holz im beträchtlichen Wert von 10 000 Reichsmark davonschwamm.

Blickfang im Foyer des Hauses der Stadtgeschichte

100 Jahre später widmet das Haus der Stadtgeschichte, das sich im damals ebenfalls betroffenen Gebäude Weingärtner Vorstadt 20 befindet, dem Hochwasser von 1919 und der Geschichte der sogenannten „Rems-Korrektion“ eine Ausstellung. Blickfang im Foyer wird ein außergewöhnliches Modell der damaligen Innenstadt, das Florian Härdter (17 Jahre) und Lukas Kurz (18 Jahre) vom Georg-Büchner-Gymnasium unter Anleitung des Mathe- und Physiklehrers Peter Barek entwickelt haben.

Maßstabsgetreu bildet das Modell die Häuser und Straßen von damals ab. Viele der Gebäude – etwa die alte Kelter beim heutigen Feuerwehrhaus oder die Festhalle neben der Karolingerschule - gibt es heute nicht mehr. Stadtarchivar Matthias Gandlau stellte einen Stadtplan von 1924 zur Verfügung, das Vermessungsamt lieferte die Terraindaten und die Schüler erstellten ein Höhenprofil. Millimeterarbeit war gefragt, denn die Rems soll in der Simulation genau die Straßen überfluten, die an jenem Tag unter Wasser standen.

Der Hochwachtturm dauert eine halbe bis ganze Stunde

Die Miniatur-Rems blubbert. „Jetzt kommt langsam das Hochwasser“, sagt Peter Barek, nachdem er einen Schalter betätigt hat. „Zuerst geht die Erleninsel unter.“ Mittels einer Aquarienpumpe wird das Modell langsam, aber sicher geflutet, bis der Pegel nach vier oder fünf Minuten den Höchststand erreicht. Danach fließt das Wasser, den Gesetzen der Physik gehorchend, in ähnlichem Tempo wieder ab. Wobei, wie die beiden 2019er-Abiturienten berichten, mehrere Versuche notwendig waren, bis die Scheiben und das Silikon wasserdicht verfugt waren. Vor gut einem Jahr war die Idee für das Modell entstanden. Keiner der Beteiligten hätte geglaubt, dass so ein detailreiches Modell mit echtem Wasser daraus wird. Erst sollten es nur ein paar markante Gebäude sein, der Wasserstand sollte mit Farbe gekennzeichnet werden. Doch ein Schritt ergab den nächsten. Weil mit dem

alten 3-D-Drucker nicht viel zu schaffen war, investierte das Gymnasium mit Hilfe des Fördervereins in einen neuen, leistungsfähigeren. Und als es immer mehr Gebäude wurden, da lag auch der Beschluss nahe, nun doch mit echtem Wasser zu arbeiten. Und der Drucker stand kaum noch still. Der daumengroße Hochwachtturm aus dem Material PLA (Polylactid) braucht immerhin eine halbe bis eine Stunde.

Weitere Jahrgänge des Georg-Büchner-Gymnasiums können sich laut dem stellvertretenden Schulleiter Pascal Märkl über 3-D-Drucker freuen, die mehr können als Würfel und Pyramiden. Und aus pädagogischer Sicht darf das Projekt, in der Freizeit der Jugendlichen umgesetzt, als gutes Beispiel für interdisziplinäres Lernen gelten.


Die Termine

Am Freitag, 15. November, wird die Ausstellung „Leben mit der Rems – das Weihnachtshochwasser 1919“ im Haus der Stadtgeschichte eröffnet. Die Ausstellung zeigt, wie sich das Hochwasser auf Waiblingen auswirkte und welche Maßnahmen getroffen wurden, um künftige Hochwasser zu vermeiden.

Am Donnerstag, 5. Dezember, hält Stadtarchivar Matthias Gandlau einen Vortrag über „Die Zähmung des Wassers –Remsbegradigung und Hochwasserschutz“. Zur Sprache kommen im Vortrag Hochwasser-Ereignisse, deren Ursachen sowie die Anstrengungen, die seither unternommen wurden, um dieser Gefahr in Zukunft zu begegnen.

  • Bewertung
    10

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!