Schuhbranche Generationswechsel bei Bär

Unternehmerfamilie Bär aus Bietigheim-Bissingen Foto: Firmenfoto

Bietigheim-Bissingen - Sich selbst richtig einzuschätzen fällt vielen schwer. Vor allem, wenn es ums Alter geht. „Mein Vater zählt sich selbst immer noch nicht zu unserer Zielgruppe“, sagt Sebastian Bär (38), Geschäftsführer beim Bietigheim-Bissinger Bequemschuhhersteller Bär. „Dabei ist die Zielgruppe der Marke Bär zwischen 55 und 80 Jahre alt.“ Der Firmengründer Christian Bär wird nächstes Jahr 70.

Mangelnde unternehmerische Selbsteinschätzung wird bei vielen Familienunternehmen irgendwann zum Problem. Nämlich dann, wenn der Patriarch den Absprung nicht schafft. Dieses Problem hat die Familie Bär jedoch nicht. „Mein Vater wird sich an seinem 70. Geburtstag im kommenden Jahr aus dem operativen Geschäft zurückziehen“, sagt Sebastian Bär unserer Zeitung.

Zusammen mit seinem Bruder Christof (43) gehört er bereits seit 2003 der Geschäftsleitung an. Vom 21. April 2013 an, werden die beiden die Geschäfte dann allein führen. Die Mehrheit am Unternehmen haben die Söhne bereits Anfang des Jahres übernommen.

Um das Gefühl beim Gedanken an den Abschied zu formulieren, zitiert Christian Bär den Schriftsteller Arthur Schnitzler: „Ein Abschied schmerzt immer, auch wenn man sich schon lange darauf freut.“ Er müsse sich damit abfinden, dass ohne seinen Abschied keine erfolgreiche Nachfolge möglich sei, so Christian Bär. „Da neben der Gründung des Unternehmens die zweitwichtigste Aufgabe des Unternehmers ist, den Fortbestand des Unternehmens zu sichern, werde ich die Macht wohl abgeben. Das fällt mir nicht leicht.“

Bär möchte in diesem Jahr um fünf Prozent wachsen

Die Söhne führen ein solides Unternehmen weiter, das dieses Jahr sein 30. Jubiläum feiert. Als Christian Bär die Firma 1982 gegründet hat, wurde er für seine mitunter wenig sexy anmutenden Gesundheits-Latschen belächelt. Doch inzwischen haben sich die Schuhe mit der Zehenfreiheit ohne Absatz auf dem Markt etabliert. Dass die Menschen immer älter werden und zunehmend auf einen gesunden Körper achten, spielt dem Familienunternehmen in die Karten. Mit der vor einem Jahr eingeführten Marke Joe Nimble will Bär nun auch die jüngere Kundschaft zwischen 35 und 55 erobern. Unter dieser Marke bietet der Schuhhersteller Freizeit- und Sportschuhe an.

Seit der Einführung hat Bär 7000 Schuhe der Marke Joe Nimble verkauft.

In diesem Jahr jedoch spürt der Schuhhersteller die Zurückhaltung der Kunden. „Viele sind durch die Euro-Krise verunsichert“, sagt Sebastian Bär. Vor allem in Frankreich nehme der Konsum ab. „Die Menschen dort sind zusätzlich verunsichert durch den Regierungswechsel.“

So kann Bär im ersten Halbjahr kein Umsatzplus verbuchen, sondern liegt etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Bis zum Jahresende hin hofft der Schuhhersteller jedoch auf ein Plus von fünf Prozent auf etwa 22 Millionen Euro. Zum Ergebnis macht das Familienunternehmen traditionell keine Angaben. Aktuell beschäftigt Bär in Bietigheim-Bissingen 85 Mitarbeiter. Dazu kommen 380 Mitarbeiter am Produktionsstandort in Indien. Für eine Investitionssumme von rund einer Million Euro haben die Bärs dort 2011 eine neue Produktion aufgebaut mit moderneren Anlagen, die unter anderem bessere Arbeitsbedingen versprechen.

Bär vertreibt seine Schuhe ausschließlich über eigene Geschäfte sowie den Online- und Versandhandel.

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