Schulstandort Urbanstraße Korb bleibt bei Schulbauplänen

Die Urbanschule Korb. Foto: Palmizi/ZVW

Korb. Trotz aller Proteste: Die Sanierung des Altbaus an der Urbanstraße und der Neubau an diesem Standort sind beschlossene Sache. Im März 2019 sollen die Bauarbeiten beginnen, die sich bis in den Sommer 2021 ziehen werden. Der Vorschlag von Grünen und SPD, die Pläne für einen vermeintlich günstigeren Schulbau aus Neubulach zu übernehmen, ist damit vom Tisch.

„Was muss passieren, dass manche Leute ihren Verstand einschalten?“ – An der Frage der Korberin Elke Mayer, die an den Gemeinderat adressiert war und am Applaus, den sie erntete, wird die Gemütslage vieler Korber deutlich, die am Dienstagabend zur Gemeinderatssitzung in die Alte Kelter gekommen waren.

Dort äußerten sie ihr Misstrauen gegenüber den Schulbauplänen am Standort Urbanstraße. Unter der Parole „Umdenken“ prangerten sie unter anderem die hohe Verschuldung der Gemeinde an. Die Bürger befürchten weitere Kostensteigerungen, halten die Schule für zu klein, fordern einen Bürgerentscheid – und favorisieren immer noch eine Campus-Lösung bei der Keplerschule, gegen die sich die Gemeinde vor Jahren entschieden hat.

Nichtsdestrotz: Die Gemeinde hält an den Um- und Neubauplänen in der Urbanstraße fest. Sie sollen im März beginnen. Auf der Basis einer erneuten Ausschreibung hat der Gemeinderat am Dienstagabend 70 Prozent der Baumaßnahmen vergeben (siehe Artikel unten). Zuvor hatte das Gremium mit großer Mehrheit den Vorschlag des Grünen-Gemeinderats Gerhard Brenner abgelehnt, der am liebsten „die Reißleine ziehen“ und die Pläne für einen vermeintlich günstigeren Schulbau aus Neubulach an die Brucknerstraße hatte übernehmen wollen (wir berichteten). Lediglich die vier Vertreter von SPD und Grünen sprachen sich dafür aus, den Vorschlag tiefergehend zu prüfen.

Die Mehrheit im Gremium folgte hingegen den Argumenten der Verwaltung, dass die 4,5 Millionen Euro, die Brenner für den Neubau bei der Keplerschule veranschlagt hatte, sich nicht aus dem Landkreis Calw nach Korb übertragen ließen. „Unter Berücksichtigung aller Faktoren, wie das derzeit beschlossene Raumprogramm, bereits geleistete Bauausgaben, Zahlungsverpflichtungen, mögliche Schadensersatzansprüche, erhöhter Erschließungsaufwand und Zeitverzögerungen ist ein Neubau im Bereich der Brucknerstraße nicht kostengünstiger zu errichten“, heißt es im Rathaus. Die Baukosten im Großraum Stuttgart seien ungleich höher als die der ländlichen Schwarzwaldgemeinde. Mit dem Bau könnte wegen anfallender Ausschreibungen frühestens in drei Jahren begonnen werden.

„Kommunalpolitik lässt sich nicht mit Schlagworten lösen“

Gemeinderat Friedrich Zimmerle (CDU/Freie Wähler) warf Brenner und seinen Anhängern, die im Vorfeld der Sitzung im Internet und auf Handzetteln für ein „Umdenken“ geworben hatten, Polemik vor: „Kommunalpolitik lässt sich nicht mit Schlagworten lösen.“ Ein Vergleich zwischen der „Luxusschule“, für die sich die Korber in zahlreichen Diskussionsrunden und unter großer Bürgerbeteiligung entschieden hätten, und dem vergleichsweise einfachen Bau in Neubulach verbiete sich. Albrecht Ulrich (Freie Bürger) sagte: „Wir wollen eine Schule, die auf dem neuesten Stand ist. Wir haben uns das gut überlegt.“ Dass die Investitionen über die kommenden Jahre abbezahlt werden, hält er für fair: „Die Schule wird 40, 50 Jahre lang genutzt, das sind Generationenschulden.“

Dafür erntete Ulrich Protest aus dem Publikum. Grünen-Gemeinderat Gerhard Brenner hatte zuvor seine Befürchtungen bekräftigt, die nun veranschlagten zwölf Millionen Euro für den Schulumbau würden die Gemeinde auf Jahre „strangulieren“. Zumal er von deutlichen Mehrkosten für die Sanierung des Altbaus ausgehe.


Zu wenig Platz

Die Bedenken, dass die neue Schule bei steigenden Kinderzahlen zu klein geplant sei, versuchte Bürgermeister Jochen Müller in der Bürgerfragestunde zu entkräften. In seiner Rechnung braucht Korb im Schuljahr 2019/20 zwölf Klassenräume für rund 300 Kinder. Selbst wenn die Kinderzahlen weiter steigen würden, hätte die Gemeinde ausreichend Platz, so Müller. In der neuen Grundschule sind insgesamt 16 Klassenzimmer geplant – vier mehr als im Neubulacher Neubau.

Einige Korber glauben dieser Rechnung nicht. Sie gehen davon aus, dass die Kinderzahlen – auch aufgrund der vielen Neubaugebiete – stärker steigen werden, als im Rathaus kalkuliert.


Aktuelle Prognose: 12 Millionen Euro

Neubau und Sanierung am Schulstandort Urbanstraße werden nach heutigem Stand circa 12 Millionen Euro kosten. Die Vergabe von rund 70 Prozent der Gewerke an die Firmen, die das jeweils günstigste Angebot eingereicht haben, hat der Gemeinderat am Dienstagabend beschlossen. Das Gremium hatte nach den überteuerten Ergebnissen einer ersten Ausschreibung im Juli entschieden, einen Großteil der Gewerke erneut europaweit auszuschreiben.

Damit hatten die Korber offensichtlich Erfolg: Zwar liegt das Ergebnis der zweiten Ausschreibung rund eine Million Euro über der Kostenberechnung aus dem Jahr 2017, ist aber günstiger als die Angebote der ersten Ausschreibung. Gemeinderat Friedrich Zimmerle drückte es so aus: „Das Ergebnis ist unbefriedigend. Aber wir haben rund eine Million gespart, es hat sich gerechnet.“

Die Gesamtkosten von Neu- und Umbau der Schule wurden im September 2017 mit rund 9,33 Millionen Euro berechnet. Durch die nun beschlossenen Vergaben erhöhen sich die Gesamtkosten um elf Prozentpunkte auf rund 10,36 Millionen Euro. Allerdings sind rund 30 Prozent der Gewerke noch nicht vergeben. Diese machen fast die Hälfte der Gesamtkosten aus. „Das birgt einen gewissen Risikofaktor“, sagte der stellvertretende Bauamtsleiter Joachim Kautz. Weil davon ausgegangen werden muss, dass der Baupreisindex weiter steigt (zwischen der Kostenberechnung 2017 und der der Ausschreibung 2018 stieg er um 6,3 Prozentpunkte), Bauen also immer teurer wird, geht die Verwaltung von 12 Millionen Euro Gesamtkosten aus.

„Können Kosten nicht voraussagen“

Der zuständige Architekt Rainer Löhle sagte, im Großraum Stuttgart sei „der Markt dermaßen satt und ausgelastet, dass wir die Kosten nicht voraussagen können.“ Die aktuelle Kostensteigerung sei für die Region nicht ungewöhnlich. Im Gegenteil: Korb sei „richtig gut dabei.“

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