Schulung beim TV Stetten Kindeswohlgefährdung: Wie reagiert man auf das Leid Betroffener?

Symbolbild. Foto: pixabay (CC0 Public Domain)

Kernen-Stetten. Als Maßnahme zum Kinderschutz hat der TV Stetten 22 Trainer schulen lassen. Das Kreisjugendamt informierte die Teilnehmer der Fortbildung über gesetzliche Grundlagen und Formen der Kindeswohlgefährdung. Die Trainer lernten, wie sie auf das Leid betroffener Kinder reagieren können.

Das Wohl von Kindern und Jugendlichen zu schützen und ihre körperliche, geistige und seelische Entwicklung zu fördern, ist Grundlage des Bundeskinderschutzgesetzes. Institutionen sollen hinsichtlich einer Kindeswohlgefährdung sensibilisiert und präventive Schutzkonzepte erstellt werden. Das hat der TV Stetten jüngst getan: Zum ersten Mal fand eine Fortbildung zum Thema Kindeswohlgefährdung statt.

Vernachlässigung, körperliche und psychische Misshandlung und sexueller Missbrauch sind nach Angaben von Referentin Grit Kühne Formen der Kindeswohlgefährdung. Trainer können diese erkennen, wenn sich die Erscheinung oder das Verhalten eines Kindes verändert. So können Verletzungen, auch Selbstverletzungen, starke Unterernährung, fehlende Körperhygiene und fehlende ärztliche Vorsorge Anzeichen sein, dass Eltern oder andere Erziehungsberechtigte das Wohl ihrer Kinder in Gefahr bringen. Wenn Kinder wiederholt oder schwer gewalttätig handeln, sich apathisch oder stark verängstigt verhalten, benommen oder unkoordiniert wirken, können dies ebenfalls Zeichen von Schäden durch eine Vernachlässigung oder Misshandlung sein.

TV Stetten fordert alle fünf Jahre Führungszeugnis von Trainern

Die Teilnehmer lernten die Ausprägungen und Anzeichen anhand von Fallbeispielen zu erkennen. Falls ein Kind mit Problemen auf sie zukommt, sollen sie dem Kind glauben, aber, bevor sie handeln, erst abschätzen, wie groß das Risiko einer Gefährdung ist, warnte Kühne. Weitere Schritte sind die Beratung im Team oder mit anderen Verantwortlichen und das Gespräch mit den Eltern. Der letzte Schritt ist eindeutig: Es muss gehandelt werden. Dabei können Einrichtungen des Kreisjugendamtes oder das Jugendamt helfen.

Neben dieser Präventionsmaßnahme fordert der TV Stetten von jedem Trainer ein Führungszeugnis. Die Gemeinde kommt dem Verein dabei entgegen, indem das Zeugnis kostenlos ausgestellt wird. Alle fünf Jahre muss eine aktuelle Version vorgelegt werden. Einen speziellen Vorfall, der diese Maßnahme nötig gemacht hätte, habe es nicht gegeben, versichert Monika Geier vom Turnverein Stetten. „Das war eine reine Präventionsmaßnahme“, erklärt sie. Schließlich seien Themen wie Kindesmissbrauch in aller Munde. Sie spricht damit sexuelle Übergriffe auf Kinder in Kirchen und anderen Institutionen an. Neben der Wissensvermittlung hat die Schulung für den TV Stetten einen weiteren Nutzen. Denn für Jugendfreizeiten eines Vereins können Zuschüsse vom Kreisjugendamt beantragt werden, wenn Betreuer eine solche Schulung absolviert haben. Am Anfang der Sommerferien gibt es jedes Jahr eine einwöchige Sportfreizeit. Auch in den anderen Ferien werden Sporttage veranstaltet, dann gibt es zum Beispiel Handball- oder Fußballcamps, die auf Antrag nun bezuschusst werden können.

1800 Mitglieder im TV Stetten

Der TV Stetten zählt knapp 1800 Mitglieder, rund 700 davon sind Kinder und Jugendliche. 100 Trainer arbeiten ehrenamtlich beim Verein, etwa die Hälfte davon sind im Jugendbereich tätig. An der ersten Schulung nahmen 22 Trainer teil. Die Altersspanne war groß: Manche davon waren selbst noch Jugendliche, die als Hilfstrainer agieren, andere 60 Jahre alt. Es nahmen Trainer aus den Bereichen Fußball, Tauchen, Tischtennis, Turnen und Volleyball teil. Anfang des neuen Jahres wird es eine weitere Schulung vom Kreisjugendamt geben. Die Kindersportschule hat bereits an einer Fortbildung zum Kinderschutz teilgenommen.

In der dreistündigen Fortbildung des Kreisjugendamts unterrichtete Grit Kühne die Teilnehmer zunächst über die gesetzlichen Grundlagen und ging dann auf die verschiedenen Formen der Kindeswohlgefährdung ein.

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