Schwäbisch Hat Schwäbisch eine Zukunft?

Hat Schwäbisch eine Zukunft? Alexander Werth, Mitarbeiter des Projektes „regionalsprache.de“ an der Universität Marburg untersucht gemeinsam mit seinen Kollegen die Dialekte der deutschen Sprache und wie sich ihre Sprecher in verschiedenen Situationen verhalten. Dazu wurden im ganzen Land Gespräche aufgezeichnet. Es gehe darum, den Regionalakzent des jeweiligen Bundeslandes mit der früheren Sprache dort zu vergleichen. Jeder Sprecher weise regionale Merkmale auf, die man nicht ablegen könne. „Deshalb hört sich auch jedes Hochdeutsch anders an“, erklärt Werth.

Die Mischung aus der Standardsprache Hochdeutsch und dem jeweiligen Dialekt nennt sich Regiolekt. Außerdem untersuchen die Wissenschaftler die Sprachkompetenz der Menschen, also ihre Fähigkeit, zwischen ihrem Dialekt und der Standardsprache zu wechseln. Erwartungsgemäß würden die Sprecher anders mit einem Freund reden als mit einem Geschäftspartner.

Bei dem Test haben die verschiedenen Bundesländer unterschiedlich abgeschnitten. Die Meister der Sprachkompetenz seien die Hamburger. „Gehen Sie mal morgens um 5 Uhr auf den Hamburger Fischmarkt“, sagt Werth, „da verstehen Sie kein Wort.“ Je ­stärker ein Dialekt von der Standardsprache abweiche, desto leichter falle es den Sprechern zu wechseln und ihren Dialekt zu ­verstecken.

„Breschdlingsgsälz“ „Grombierasalad“ und „Zibeba“

Werth betont, die Schwaben stünden zu ihrem Dialekt; sie werben mit dem Slogan „Wir können alles. Außer Hochdeutsch“ für ihr Bundesland. Doch allein schon dieser Slogan sei ein erster Schritt in Richtung Standardsprache, da man sich des Dialekts bewusst werde und reflektiere, ob und wie man ihn spreche.

Nach Werths Einschätzung wird sich Schwäbisch in den nächsten Jahrzehnten zum Hochdeutschen hin entwickeln: „Über die Generationen hinweg wird erst der Dialekt abgebaut, dann der Regiolekt, und so nimmt das weiter ab“, erklärt der Forscher. Für viele Menschen sei der Dialekt jedoch immer noch sehr wichtig, ein Stück Kultur und Identität.

Einige Begriffe wie „Breschdlingsgsälz“ „Grombierasalad“ und „Zibeba“ haben sich selbst bei Jugendlichen eingeprägt. Für Miriam gehört der Dialekt selbstverständlich zum Leben: „Meine Eltern kommen von der Schwäbischen Alb. Sie und meine kleine Schwester sprechen ein sehr extremes Schwäbisch. Ich glaube, das legt sich aber mit der Zeit, wenn man viel mit Freunden redet, weil die meistens Hochdeutsch sprechen.“

Stefan (21) redet mit seinen Freunden Schwäbisch und findet das ganz normal: „Schwäbisch ist ein Dialekt wie jeder andere auch, und das sollte man akzeptieren.“

 

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