Schwäbisch Der Dialekt schleift sich ab

  Foto: StN

Stuttgart - Marion aus Stuttgart ist eine von mehreren Jugendlichen, die unsere Zeitung zum Thema Schwäbisch befragt hat. Zu Hause bei ihren Eltern und Großeltern wird noch schwäbisch gschwätzt: „Ich finde, dass Dialekte wichtig für eine Sprache sind und auch für die Menschen. Man verbindet mit ‚seinem‘ Dialekt gleich ein Stück Heimat.“ Die 16-Jährige sieht aber auch Probleme: „ Wenn man mit jemandem redet, der aus einem anderen Teil von Deutschland kommt, wird es schwer.“

Die Schülerinnen Sarah und Alina, beide 15, finden Schwäbisch „uncool“. Sarah kann zwar ein bisschen Schwäbisch, meint aber, dass man global denken und in der Sprache eine Mischung mit Hochdeutsch finden sollte. Auch Alina sieht das so: „Ich habe erst vor kurzem mit jemandem aus Frankfurt gesprochen, die hat gleich gemerkt, dass ich aus dem Süden komme.“

Der 18-jährigen Katja gefällt Schwäbisch einfach nicht: „Ich bin zwar aus dem Schwabenland, aber ich finde es nicht gut, wenn jemand schwäbelt. Das hört sich einfach bauernmäßig an!“

„Ha weisch“ oder „Kennsch des?“ findet Jonas völlig daneben

Jonas (20) aus Schwäbisch Hall geht sogar noch ein Stück weiter: „Manchmal finde ich Schwäbisch ja ganz süß, aber eigentlich hört es sich ziemlich hässlich an!“ Besonders stört ihn, wenn bei offiziellen Veranstaltungen auf der Bühne schwäbisch gesprochen wird. Ausdrücke wie „Ha weisch“ oder „Kennsch des?“ findet er völlig daneben. Das wirke einfach dümmlich.

Bei seinen Freunden Max (19) und Julian (18) gehen die Meinungen auseinander. Für Max ist es wichtig, ein Mittelmaß zu finden: „Bei uns an der Schule sprechen die meisten nur noch ein leichtes Schwäbisch. Wenn jemand richtig Schwäbisch redet, finde ich das nicht schlimm. Der sächsischen Dialekt gefällt mir auch, einfach weil er so witzig ist.“ Schwäbisch sei er gewohnt, es gehöre für ihn zu seinem Leben in Baden-Württemberg ganz normal mit dazu. Auch Julian redet weder Schwäbisch noch Hochdeutsch: „Ich verwende Abkürzungen wie: ‚Hasch?‘ oder ‚Kommsch?‘, spreche sonst aber eher Hochdeutsch.“ In Großstädten wie Stuttgart höre man starkes Schwäbisch fast gar nicht mehr, da müsse man schon aufs Land fahren. Für ihn hat der Dialekt auf jeden Fall einen Stellenwert im Leben: „Ich finde, man sollte hier kein Hochdeutsch einführen. Bei meinem Cousin ist es zum Beispiel so, dass er im Kindergarten hochdeutsch erzogen wird. Das finde ich nicht gut. Man sollte auf jeden Fall etwas von dem Dialekt bewahren. Das ist ein Stück Heimat, Kultur und Identität.“

 

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