Schwäbisch Gmünd Bestürzung nach dem Tod des dreijährigen Jungen

Vor dem Eingang des Spielplatzes im Schindelackerweg in Schwäbisch Gmünd haben Trauernde Kerzen, Blumen und Spielsachen zum Gedenken an den dreijährigen Jungen abgelegt. Foto: Tom / Gmünder Tagespost

Schwäbisch Gmünd.
Am Tag nach dem tragischen Unglück in Schwäbisch Gmünd, bei dem ein dreijähriger Junge nach einem Sturz in die Rems gestorben war, sollte in der Kindertagesstätte Regenbogenland möglichst alles so sein wie vorher. Und doch war natürlich alles so völlig anders.

Auf Anraten von Experten hatte die Stadtverwaltung die Kita am Dienstag nicht geschlossen, sondern einen einigermaßen normalen Betrieb gewährleistet. Die Kinder, die mutmaßlich durch den Tod des Dreijährigen verstört sind, hätten sonst woanders untergebracht werden müssen - und das wäre für sie noch belastender gewesen, gibt Rathaussprecher Markus Herrmann die Argumentation der Fachleute wieder. Kinder, Erzieherinnen, Verwaltung - alle müssen versuchen zu verarbeiten, was am Montag geschehen war. Da war eine Gruppe von Regenbogenland-Kindern mit drei Erzieherinnen auf den nahen Spielplatz im Schindelackerweg zum Spielen gegangen. Während des Aufenthalts bemerkten die Erzieherinnen, dass ein dreijähriger Junge fehlte. Bei einer Suchaktion war er leblos in der Rems, die direkt am Spielplatz vorbei fließt, gefunden worden. Der Junge starb später in der Klinik.

Erzieherinnen können noch nicht befragt werden

Ob dieses Unglück durch eine Pflichtverletzung ermöglicht wurde, untersucht die Polizei. Die Staatsanwaltschaft hatte dazu auch eine Obduktion des Jungen angeordnet. Wie Polizeisprecher Holger Bienert sagte, müssten für die weiteren Ermittlungen die Kinder und Erzieherinnen, die auf dem Spielplatz waren, befragt werden. Dies sei aber wegen deren psychischer Belastung derzeit nicht möglich.

Der Vorfall sorgte bundesweit für Schlagzeilen. Am Dienstag war der kommunale Ordnungsdienst der Stadtverwaltung vor Ort, um Medienvertreter von der Kita fernzuhalten.

Eltern haben den Erzieherinnen Kraft zugesprochen

Schon am Montag wurde der Gmünder Kinder- und Jugendpsychologe Dr. Thomas Fuchs zur Betreuung der Betroffenen hinzugezogen. Er sah zunächst den größten Hilfebedarf bei den drei Erzieherinnen, die auf dem Spielplatz dabei waren. Die waren „am Boden zerstört“, sagt er. Markus Herrmann erzählt, dass Eltern den Erzieherinnen am Tag nach der Tragödie Kraft zugesprochen haben. Der Rathaussprecher befürchtet den „Reflex“ bei den Erzieherinnen, nie wieder Ausgänge mit den ihnen anvertrauten Kindern zu unternehmen. Doch das wäre nach Einschätzung der Zuständigen der völlig falsche Weg.

Kinder trauern in der Regel anders

Die Eltern aller Kita-Kinder konnten am Dienstagabend mit dem Psychologen sprechen. Dabei wollte Fuchs den Eltern darlegen, mit welchen Reaktionen ihrer Kinder sie rechnen müssen, denn „Kinder trauern in der Regel anders“ - häufig indirekter als Erwachsene.

Was geschieht mit dem Spielplatz?

Fuchs hofft, dass die Eltern ihre Kinder auffangen können und so die Zahl späterer Therapiefälle nach diesem Unglück zumindest reduziert werden könnte. Dabei müsse man die individuelle Entwicklung sehen: Manche Kinder seien sehr widerstandsfähig gegen solche Schocks in ihrer Umgebung, bei anderen könne es zum Trauma kommen. Einige Wochen abnormes Verhalten der Kinder seien jedenfalls durchaus normal, sagt der Psychologe.

Rathaussprecher Markus Herrmann geht davon aus, dass der Spielplatz allen rechtlichen Vorgaben entsprach, das sei in jüngerer Zeit erst bestätigt worden. Natürlich würden mögliche Umgestaltungen geprüft, wenn der Hergang des Unglücks feststehe.

Thomas Fuchs sieht einen anderen möglichen Grund für eine Umgestaltung: Der Spielplatz, an dessen Eingang Blumen, Spielsachen und Kerzen als Zeichen der Trauer abgestellt wurden, könnte für die Kinder durch dieses Ereignis zu einem belasteten Ort werden.

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