Schwäbisch Gmünd Lämmer überleben dank nächtlicher Rettungsaktion

Elke Wengert mit ihren drei „Übernachtungsgästen“. Dem Lamm am rechten Bildrand ist der Sonnenbrand noch deutlich anzusehen. Foto: Privat

Göggingen/Bettringen. Mitten in der Nacht klingelt das Telefon in der Tierauffangstation in Göggingen. Die Polizei bittet Elke Wengert um Hilfe. Ein Zeuge habe, schreiben die Beamten in ihrem Bericht, ein totes Schaf entdeckt - und dabei drei Lämmer, die der Schäfer offensichtlich vergessen habe. Kurz vor 21 Uhr war die Polizei am Sonntagabend verständigt worden.

Die Streife, die ins Naturschutzgebiet bei Bettringen beordert worden war, fand das tote Muttertier und drei noch lebende Lämmer vor. Sofort kümmerten sich die Beamten um die geschwächten Tiere, luden sie in ihr Dienstfahrzeug ein und nahmen die Lämmer zunächst mit auf die Dienststelle.

Weil man dort auf solche Fälle aber nicht wirklich vorbereitet ist, wandte sich die Polizei wie so oft an die Gögginger Tierauffangstation. Noch in der Nacht wurden die drei Lämmer nach Göggingen gebracht, wo Elke Wengert, ihr Mann Sigurd und ihre Tochter Tanja die vierbeinigen Waisenkinder in Empfang nahmen. Die notwendigen Fläschchen und der passende Inhalt, um den Hunger der Lämmer zu stillen, waren noch vorhanden, da auf der Station in jüngster Zeit auch zwei Rehkitze aufgepäppelt werden mussten.

Hinterlassenschaften im Polizeifahrzeug

Während Tanja Wengert mit der Fütterung der Tiere begann, erbarmte sich Mutter Elke erst einmal der Streifenwagenbesatzung. Zum „Dank“ hatten die mutterlosen Tiere auf dem Transport im Polizeiauto nämlich so einiges hinterlassen. „Leider sind das bei Tieren in diesem Alter noch keine festen Kotbällchen, die sich leicht entfernen lassen, sondern richtiges Jungtierpech, das wie Honig klebt“, erzählt Elke Wengert. Das Gröbste habe sie entfernen können. Zum Glück lasse sich die Matte herausnehmen und abdampften.

Drittes Lämmchen hatte starken Sonnenbrand

Mehr Sorgen machte den Rettern in der Nacht das dritte Lämmchen. Das hatte sich am heißen Tag im Freien nämlich einen extrem starken Sonnenbrand eingefangen. „Anfangs dachten wir, dass wir das Tier nicht durchbringen“, erzählt Tanja Wengert. Doch Mutter Elke griff beherzt zur Aloe-Vera-Tinktur und strich das kühlende Mittel auf Ohren und Nase des kleinen Patienten. Außerdem hatte der Tierarzt für das Rehkitz ein kräftigendes Medikament verschrieben, das dem geschwächten Lämmchen offenbar ebenfalls guttat. Bald verschmähte auch der dritte Logisgast die Mahlzeit aus dem Fläschchen nicht mehr und erholte sich zusehends.

Bis Montagmorgen hatte die Polizei auch den betroffenen Schäfer informiert, der - nachdem er die übrige Herde versorgt hatte - die Lämmer um die Mittagszeit bei Elke Wengert abholte und hofft, dass die Tiere in die Herde integriert werden können.

„Die Ermittlungen zu den genauen Umständen - warum das Muttertier gestorben ist und die Lämmer vergessen wurden - dauern noch an“, schreibt die Polizei in ihrem Pressebericht.

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