Schwäbisch Hall Tödlicher Flugzeug-Zusammenstoß: Spurensuche läuft

Das Wrack eines abgestürzten Kleinflugzeuges auf einem Feld nahe Schwäbisch Hall. Foto: Sdmg/Kohls Foto: dpa

Schwäbisch Hall.
Warum sind zwei Kleinflugzeuge bei ruhigem Wetter in der Luft zusammengestoßen? Nach dem Unglück mit zwei Toten in der Nähe von Schwäbisch Hall läuft die Suche nach der Ursache weiter. "Das wird mehr oder weniger den Tag in Anspruch nehmen", sagte ein Polizeisprecher am Montagmorgen. "Außerdem steht die Bergung der Wracks an." Wann das geschehe, sei aber noch offen. Die Arbeiten an der Unfallstelle reichten bis in die Nacht hinein, wurden dann unterbrochen und werden im Laufe des Montags fortgeführt. Die Unfallstelle befindet sich etwa 600 Meter östlich des Adolf-Würth-Airports, das Trümmerfeld erstreckt sich über mehrere hundert Meter.

Ein gefahrloses Herantreten bzw. die eigentlichen Arbeiten an den total zerstörten Flugzeugwracks konnten erst beginnen, nachdem Spezialisten des Landeskriminalamts die Zündvorrichtungen der Rettungsfallschirmsysteme entschärft hatten. Dies gelang noch vor Mitternacht. Zwei tote Personen konnten aus den Wracks geborgen werden konnten. Hinweise auf weitere Personen in den Flugzeugen liegen bislang nicht vor.

Die Maschinen seien im Landeanflug gewesen, teilte die Polizei mit. Demnach handelt es sich um ein Sportflugzeug und um ein Ultraleichtflugzeug.

Keine weiteren Toten

Nach dem Zusammenstoß zweier Kleinflugzeuge in der Luft mit zwei Toten sind nach Angaben der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) keine weiteren Leichen gefunden worden. Es sei nicht mit weiteren Toten zu rechnen, sagte ein Sprecher am Montag in Braunschweig. Ums Leben kamen demnach der Pilot eines viersitzigen Sportflugzeugs, der alleine an Bord war, sowie der Pilot eines einsitzigen Ultraleichtflugzeugs. Beide waren am Sonntag beim Landeanflug auf den Adolf Würth Airport bei Schwäbisch Hall aus bisher ungeklärter Ursache zusammengestoßen und abgestürzt.

Es gibt inziwschen Anhaltspunkte auf die Identität der beiden Verstorbenen, die Identifizierungsmaßnahmen sind jedoch noch nicht abgeschlossen. Es könnte sich demnach im Ultraleichtflugzeug um einen 76 Jahre alten Mann aus dem Landkreis Heilbronn und im Sportflugzeug um einen 74-jährigen Mann aus dem Raum Stuttgart gehandelt haben. Der 74-Jährige startete wohl von Stuttgart aus, der 76-Jährige in Regensburg. Beide wollten in Schwäbisch Hall landen, wobei es den ersten Erkenntnissen nach im Landeanflug zum Zusammenstoß kam. Die Ursache hierfür ist noch nicht bekannt und nun zentraler Gegenstand der Ermittlungen.

Vier Experten seien vor Ort, um die Ursache zu klären sagte der Sprecher. Die Ursachenforschung könne aber vier bis sechs Wochen dauern. Die Sicherungsmaßnahmen am Trümmerfeld und die Bergung der beiden Flugzeuge stehen ebenfalls noch aus.

Zeugen haben sich gemeldet

Dem Polizeisprecher zufolge haben sich inzwischen erste Zeugen gemeldet, die möglicherweise zur Klärung beitragen können. Die Ermittler hatten zuvor auch eine Gruppe Jugendliche, die demnach in der Nähe des Absturzorts unterwegs war, gebeten, sich zu melden. Die Gruppe hatte sich nach dem Eintreffen der Einsatzkräfte vom Unglücksort entfernt. Dem Sprecher zufolge ist unter den derzeitigen Zeugen noch niemand aus der Gruppe.

Weiterhin werden Personen gebeten, die eventuell zufällig Filmaufnahmen gefertigt haben, sich zu melden!

Zeugenhinweise werden von der Kripo Schwäbisch Hall unter Telefon 0791/400-0 erbeten.

Das Ultraleichtflugzeug brannte den Angaben nach aus und wurde von der Feuerwehr gelöscht. Die Absturzstelle rund 6000 Meter vom Flughafen Adolf Würth wurde bereits am Sonntag weiträumig abgesperrt. Der Polizei zufolge hatten beide Piloten den Airport, der sowohl als Geschäftsflugplatz als auch für den Luftsport genutzt wird, angesteuert. Der Airport war nach eigenen Angaben am Montag wieder für den Flugverkehr freigegeben.

Besondere Herausforderung: Mischverkehr am Flughafen

Der Flughafen hatte noch für 2017 auf seiner Homepage einen sogenannten Safety Letter veröffentlicht, um auf die besonderen Herausforderungen dort hinzuweisen. An dem Airport finden nach eigenen Angaben mehr als 30 000 Flugbewegungen pro Jahr statt. Ein Mischverkehr aus Maschinen im Sicht- und im Instrumentenflug mache An- und Abflug aber zu einer Herausforderung, hieß es.

Erst im Januar waren in der Nähe von Karslruhe in Rettungshubschrauer und ein Sportflugzeug in der Luft zusammengestoßen. Vier Menschen kamen damals ums Leben. Solche Zusammenstöße von Flugzeugen in der Luft sind äußerst selten.

Zu einem der größten Unglücke dieser Art kam es 2002 in der Nähe von Überlingen, als beim Zusammenstoß eines Fracht- und eines Passagierflugzeuges Dutzende Menschen starben. Im November 2017 kamen bei einem Zusammenstoß zwischen einem Hubschrauber und einem Kleinflugzeug in Südengland vier Menschen ums Leben.

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