Schwaikheim Erfolgreiches Sonnendeckfestival

Rapper Yonni bei seinem Auftritt. Foto: Ralph Steinemann

Schwaikheim. Für den deutschen Fußball geht das Jahrzehnt nicht so erfolgreich zu Ende wie für die Sonnendeck-Veranstalter. Immer, wenn WM oder EM war, zogen diese ihr Festival auf, immer professioneller, immer erfolgreicher. 2010 kamen gerade mal tausend, zuletzt an zwei Tagen gut 5000. Und das Multikulti-Prinzip funktioniert immer besser. Da könnte der DFB viel von lernen ...

Sonnendeck - nomen est omen. Meist hatten die Veranstalter vom Schwaikheimer INa, dem Verein für Integration und Nachhilfe, Glück mit dem Wetter. Auch 2018, dem Jahr des historischen Vorrunden-Ausscheidens von „The Mannschaft“, lassen am Samstagnachmittag viele auf dem Festivalgelände die Seele baumeln, den Nabel bescheinen, die Knochen bräunen. Wohl gemerkt Leute jedes Alters, jeder Nationalität, jeder Subkultur. Umgeben von deutlich mehr „Food Trucks“ als je zuvor, die erneut mit Leckerem aus aller Herren Länder aufwarten, mit Falafel und Kebab, Roter Wurst und Langos, viel Veganem und Vegetarischem, und auch Arancini, Reisbällchen aus Sizilien, gibt es an einem INa-Stand. Und ganz hinten steht der „Pfeffi“-Bus aus Thüringen, der seit dem Frühjahr sozusagen auf Tour ist, um das Kultgetränk aus DDR-Zeiten, den grünen Pfefferminzschnaps, bei den Wessis unters Volk zu bringen. Schmeckt irgendwie frisch, „und du kriegst automatisch guten Atem“, wie ein sichtlich beseelter Konsument berichtet, der mindestens fünf Pfeffis (Alkoholgehalt 18 Prozent) intus hat.

Am Freitag kommen 2000 Leute zu den DJs auf die Wiese

Neben kulinarischer Kultur - auch eine Holzhütte mit Hohenloher Flammkuchen gibt es - spiegelt die Musik ebenfalls einen weltoffenen Ansatz wider. Tummelten sich am Freitag noch über 2000 Leute zu den Beats von DJs, die auf einer kleineren Extrabühne auf einem Traktor-Anhänger für gute Laune sorgten, so kommen am Samstag echte Bühnentiere zum Zuge. Bei Kaiserwetter zunächst zu Rock-Sounds von zart bis hart, mal Ersteres von der Rems-Murr-Songwriterin Malinka Tatin, mal eher energetisch vom Trio Everdeen, mal gemischt poppig vom Quintett Mischa aus Biberach.

Bei den Teenagern stehen Soul und R’n’B auf der Wunschliste

Und dann, als es dunkler wird, werden auch die Grooves und Beats dunkler, afroamerikanischer, souliger. Denn bei den Teenagern, somit letztlich doch der Hauptklientel des Sonnendecks, stehen schon lange eher Soul, Hip-Hop und R’n’B auf der Wunschliste als Rock. Dass sich am Samstagabend gut 3000 vor der Bühne drängeln, liegt beispielsweise am Hauptact mit marokkanischen Wurzeln, dem Rapper, Sänger und Schauspieler Yonni. Er spielte im „Tatort“ mal einen glutäugigen saudischen Prinzen mit kontroversen Eigenarten. Heute stehen die Teenies vor allem auf seine Songs.

Jens aus Schwaikheim tanzt im Breakdance-Style

Soul- und Hip-Hop-lastig ist es schon am Samstagnachmittag mit zwei lokalen Größen, dem Stuttgarter Noah Kwaku und Kito, dem „aufstrebenden Rapper aus dem idyllischen Schwaikheim“ (Flyer), mit Kumpel Ahoue aus Waiblingen. Besonders lokal wird es, wenn nach Aufforderung durch den Moderator Gökhan Rizov Leute aus dem Publikum auf die Bühne kommen, etwa Katja aus Stetten, die zum rhythmischen Händeklatschen der Fans die Soul-Röhre gibt, oder Jens aus Schwaikheim, der im Breakdance-Style tanzend die Glieder schüttelt - „Alter, bist du Single?“, fragt Gökhan. Ist er, und zu finden auf Instagram. Kein Single mehr ist Tommi, der beim Festival seinen Junggesellenabschied feiert. Seine Kumpels, alle aus der Winnender Gegend, kommen extra rauf auf die Bühne und lassen ihn wissen: „Bleib, wie du bist.“

Ein Reggae-Rap auf die schönen Ladys aus Jamaica

Weitere Hauptacts des Samstagabends: der Cro-Kumpel Danju und der Stuttgarter Rapper Jonesy. Schwarz gekleidet und mit Tattoos verkörpert er den typischen Gangsta-Rapper, hat aber in seinem Style doch eher „Vibes pur“ im Sinn, gute Gefühle etwa mit schönen Ladys auf Jamaica, die er in einem Reggae-Rap anspricht.

Stark auch Kwadi, ein aus Ghana stammender Stuttgarter, mit Electro-Soul, der ihn im Flyer als „der neue Pharrell“ firmieren lässt. Eine starke Stimme zu starken Percussion-Beats von drei Trommlern, darunter sein Produzent, und Songs vom Album „Lost in the woods“, die Kwadi in Zukunft noch mehr Reputation sichern sollten.


Sonnendeck: Integrationsarbeit zahlt sich aus

Dass das Sonnendeck-Festival bei seiner fünften Auflage noch besser besucht ist, mit noch mehr Buden (Food Trucks) und Musikern mit noch mehr Spotify- und Youtube-Clicks als je zuvor, kommt den Veranstaltern von der INa weder überraschend noch ungelegen.

„Das zieht so langsam Kreise, wir kriegen immer mehr Anfragen“, sagt Susanne Saltikiotis, die mit ihren Söhnen von Beginn an das Sonnendeck managt und nie große Probleme mit dem Publikum oder sonst wie hatte. „Die gute Integrationsarbeit in Schwaikheim zahlt sich aus. Man redet miteinander.“ Und man habe immer wieder dazugelernt. Damit alles noch reibungsloser, noch professioneller ablaufen kann.

Zudem werden lokale Kräfte mit einbezogen, von Schülern der Grundschule, die in den Pfingstferien Festivalplanen mit eigenen Motiven bemalten, bis zum lokalen Metzger oder dem Deutsch-Türkischen Kulturverein. In diesem Jahr gibt es für die gut 100 Helfer und Crew-Mitglieder übrigens eigens hergestellte T-Shirts mit Sonnendeck-Emblem.

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