Schwaikheim Feuerwehr zelebriert den Umzug ins neue Domizil

Angekommen nach zehn Minuten zügigem Fußmarsch. Hinterher den Durst löschen kann man am neuen Standort übrigens auch viel besser. Foto: Benjamin Beytekin

Schwaikheim. Ihr großer Tag ist da, endlich. Mit einem Marsch der kompletten Truppe, samt der Jugend und den Senioren, unter Trommelbegleitung im Gleichschritt, in Montur und Fahne vorneweg, zelebriert die Feuerwehr den Umzug ins neue Domizil. Zur Parade auf der Bismarckstraße kommen auch Verwandte, Freunde und Bekannte. Zur fröhlich-feierlichen Stimmung passt das prächtige Spätsommerwetter.

Nostalgie kommt keine auf, weder beim Kommandanten Stefan Rauleder noch bei seinem Vorgänger Uwe Grünwald, der 1982 zur Wehr kam, zehn Jahre nach dem Bau des seitherigen Feuerwehrhauses an der Bismarckstraße. Vor allem in seine Amtszeit fiel der Kampf für den Neubau, wobei die Wehr allerdings lange Zeit am bisherigen Standort an der Bismarckstraße festhalten wollte. Nach anhaltendem Clinch mit Nachbarn wegen Lärmbeeinträchtigungen gab erst ein Lärmgutachten den Ausschlag dafür, dass nach einem neuen Quartier für die Wehr gesucht wurde. Schwamm drüber, Geschichte.

Grünwald: Der Unterschied zu vorher ist gigantisch

Zig Jahre habe man auf das neue Domizil hingearbeitet, betont Grünwald. Verspürt er nicht etwas Wehmut beim Abschied vom Gebäude, das die Feuerwehr immerhin fast ein halbes Jahrhundert beherbergt hat? Klare, entschiedene Antwort: „Nein, sicher nicht“. Die Standortfrage sei schon lange abgehakt. Es tue ihm auch nicht leid, man müsse da bloß den Vergleich ziehen zum neuen Gerätehaus. Der Unterschied sei gigantisch. Man habe drüben endlich mehr Platz, viel mehr als bislang, alles sei hell, freundlich, vieles, wie das Licht, funktioniere automatisch (Bewegungsmelder).

Die Spinde sind bereits komplett ausgeräumt. Ab dem Moment, wenn seine Leute nach dem Marsch am neuen Domizil ankommen, werden sie bei einem Einsatz von dort ausrücken, betont Rauleder: „Wir machen also einen richtigen Cut.“ Alles ist akribisch vorbedacht, vorbereitet. Es gibt keine Lücke bei der Einsatzbereitschaft, erst recht nicht während des Umzugsmarschs, denn die Voraussetzungen, bei einem Alarm sofort einsatzbereit zu sein, könnten besser gar nicht sein. Alle Einsatzkräfte sind vor Ort, natürlich tritt die Wehr zu ihrem großen Tag komplett an. Rauleder, der die Hälfte der Zeit im bisherigen Domizil miterlebt hat, schmunzelt: „Wenn es brennen würde, wären wir wohl nie so schnell wieder vor Ort wie jetzt. Alle sind ja auch schon in voller Montur.“ Auch er hält nichts von einer Abschiedsfeier: „Wir schauen vorwärts auf das Neue, die Vorfreude überwiegt ganz klar.“

Beim Antreten hält sich Rauleder kurz, weist nur darauf hin, dass jetzt viele Jahre Überlegungen und Kampf zu Ende seien. Aufstellung in der Schillerstraße, ein kurzer Schwenk nach rechts und sie sind auf dem Weg. Die Alterswehr lehnt das Angebot, in einem der begleitenden Fahrzeuge mitzufahren, entschieden ab. Das wäre ja noch mal schöner, die paar Meter nicht mitzulaufen, nicht mit den Jungen gemeinsam zu genießen. Sie sind zwar a. D, aber die AH ist noch rüstig.

Begeisterte Zuschauer am Sonnenmeiler-Kreisel

Gleichschritt bedeutet zügig, wer parallel mitgehen möchte, muss sich sputen, um hinterherzukommen. Klar wird der Verkehr hinter ihnen auf der Bismarckstraße für die paar Minuten aufgehalten. Aber keiner hupt, geschweige denn drängelt. Die, die entgegenkommen, grüßen freundlich. Am Sonnenmeiler-Kreisel warten begeisterte Zuschauer, winken, fotografieren, einige klatschen, das Gleiche wiederholt sich am Ziel. Die Feuerwehr ist angekommen. Ihre Zukunft beginnt – jetzt.


Als die alte Mühle abbrannte, leider

Ein Quintett der Alterswehr erinnert sich noch an die Zeit, als die Feuerwehr an der Eichendorffschule untergebracht war, und sie trauern der verlorengehenden Lage im Ort schon ein bisschen nach, übersehen die Nachteile allerdings keineswegs, zum Beispiel, dass die Wehr für Übungen extra ins Gewerbegebiet Klingwiesen ausweichen musste. Einer frotzelt: „Wenn oina am neua Standort frische Luft brauchd, ko er ja gleich an Waldspaziergang macha.“

Ja damals, da habe wirklich Not geherrscht, sei es zentimetereng zugegangen beim Rausfahren. Immerhin: Nach Übungen oder einem Einsatz habe man nur über die Straße müssen, um auch den Durst zu löschen, im ehemaligen Café Lidle. Einer bezweifelt, a bissle, ob beim Neuen wirklich alles notwendig ist: „Früher isch’s doch au ganga.“ Sie erinnern sich an Einsätze mit dem Hydrantenwägele, eigenhändiges Schleppen der Wasserrohre, wie das Wasser aus dem Bach geholt werden musste. Früher habe es ohnehin öfters gebrannt, vor allem die Holzschuppen waren anfällig.

Tja, und da war doch die Geschichte mit der Mühle, dort, wo heute der Radladen ist, die im Weg war beim Bau der Straße zum geplanten Sportzentrum, die auf einmal abbrannte, trotz der Feuerwehr gleich nebendran. Oder die Brandserien, wo der Feuerteufel aber nie erwischt wurde. Noch etwas fällt ihnen auf beim Blick auf die heutige Truppe: „Da send Mädle dabei, das gab’s früher au ned.“ Nicht rauszuhören dabei aber, wie sie das jetzt wirklich finden, die Gleichberechtigung auch bei der Wehr.

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