Schwaikheim Gerhard Häuser bleibt Bürgermeister

Schwaikheim. Der alte ist auch der neue Bürgermeister. Gerhard Häuser geht in seine vierte Amtszeit. Bei der Verkündung des klaren Ergebnisses zu seinen Gunsten gab es anhaltenden Beifall im Sitzungssaal des Rathauses. Herausforderer Edgar Schwarz bekam viel Lob dafür, dass er mit seiner Bewerbung den Schwaikheimern eine ernsthafte Alternative geboten hatte. Keine Rolle spielte die krasse Außenseiterin Fridi Miller aus SindeIfingen. ZVW.de berichtete live vom Wahlabend in einem Liveblog und einem Livestream.

Die ersten Neugierigen treffen bereits um Viertel vor sechs ein. Das Nachrichtenband unten auf der großen Leinwand läuft schon. Null Prozent für alle. Ein Test, ob die Übertragungstechnik funktioniert. Die ersten Sektkorken ploppen, es wird aber nur eingeschenkt, nicht ausgeteilt. Zehn Minuten nach Schließung der Wahllokale trifft der erste Bewerber ein, Edgar Schwarz, entspannt, gelassen, wie sonst auch. Die Blumensträuße zum Gratulieren stehen bereit, ein Zeichen, dass mit einem Sieger an diesem Abend gerechnet wird, es also wohl zu keinem zweiten Wahlgang kommen wird. Fridi Miller rauscht strahlend rein, sie bringt ihre betagte Mama mit. Der erste Amtskollege von Häuser lässt sich blicken, Maximilian Friedrich aus Berglen.

Schon bei der Halbzeit war Entscheidung eigentlich klar

Das erste Wahlergebnis ist da, aus einem der beiden Wahllokale in der Begegnungsstätte, gleich darauf das zweite von dort. Häuser liegt bei 62 Prozent, Schwarz bei 32,5 Prozent, Miller bei 2,2 Prozent, Magdalena Roscher unter einem Prozent. Das ist eindeutig und es ist ein Trend. Landrat Dr. Richard Sigel kommt, der Saal füllt sich langsam, es ist aber immer noch sehr ruhig. Das Wahlstudio des Zeitungsverlags Waiblingen mit Chefredakteur Frank Nipkau und Redakteurin Liviana Jansen, die Interviews führen und Hintergründe beleuchten, hat (noch) das Sagen.

Bei Halbzeit, vier von acht Wahlbezirken sind ausgezählt, stockt es, fast eine halbe Stunde lang. Häuser kommt bislang auf rund 64 Prozent, Schwarz auf etwa 30, Miller auf rund zwei Prozent. Damit ist die Luft eigentlich raus. Es gibt keinen Grund, warum die Ergebnisse in den anderen Wahlbezirken völlig anders sein sollten. Irgendwie hat Häuser das offenbar geahnt, genau während der Zwangspause kommt er, mit seiner Frau und den beiden Töchtern. Er strahlt Zuversicht aus. Es gibt anhaltenden Beifall für den mittlerweile doch sehr wahrscheinlichen Wahlsieger. Weitere Bürgermeister erscheinen, Jochen Müller aus Korb etwa. Auch der frischgebackene neue Rathauschef von Rudersberg, Raimon Ahrens, lässt sich blicken, ebenso der vor einer Woche wiedergewählte Winnender Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth. Der Saal ist nun voll.

Der BdS-Vorsitzende wünscht sich „etwas mehr Kreativität“

Schwarz nimmt das sich abzeichnende Ergebnis sehr gefasst auf, meint im Interview lächelnd, wenn er nur zehn Prozent bekommen hätte, wäre das eine Enttäuschung für ihn gewesen. Er spricht über das Ergebnis, das noch nicht feststeht, bereits in der Vergangenheit. Müller, der nicht nur ein Kollege von Häuser ist, sondern auch ein enger Freund, kommt zu Schwarz, gratuliert ihm zu seinem Ergebnis. Das wirkt ehrlich, nicht bloß höflich.

Kurt Schief, der Vorsitzende des Ortsvereins des Bunds der Selbstständigen, wünscht sich von Häuser im Interview künftig „etwas mehr Kreativität“ und mit Blick auf die die Kritiker von Häuser und dessen Amtsführung, „dass das ewige Geschimpfe im Ort aufhört.“ Schwaikheim sei eine gute Gemeinde, sie stelle sich aber nicht immer so dar.

Wenninger: Streit zwischen Bürgermeister und SPD beenden

Plötzlich kommt doch noch Spannung im Saal auf. Anja Wenninger, die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion, stellt sich dem Interview, räumt ein, dass ihre Partei beim Engagement für den Ort auch mal über das Ziel hinausgeschossen sei. Harmonie sei aber nicht alles auf der Welt. Herr Häuser sei der klare Sieger, „und der Edgar hat ein sehr respektables Ergebnis erzielt“. Sie appelliere, einen Schlussstrich unter den Streit zwischen dem Bürgermeister und der SPD zu ziehen, und schlage vor, aufeinander zuzugehen, allerdings müsse dazu von der Gegenseite auch was kommen.

Häuser dankbar für das klare Signal

19.10 Uhr, alle Wahlbezirke sind ausgezählt, das Endergebnis steht fest. Häuser bekommt noch mal anhaltenden Beifall. Diplominformatiker Schwarz spricht mit Blick auf die Zahlenverhältnisse verschmitzt von einem „2:1“-Sieg für diesen. Mathematisch korrekt, aber so eng war es in Wirklichkeit eben nun mal nicht. Kurz darauf verkündet der Vorsitzende des Gemeindewahlausschusses Peter Langer das amtliche Ergebnis, nicht ohne vorher noch den Wahlhelfern ausdrücklich zu danken. Er verweist darauf, dass der erneute Sieg von Häuser mit der vierten Amtszeit von ihm auch ein Novum für Schwaikheim bedeuten wird. Der Abend ist also für den Ort, wenn man will, historisch. Langer bedankt sich auch bei den anderen beiden Kandidaten dafür, dass sie „Farbtupfer“ zur Wahl beigetragen haben.

Das Votum der Bürgerschaft sei eindeutig, so Häuser in seiner Dankesrede. Er sei dankbar für das klare Signal. Er danke Schwarz für dessen jederzeit sachlichen und fairen Wahlkampf. Häuser sei ein würdiger Sieger, so Schwarz in seiner Erwiderung. Seine Kandidatur sei kein Protest gegen ihn gewesen, „sondern galt meinen Ideen, für die ich mich eingesetzt habe.“


Stimmen und Splitter

Brigitte Röger, die Vorsitzende der CDU-FB-Fraktion, betonte im Interview zum chronischen Streit im Gemeinderat „Unzufriedenheit gibt es immer, es kommt aber immer darauf an, wie man es austrägt.“ Bei aller Kritik an Häuser sei es doch nicht so, „dass man über ihn herfallen muss.“ Eine Aussage, für die die stellvertretende Bürgermeisterin Beifall im Saal erhielt.

„Respekt für Herrn Schwarz, dass er sich zur Verfügung gestellt hat“, so Kurt Schief, der BdS-Vorsitzende.

Die Messe war zwar nach der Auszählung von sechs Wahlbezirken längst gesungen und Häuser hatte schon zahlreiche Gratulationen bekommen, aber zum Sieger wollte er sich dennoch noch nicht ausrufen lassen und auch keinen Kommentar im Interview abgeben, bevor das Endergebnis wirklich feststand.

Die SPD, sozusagen die Wortführerin der Kritiker von Häuser, hatte im Gegensatz zu den beiden vorherigen Wahlen keinen eigenen Kandidaten aufgestellt oder zumindest gefördert. Dabei hat sie in ihren Reihen mindestens zwei im Ort prominente Vertreter, denen man das Potenzial für eine Bewerbung zutrauen muss, darunter Anja Wenninger, die Ortsvorsteherin von Bittenfeld. Sie erklärte im Interview dazu befragt, dass sie persönlich, in Absprache mit ihrer Familie, entschieden habe, nicht zu kandidieren.

Die SPD hatte im letzten Amtsblatt vor der Wahl keine Wahlempfehlung ausgesprochen, aber darauf hingewiesen, es gebe auch die Möglichkeit, jemanden auf den Wahlzettel draufzuschreiben, der noch nicht draufsteht. Immerhin 86 solche Stimmen gab es daraufhin prompt.

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