Schwaikheim Musical-Probe mit 114 Kindern

114 Kinder proben in der evangelischen Freikirche Matthäus-Gemeinde das Stück „Zachäus – reichlich abgezockt?“. Foto: Alexandra Palmizi

Schwaikheim. Wie fühlt es sich an, wenn einer bei den anderen aufgrund seiner bösen Art nicht willkommen ist? Was bedeutet Vergebung? 114 Kinder proben das Musical „Zachäus – reichlich abgezockt?“ in der Matthäus-Gemeinde. Am Samstag wird es aufgeführt. Die jungen Akteure „erfahren dabei nicht nur die Bibelgeschichte, sie durchleben sie“, ist sich Musical-Autor und Regisseur Alexander Lombardi sicher.

Video: Eindruck von der Probe.

Zachäus (gespielt von Julian) steht am linken Bühnenrand und versucht, sich einen Weg durch die Menge zu bahnen. Der Oberste Zöllner (so die biblische Überlieferung) möchte einen kurzen Blick auf Jesus werfen, der gerade in die Stadt einzieht. „Bitte lasst mich durch“, ruft er. Doch er hat keine Chance. Die Menge lässt ihn nicht. Julian senkt den Kopf.

In seiner Rolle als Zachäus scheint der 14-Jährige am dritten Probentag schon aufgegangen zu sein. Er wirkt routiniert, obwohl ihm wie auch allen anderen Mitwirkenden nur vier Tage Zeit bis zur Aufführung bleiben. Für ihn ist es aber nicht die erste Hauptrolle, die er im Musical, das die Matthäus-Gemeinde in Schwaikheim bereits zum vierten Mal in der ersten Januar-Woche organisiert, innehat. Im vergangenen Jahr spielte er den Petrus.

Julian hebt den Kopf, es ertönt ein akustisches Signal. Jetzt wären die Teenies dran, macht Regisseur Alexander Lombardi deutlich. Doch hier ist erst mal Pause.

Manche Rollen wurden bereits vor den vier Probentagen besetzt

Die Rolle des Zachäus sowie die der Teenies, die den Zuschauern in Szenen die Bedeutung der Bibelgeschichte ins Heute übersetzen, wurden bereits im Voraus besetzt. „Das macht Sinn“, sagt Melanie Gaßmann, die die organisatorische Leitung innehat. Die Tennies müssen diesmal 48 Seiten Skript auswendig lernen – mehr als in den vergangenen Jahren. Dafür reichen vier Probentage, wie sie das Musical für Chor und alle anderen Mitwirkenden vorsieht, nicht. Die vier Jugendlichen haben sich deshalb schon teils vor den Ferien mit ihrer Rolle auseinandergesetzt. Während andere unten in der Gemeindehalle proben, haben sie sich in einen Raum im oberen Stockwerk zurückgezogen und gehen ihre Szenen durch. Finn, Jonas, Sina und Rebekka stellen Alltagssituationen dar. Finn (im Musical tritt er als Philipp auf) hat einen reichen Opa, der ihm sämtliche Dinge finanziert, unter anderem eine neue Videokamera. Jonas (alias Fabi) hat ein Jahr lang auf ein neues Smartphone gespart. Er zeigt es stolz seinen Freunden, doch sie interessieren sich mehr für die Kamera von Finn. Der Neid ist vorprogrammiert. Sina spielt im Stück Alisa, die ihre Freundin anlügt, wonach die Freundschaft in Gefahr ist. Rebekka (im Stück Nina) muss ihr vergeben.

Lombardi spielt den Professor

Mit Hilfe der Videokamera wollen sie einen Film über einen Professor drehen und an einem Wettbewerb teilnehmen. Plötzlich taucht eine Mitschülerin auf und will ihnen die Kamera abzocken – eine weitere Alltagsszene, die sie darstellen.

Als Teenies singen die vier diesmal nur bei zwei Liedern mit. Den Zungenbrecher „Hyperfantastischervollautomatischeralleswasschnellcomputer“ haben sie für den Refrain schon geübt, wie sie es bei ihrer Sprechprobe präsentieren. Den Professor spielt wie in den vergangenen Jahren Alexander Lombardi vom Missionswerk Wort des Lebens. Der Autor des Stücks ist samt Requisiten und Bühnenbild wie bereits in den vergangenen Jahren nach Schwaikheim gereist und studiert mit den 114 Kindern das Musical ein. Er gibt ihnen ein Zeichen, leitet sie an und sagt ihnen, in welcher Szene sie welche Geste machen müssen.

Am ersten der vier Probentage gab es ein Casting mit ihm, verrät Melanie Gaßmann. Kinder, die einen kleinen Solopart übernehmen wollen, haben bei ihm vorgesprochen. Am Abend hat er die Einteilung vorgenommen, den zweiten Tag nutzten die Kinder, um ihre Rollen zum ersten Mal einzustudieren. „Diesmal sind viele Jüngere dabei“, verrät Melanie Gaßmann und erwähnt, dass man ab sieben Jahren teilnehmen darf. Die Kinder stammen aus der Umgebung, aber auch aus dem Kreis Ludwigsburg, Fellbach oder Ostfildern.

Die Kinder reden auf Schokoladisch

Mit einem großen Mikro in der Hand stehen Jüngere in der ersten Reihe und warten auf ihren Einsatz. „Miteinander reden“, gibt Alexander Lombardi das Kommando. Dafür hat er die Sprache Schokoladisch erfunden. Damit die Kinder nicht ratlos auf der Bühne stehen, sagen sie einfach das Wort Schokolade mehrmals hintereinander.

Insgesamt 30 Helfer kümmern sich im Hintergrund um das Wohlergehen der Nachwuchskünstler, bei der Aufführung werden es sogar 60 sein, so Gaßmann. Eine von ihnen ist Fabienne, die Lombardi als rechte Hand zur Seite steht, ihn bei Anweisungen gegenüber den Kindern unterstützt und ihnen ebenfalls Zeichen gibt. Julian als Zachäus wirkt hier schon wie ein Profi. Bei ihm braucht es nur einen Fingerzeig und er weiß, was zu tun ist – bis zur Aufführung am Samstag ist auch nicht mehr viel Zeit.


Auf der Bühne

Das Musical „Zachäus – reichlich abgezockt“ wird am Samstag, 6. Januar, um 17 Uhr in der Schwaikheimer Gemeindehalle aufgeführt. 114 Kinder spielen in diesem Jahr mit. Karten gibt es an der Abendkasse (Erwachsene zahlen 5 Euro; Kinder 2,50 Euro).

Geschrieben wurde das Musical von Alexander Lombardi (Text) und Gregor Breier (Musik) von Wort des Lebens (WDL). WDL ist ein christliches Kinder- und Jugendwerk und vom Freistaat Bayern anerkannt als Träger der freien Kinder- und Jugendhilfe. Neben Musical- und Ferienfreizeiten veranstaltet WDL auch Schulprojekte, Klassenfahrten und Konfifreizeiten.

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