Schwaikheim Video: Die besten Jungwinzer kommen aus Schwaikheim

Christian Escher (links) und Michael Maier stoßen in den Korber Weinbergen mit Eschers „Meisterwerk“ und Maiers „Vom Stein“ auf die Auszeichnung an, die ihnen am Donnerstagabend in Mainz überreicht wurde.. Foto: Schneider

Schwaikheim (wtg/pes). Deutschlands „Jungwinzer des Jahres“ kommen aus Schwaikheim: Michael Maier auf Platz eins, Christian Escher auf Rang zwei, so lautet das spektakuläre Votum der „Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft“ (DLG).

Auf der Landkarte der Weinbaugebiete ist Schwaikheim ein weißer Fleck. Die beiden Weingüter haben ihre Weinberge im ganzen Remstal – von Weinstadt über Korb bis Stetten. Am Donnerstagabend ist Michael Maier und Christian Escher die Auszeichnung in Mainz überreicht worden. Junge Talente aus zahlreichen Anbauregionen in ganz Deutschland hatten sich beworben um den Nachwuchspreis der deutschen Weinwirtschaft – die beiden Schwaikheimer aber haben die Fachjury am meisten begeistert. Den dritten Platz belegte Daniel Philipp Daum aus Dorsheim an der Nahe.

Vor einer Experten-Jury musste der Winzernachwuchs sein Können und Fachwissen in den Bereichen Oenologie, Wein-Sensorik und Weinwirtschaft in Theorie und Praxis unter Beweis stellen. Für die Endrunde hatten sich die Jungwinzer zuvor über einen Online-Test qualifiziert, der nicht nur Fachkenntnis, sondern auch ein Gefühl für die Branchenthemen der nächsten Jahre erforderte. Außerdem wurden jeweils drei Weine der Jungwinzer von Sachverständigen beurteilt. Die zehn Kandidaten mit dem besten Ergebnis wurden Mitte September nach Frankfurt am Main eingeladen.

Michael Maier: Der Ehrgeiz eines Weinmachers

Ehrgeiz? Früher, als Schüler,sei ihm Ehrgeiz eher fremd gewesen, sagt Michael Maier. Inzwischen wolle er immer das Beste rausholen. Er habe zwar nicht damit gerechnet, zum besten Jungwinzer gekürt zu werden. „Aber dass ich gut abschneide schon!“ Michael Maier, Jahrgang 1986, vom Weingut Maier aus Schwaikheim absolvierte seine zweijährige Ausbildung zum Winzer in den Weingütern Birkert in Bretzfeld-Adolzfurt und Schnaitmann in Fellbach. Im Jahr 2011 schloss er sein Weinbau- und Oenologiestudium in Geisenheim ab. Ein Berufspraktikum im Weingut Juris, Gols/Burgenland in Österreich, bereicherte sein Studium durch neue Erfahrungen. Heute arbeitet Michael Maier im elterlichen Weingut, vor allem im Keller und im Marketing. Die Weinbergsarbeiten teilt er sich mit seinen Eltern. Hier ist das saubere und zielorientierte Arbeiten sein oberstes Ziel. Vom Rebschnitt bis zur Lese wird alles genau geplant. Dazu gehören Ausbrecharbeiten, Ertragsregulierung und selektive Handlese. Im Keller baut er die Weine in kleinen Chargen zum Teil in Holzfässern aus, um sie später zu rebsortenreinen oder lagenreinen Cuvées zusammenzuführen. Im elterlichen Weingut hat er seine eigene Premiumlinie „Vom Stein“ eingeführt.

Christian Escher: Inspirationen aus Südtirol und Südafrika

„Echt genial!“ sagt Christian Escher und ist begeistert über den Erfolg. Und dass ausgerechnet zwei Schwaikheimer die Ehrung erhalten, darüber freut er sich besonders, zumal es ja auf der Gemarkung von Schwaikheim überhaupt keine Weinberge gibt und die Weingüter Escher und Maier im ganzen Remstal ihre Wengert bewirtschaften. Christian Escher, Jahrgang 1990, vom Weingut Escher aus Schwaikheim begann im Anschluss an die mittlere Hochschulreife 2006 seine Ausbildung zum Winzer, die ersten beiden Lehrjahre verbrachte er im Weingut Aldinger in Fellbach, danach lernte er im Staatsweingut Weinsberg. Es folgte eine Ausbildung zum Techniker für Weinbau und Oenologie an der Weinbauschule in Weinsberg. Berufsspezifische Praktika absolvierte er im Weingut J. Hofstätter in Tramin/Südtirol und im Weingut Onderkloof, Stellenbosch/Südafrika, die ihm neue Inspirationen und Anregungen für den Weinan- und -ausbau gaben. Seit 2013 arbeitet Christian Escher im familiengeführten Weingut in Schwaikheim. Inzwischen hat er das Sortiment des Weinguts sowie das Produktdesign der Weine überarbeitet und mit neuen Etiketten in die Praxis umgesetzt. Sein besonderer Stolz gilt der eigenen Weinlinie Goldréserve.

Beeindruckt war die Jury vom hohen Fachwissen und weinbaulichen Know-how der Finalteilnehmer sowie von der Qualität ihrer Weine – und ein besonderes Lob gab es für die Sieger, heißt es in einer Pressemitteilung der DLG: „Die im Rahmen des Wettbewerbs gezeigten Leistungen belegen, dass die deutsche Weinwirtschaft über einen hervorragend ausgebildeten Nachwuchs verfügt. Die Preisträger sind herausragende Talente und Vorbilder einer innovativen und zukunftsstarken deutschen Weinwirtschaft.“

Christian Escher und Michael Maier haben nicht nur gestern gemeinsam in Mainz die Ehrung entgegengenommen. Die beiden Jungwinzer machen auch sonst gemeinsame Sache, zum Beispiel hatten sie Mitte September rund ums Rathaus zum zweiten Schwaikheimer Weinfest eingeladen.

Beide Weingüter gehören übrigens zu den aufsteigenden Weingütern. Das befanden zumindest die Weinführer Gault Millau und Eichelmann. „Christian Escher wird immer mehr zu einem Geheimtipp im Remstal, wenngleich die ganz großen Spitzen noch fehlen!“, schrieb der Gault Millau 2014. Die Weintester hatten wohl Eschers „Meisterwerk“ noch nicht gekannt, die Rotweincuvée aus Lemberger, Merlot und Cabernet Franc, mit der sich Escher beim Jungwinzerwettbewerb vorstellte.

Über das Weingut Maier schrieb der Gault Millau: „Mit der sehr beachtlichen Cuvé e ,ML’ zeigt man gehobenen Anspruch.“ Auch der Eichelmann hob 2014 diese Cuvé e sowie den Spätburgunder von Stein hervor, „der füllig ist, reintötig und kraftvoll, gute Struktur besitzt, reife Frucht und feine Frische“.

Der Wettbewerb

Vor einer Experten-Jury musste der Winzernachwuchs sein Können und Fachwissen in den Bereichen Oenologie, Wein-Sensorik und Weinwirtschaft in Theorie und Praxis unter Beweis stellen. Für die Endrunde hatten sich die Jungwinzer zuvor über einen Online-Test qualifiziert, der nicht nur Fachkenntnis, sondern auch ein Gefühl für die Branchenthemen der nächsten Jahre erforderte. Außerdem wurden jeweils drei Weine der Jungwinzer von sensorischen Sachverständigen beurteilt. Die zehn Kandidaten mit dem besten Ergebnis wurden Mitte September nach Frankfurt am Main eingeladen, wo von einer Fachjury die drei Erstplatzierten ermittelt wurden.

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