Schwaikheim Die Janis Joplin aus Schwaikheim

Biggi Binder, die Sängerin, Gesangslehrerin, Ehefrau und dreifache Mutter hat jede Menge Energie – „Meistens“, gibt sie zu. „Nach zwei Konzerten an einem Wochenende bin ich auch platt.“ Foto: Büttner / ZVW

Schwaikheim. Eine Kostprobe ihres Gesangs? – Klar! Biggi Binder zieht geschwind das Klavier etwas unter der Treppe hervor, damit die Reporterin besser filmen kann. Sie setzt sich an die Tasten, beginnt zu spielen und singt. Hat sie einen zuvor schon mit natürlichem Charme für sich eingenommen, macht sie es jetzt noch mit ihrer Stimme.

Biggi Binder singt das Lied „Sunshine Girl“ in die Videokamera, das sie für ihre Tochter Jana geschrieben hat. Ein schöner Song, fröhlich, liebevoll. Das passt zu den blonden Engelslocken, dem hübschen Gesicht und den zierlichen 1,57 Metern Körpergröße. Doch aus dieser Schublade springt Biggi Binder raus. Ihre Stimme ist kraftvoll. Sie kann röhren wie Janis Joplin oder Melissa Etheridge, vornehmlich allerdings, wenn sie mit der schwäbischen Folk-Rock-Band Wendrsonn auf der Bühne steht. „In diesen Typ Stimme kann man alles reinpacken, was an Emotionen möglich ist, auch mal was Hässliches“, beschreibt die 42-Jährige. Klassischer Gesang hat sie nie gereizt, „weil er zu kunstvoll, zu schön ist“.

Musik liegt in der Familie

Dabei hat sie auch klassische Musik im Blut. Ihr Vater Walter Schmidinger stammt aus einer Linzer Musikerfamilie, spielt Geige und Gitarre, ein Onkel ist bei den Wiener Philharmonikern, einer Komponist, ein anderer Organist. Biggi Binders Vater hat mit seiner Frau eine Schlagzeugschule gegründet. „Das war toll für mich und meinen Bruder. Eine Spielwiese. Wir konnten nach Herzenslust Musik machen.“ Mit sechs Jahren hat sie angefangen, Klavier zu spielen, hat auch im Chor mitgesungen, aber da ist der Funke fürs Singen noch nicht übergesprungen. Dann, mit 13, hörte sie die Stimme der Sängerin Cae Gauntt. „Die war so faszinierend tief, so voll. Da hab ich mich dann mit nem Kassettenrekorder in den Übungsraum gestellt und versucht, es nachzuahmen.“ Was sie als Mitträllern bezeichnet, haben ihre Eltern gleich als Talent erkannt und mit Gesangsunterricht gefördert.

Als ihr Bruder Wendrsonn mitgründete, war sie schnell mit dabei und ist es (im Gegensatz zu ihm) immer noch. Für Wendrsonn singt sie, spielt Flöte, Klavier, Cajon, Gitarre und schreibt auch hin und wieder Songs, wie etwa „Muadrseelaaloi“ (Mutterseelenallein) über eine Freundin, deren Mutter Alkoholikerin war. Das war ihr erstes Lied auf Schwäbisch, sonst schreibt sie auf Englisch, meist, wenn Gefühle rausmüssen. Neben Wendrsonn singt Biggi Binder auch noch soulige Coversongs beim Konzertprojekt Roots’n’Branches mit ihrem Bruder Ingo Schmidinger, Robert Sakic und jeweils einem wechselnden Gastmusiker. Auch den beiden Gitarristen Andy Laier und Rü Zaiser leiht sie hin und wieder ihre Stimme. Und beim Seitenprojekt von Wendrsonn, „Tiny Wings“, interpretiert sie mit Micha Schad und Klaus Marquardt bekannte Pop- und Rocksongs akustisch, handgemacht und gefühlvoll.

„Wenn ich singe, spüre ich mich selber“

Wenn sie nicht gerade auf der Bühne steht, gibt sie Gesangsunterricht an der Musikschule Backnang. Und drei Kinder (Tom ist zwölf, Julius 14 und Jana 17 Jahre) hat sie übrigens auch. Sieht sie da ihr Ehemann überhaupt noch? „Ach ja, Jochen und ich treten als Duo auf Hochzeiten auf und unterstützen uns gegenseitig bei unseren Musikprojekten“, fällt ihr da ein. Sie hat aber auch ein Leben außerhalb der Musik, war erst neulich mit ihrem Mann im Kino und demnächst geht’s im Urlaub eine Woche nach Irland, anderen Bands lauschen.

Ihre Familie hat Verständnis für ihre Leidenschaft. Wenn ihr Wochenende mit Auftritten gefüllt ist, hält ihr Mann ihr den Rücken frei, steht mit den Jungs auf dem Fußballplatz. Die Kinder verstehen’s auch, machen selbst Musik. Alle wissen, wie wichtig es für sie ist. „Musik ist die schönste Art, sich auszudrücken, ein Schlüssel zur Seele. Man spielt so viele Rollen im Alltag, wenn ich singe, spüre ich mich selber. Und ich kann so Menschen berühren. Wunderbar.“

Biggi Binder live

Wer Biggi Binder live sehen will, kann das bei Konzerten mit Wendrsonn: 9. April: 20 Uhr Gemeinschaftshalle Hemmingen; 15. April: 20 Uhr Glockenkelter Stetten; 16. April: 20 Uhr K3 Winterlingen (Turn- und Festhalle); 22. April: 21 Uhr Die Halle, Reichenbach.

Und mit Roots‘n‘Branches: 27. April, 29. Juni und 27. Juli jeweils 20 Uhr im Bandhaustheater Backnang.

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