Schwaikheim/Waiblingen Geldstrafe nach Nötigung der Ex-Freundin

Symbolbild Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Schwaikheim/Waiblingen. Es hätte schlimmer ausgehen können, sowohl für das Opfer als auch für den Angeklagten. Ein Mann will sich nicht damit abfinden, dass sich seine Lebensgefährtin von ihm endgültig getrennt hat und dass sie mittlerweile einen neuen Partner hat. Es kommt zu einem Vorfall auf offener Straße. Der führt zu einer Anklage vor dem Amtsgericht Waiblingen. Der Mann kommt glimpflich davon.

Der 44-Jährige, der in Waiblingen wohnt, suchte Anfang des Jahres seine Ex auf, die in Schwaikheim arbeitet und wohnt und mit der er zwei Kinder hat, um eine Art „letztes“ Gespräch mit ihr zu führen. Obwohl es, aus ihrer Sicht, längst nichts mehr zu besprechen oder gar zu klären gab. Dies zeigt sich alleine daran, dass sie ein gerichtliches Annäherungsverbot für ihn erwirkt hatte. Er passte sie trotzdem nach Feierabend bei ihrer Arbeitsstelle ab, verstieß damit gegen diese Auflage, drängte sie in Richtung eines Platzes, wo weniger „Publikum“ zu befürchten war, beließ es im Folgenden allerdings nicht bei Worten, sondern fuchtelte vor ihrem Bauch mit einem Messer rum. Als sie, so bedrängt, um Hilfe rief, kam ihr ein Arbeitskollege, der ebenfalls auf dem Heimweg war, zu Hilfe. Beim folgenden Gerangel bekam dieser einen Faustschlag ins Gesicht, ehe der Angreifer abließ und sich davonmachte.

Der Angeklagte räumte im Wesentlichen die Vorwürfe ein

Dem Angeklagten wurde in der Verhandlung von der Staatsanwaltschaft zunächst versuchte gefährliche Körperverletzung (wegen des Messereinsatzes gegenüber der Frau) und Körperverletzung (gegenüber ihrem Kollegen) vorgeworfen. Der Angeklagte räumte in der Verhandlung im Wesentlichen die Vorwürfe ein, behauptete aber, das Treffen mit seiner Ex habe in beiderseitigem Einvernehmen stattgefunden. Sie hätten dazu einen Treffpunkt ausgemacht. Er sei gekränkt gewesen, dass sie, so kurze Zeit nach der Trennung, bereits einen neuen Freund hatte. „Ich habe gedacht, das kann doch nicht wahr sein und ihr vorgeschlagen, dass wir uns noch mal treffen und ob sie es sich nicht noch mal überlegen will.“ Auch das mit dem Messer stimme so nicht, er habe sie nicht bedroht.

Sie wollte kein „letztes“ Treffen, weil sie Angst vor ihm hatte

Die Frau, die als Zeugin aussagte, räumte ein, dass sie sich gegenseitig „geschrieben“ (also wohl Whatsapp-Nachrichten ausgetauscht) hatten, obwohl das Kontaktverbot auch dafür galt. Sie habe aber seinem Drängen per Handy, sich noch mal zu treffen, nicht nachgegeben. „Ich wollte das nicht, weil ich Angst hatte. Auf einmal war er aber da.“ Das Messer sei da zwar gewesen, er habe damit vor ihr in ihre Richtung rumgefuchtelt, aber eigentlich habe sie sich davon nicht wirklich bedroht gefühlt. Die 37-Jährige berichtete weiter, dass ihr ehemaliger Lebensgefährte und Vater der gemeinsamen Kinder „begleiteten Umgang“ mit diesen habe und dass sie ihm ab und zu Bilder von ihnen mit dem Handy schicke.

Der Arbeitskollege von ihr bestätigte, ebenfalls als Zeuge, ihre Schilderung, ebenso eine weitere Zeugin, eine Polizistin, die zwar damals nicht vor Ort war, aber ermittelt hatte. Die Anklage ließ nach Abschluss der Beweisaufnahme den Vorwurf der versuchten gefährlichen Körperverletzung zwar fallen; das Rumfuchteln mit dem Messer sei aber eine Drohung gewesen, für den Fall, dass sich die Frau dem Drängen des Angeklagten, zu ihm zurückzukommen, widersetze und damit, aus juristischer Sicht, eine Nötigung. Die Körperverletzung gegenüber dem Arbeitskollegen stehe außer Frage, ebenso der Verstoß gegen das Kontaktverbot. Die Anklage beantragte eine Freiheitsstrafe von fünf Monaten, die auf Bewährung auszusetzen sei, sowie 80 Stunden gemeinnützige Arbeit.


Viele Vorstrafen, aber auch mildernde Umstände

Der Angeklagte wurde, etwas überraschend, nicht zu einer Haftstrafe auf Bewährung, sondern „nur“ zu einer Geldbuße, 130 Tagessätze à zehn Euro, verurteilt.

Etwas überraschend deshalb, weil er ein langes Vorstrafenregister, auch mit einschlägigen Delikten, hat. Die Richterin hielt ihm allerdings zugute, dass die letzte Eintragung aus dem Jahre 2016 ist, also schon eine Weile her ist und dass die letzte Körperverletzung, wegen der er verurteilt worden war, sogar zwölf Jahre zurückliegt. Strafmildernd wirkte sich auch sein weitgehendes Geständnis aus, dass seine Entschuldigung von dem Zeugen, dem Arbeitskollegen der Frau, angenommen wurde und dass dieser durch den Faustschlag nicht erheblich verletzt worden war. Alles zusammengenommen könne man es „ausnahmsweise noch mal“ bei einer Geldstrafe belassen, so die Richterin.

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