Schwaikheim/Waiblingen Sexuelle Übergriffe: 28-Jähriger zu Freiheitsstrafe verurteilt

Symbolbild. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Schwaikheim.
Bis dahin sei es eigentlich ein schöner Abend gewesen, sagen selbst die beiden Frauen, die vor Gericht als Zeugen aussagen und die noch heute sich mit Schrecken an das erinnern, was damals passierte. Sie trafen sich an einem Augustabend vor zwei Jahren mit einem Bekannten, ja sogar Freund von einer der beiden. Der, mittlerweile 28, kam mit der Bahn, sie wollten zur Erbachlinde, deckten sich allerdings vorher im nahen Supermarkt mit Getränken ein, darunter eine Flasche Wodka.

Die aber offenbar weitestgehend nur er leerte. Was dazu führte, dass er, seit vielen Jahren Alkoholiker, mehr als zudringlich wurde. Seine Bekannte, ohnehin liiert, wollte sich darauf aber nicht einlassen und machte ihm das auch unmissverständlich klar mit den Worten „das geht gar nicht“, als er sie auf den Mund küssen wollte.

Mal was miteinander gehabt

Er, mindestens angetrunken, ließ es aber dabei nicht bewenden, sondern wurde aggressiv. Es ging dabei wohl auch um den Verbleib seines Handys. Auf Nachfrage des Anwalts des Angeklagten, ob es denn zwischen ihr und dem Angeklagten mal ein „Techtelmechtel“ gegeben habe, räumte dessen Bekannte ein, dass sie früher mal „etwas miteinander“ gehabt hätten, aber „nicht zusammen“ gewesen seien. Die beiden Frauen, denen die Sache schließlich nicht mehr geheuer war, machten sich Richtung Bahnhof davon. Er ließ aber nicht locker, verfolgte sie, wurde immer noch wütender, erst recht, als er mitbekam, dass die Frauen nun versuchten, die Polizei zu Hilfe zu rufen.

Bis heute Albträume

Es kam zu üblen Grapschattacken, die nun vom Amtsgericht Waiblingen als sexuelle Übergriffe gegenüber beiden Frauen und Körperverletzung gegenüber einer (Schläge ins Gesicht, an den Haaren und auf den Boden zerren, mit einer vollen Getränkedose werfen) geahndet wurden. Die Freundin der Bekannten des Angeklagten kannte diesen bis zu diesem Abend überhaupt nicht. Sie berichtete dem Gericht, dass der Mann damals, als er von der Bekannten abließ, nachdem er diese verprügelt hatte, sich auch nach ihr umgeschaut, sie aber nicht zu greifen bekommen habe: „Zum Glück, denn ich weiß nicht, was sonst noch mit mir passiert wäre.“

Sie habe zwar keine körperlichen Verletzungen davongetragen, leide aber bis heute unter dem Geschehen damals, habe Albträume, traue sich nachts nicht mehr alleine raus: „Er hat mir ja auch gedroht, dass er mich irgendwann noch kriegt.“

Auf den Radau waren mittlerweile Anwohner und Passanten aufmerksam geworden, die ihrerseits die Polizei alarmierten. Was dann passierte, eigentlich „nur“ die Nachgeschichte, macht einen wesentlichen Anteil an der Strafe aus, die der Mann zu verbüßen hat. Er wehrte sich mit aller Macht dagegen, in einen Polizeitransporter verfrachtet zu werden, spuckte, schlug, trat um sich und beleidigte Polizisten übel.

Dem Übeltäter wurde später zwar eine Blutprobe entnommen, seltsamerweise aber nicht, um festzustellen, ob beziehungsweise wie weit er unter Alkohol oder Drogen stand, sondern um vor allem auszuschließen, dass er eine ansteckende Krankheit hat, die er womöglich durch das Anspucken der Beamten (juristisch ebenfalls eine Körperverletzung) auf diese übertragen könnte.

Der Angeklagte wurde schließlich wegen der sexuellen Übergriffe, gefährlicher Körperverletzungen, tätlicher Angriffe auf Polizeibeamte und Beleidigungen zu einer Freiheitsstraße von einem Jahr und zwei Monaten verurteilt, ohne Bewährung, weil dafür die Voraussetzungen, unter anderem eine günstige Sozialprognose (keine Wiederholungsgefahr), nicht vorlägen, so die Richterin. Aus der halbjährigen Stammheimer U-Haft in Handschellen gekommen, verließ er den Gerichtssaal also auch in diesen.


Der Angeklagte lehnt stationäre Therapie ab

Der Angeklagte hat zwar ein langes Vorstrafenregister, allerdings handelt es sich in den meisten Fällen und vor allem bei denen in den vergangenen acht Jahren um sogenannte Bagatelldelikte, die wohl in direktem Zusammenhang mit seiner Alkohol- und Drogensucht stehen. Diese schlug sich im aktuellen Prozess strafmindernd nieder (Paragraf 21 Strafgesetzbuch).

In dem Fall wäre auch eine Anwendung von Paragraf 64 Strafgesetzbuch infrage gekommen, der eine Zurückstellung der Strafe zugunsten einer stationären Therapie beziehungsweise Unterbringung in einer Entziehungsanstalt vorsieht. Dies hat aber der Angeklagte selbst abgelehnt.

Das Urteil ist bereits rechtskräftig. Sowohl der Angeklagte und dessen Anwalt wie auch die Anklägerin verzichteten nach dem Urteilsspruch auf Rechtsmittel.

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