Schwaikheim Christbaumweitwurf: Wenn Nadelbäume fliegen

, aktualisiert am 13.01.2020 - 10:17 Uhr

Schwaikheim.
Gerade eben sind sie noch geschmückt im Wohnzimmer gestanden. Bar jeder glänzenden Kugel stehen sie nun beim Christbaumweitwurf der Jugendfeuerwehr ein weiteres Mal im Mittelpunkt. Selbst die kleinsten Bäumchen kommen dabei groß raus.

Die zweijährige Mila sorgt für die ersten lustigen Szenen eines an Gags reichen Wurfwettbewerbs, der in Schwaikheim zum 13. Mal das Ende der Weihnachtssaison einläutet. Die mutige Debütantin bekommt das kleinste Babybäumchen.

Wie den Fuß einer Puppe hält sie das Stämmchen und lässt es an der rechten Hand baumeln. Sie guckt staunend, prompt fällt ihr das Bonbon aus dem staunenden Mund.

„Der Spaßfaktor zählt“

Ein Helfer erklärt ihr die Wurftechnik. Sie nimmt den Baum in beide Hände und legt ihn vor sich in das erste Feld. Nächster Versuch: Die Mama geht zu ihr in die Hocke und sagt: „Weiter vor musst du es werfen, weiter“.

Was tut Mila? Nimmt wieder ihr Bäumle, tapst vier Schritte vorwärts damit ins dritte Feld und legt es dort ab - die erreichte Weite von zweimal einem halben Meter wird als Wurf gewertet, viel mehr wiegt aber der herzliche Applaus ringsherum.

„Der Spaßfaktor zählt“, sagt Papa Markus aus Affalterbach. Auch er wirft, viereinhalb Meter, damit bricht er in der ersten halben Stunde den ersten Bahnrekord von vier Metern. „Da täuscht man sich ganz schnell, so ein Baum ist schon schwer“, meint er. Sie sind zum ersten Mal hier. „Wir wollten nur auf den Spieli und haben es zufällig gesehen“, meint Milas Mutter Madeleine.

Aus einer Jux-Laune wurde etwas Festeres

Die erste Gruppe macht sich für den Wurf startklar. „Den ganzen Frust, egal ob du welchen hast, in den Baum reinstecken, dann fliegt er“, gibt Peter vom DRK scherzhaft Tipps. Über die verwendete Technik sind sie sich einig: „Wir schleudern den Baum von unten nach oben.“

Beim Weitwurf seien sie quasi schon Stammgäste und „immer gleich schlecht“, witzelt Peter. Der Spaß steht im Vordergrund, das sehen auch Stefan und Maria Lentner so. „Als Schwaikheimer muss man sich den Gag und später das Weihnachtsbaumfeuer unbedingt anschauen“, meinen sie. Dass die Bäume nicht nur kompostiert werden, sondern für ein lustiges, schönes Event verwendet werden, finden sie gut.

„Hier trifft man zum ersten Mal im neuen Jahr seine Nachbarn und Bekannte.“ Schon am frühen Nachmittag, als Moderator Tobias Casper das Geschehen mit Sportreporter-Stimme kommentiert, versammeln sich Neugierige. Die Windbedingungen seien ideal. Die Wurfrichtung des Vorjahres wurde beibehalten: Zum Sportplatz hin, nicht wie früher gen Zipfelbach segeln die Bäume durch die Luft. An der Nachfrage der Leute hätten sie gemerkt, dass aus ihrer Jux-Laune etwas Festeres wird, erzählt Feuerwehrfrau Franziska Wünsch. Inzwischen werde sie auf Jugendleiterkursen von Kollegen angesprochen: „Sobald wir sagen, dass wir aus Schwaikheim kommen, verbindet man es schon damit.“ „Man sieht sich dann beim Weitwurf“, heiße es zum Abschied.

Die Nachfolgergeneration steht schon bereit

Sie freut sich, dass die Nachfolgergeneration hineinwächst. Die 18-jährige Antonia Stahl war einst ein Kind, als auf der Wiese zum ersten Mal Weihnachtsbäume durch die Luft flogen. „Meine Mutter war bei der Feuerwehr, ich durfte samstags auf dem Hänger mitfahren beim Weihnachtsbaumsammeln“, erinnert sie sich.

An das große Feuer abends hat sie lebhafte Erinnerungen: „Es war ein Riesenspektakel für uns.“ Dass Erwachsene Bäumchen in der Gegend herumwerfen, fand sie als Kind lustig.“ Sie trat in die Jugendfeuerwehr ein, seit 2019 ist sie Mitglied der Aktivenwehr. Beim Weitwurf konnte man sie fürs Betreuerteam gewinnen.

Startschuss war das 125-jährige Bestehen der Feuerwehr im Jahr 2008. „Damals suchten wir nach einem passenden Auftakt für unser Jubiläumsjahr“, erklärt Jan Mutschler. Seitdem sammelt die Feuerwehr mit Schleppern die bereitgelegten Christbäume auf den Gehwegen ein. Wurftaugliche Exemplare werden für den Weitwurf aussortiert, die anderen werden auf einen Haufen geworfen und bei einbrechender Dunkelheit verbrannt. Zum stattlichen Lagerfeuer zählt die Feuerwehr heuer etwa 800 Besucher. „Endlich wieder Glühwein“, freut sich eine junge Frau aus Schwaikheim.


40 Werfer mehr als im Vorjahr

Die Jugendfeuerwehr zählte 208 Werfer und damit 40 mehr als im Vorjahr.

Bei den Kindern gewann Nils Brandes vor Nico Reinhardt und Marco Pulver, bei den Frauen Corinna Reimann vor Birgit Wirth und Julia Renz, bei den Männern Jan Altenau vor Philipp Peter und Till Schäfer.

Bei der Feuerwehr intern gewann Alexander Schmid vor Stefan Rauleder und Elmar Stahl, bei den Jugendmannschaften die Jugendfeuerwehr Winnenden vor der aus Rudersberg und Backnang.

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