Seit acht Monaten ohne Heimsieg TVB will Durststrecke gegen Lemgo beenden

Für Patrick Zieker, hier im Spiel gegen Minden (links Joscha Ritterbach, rechts Christoffer Rambo), gibt’s in der Scharrena an diesem Donnerstag ein Wiedersehen mit seinen ehemaligen Mannschaftskameraden. Foto: Ralph Steinemann

Nach dem ersten Punktspielsieg möchte der Handball-Erstligist TVB Stuttgart an diesem Donnerstag (ab 19 Uhr im ZVW-Liveticker) in der Scharrena unbedingt nachlegen. Gegen den punktgleichen TBV Lemgo feiern die Stuttgarter eine Saisonpremiere: Rudolf Faluvégi und Dominik Weiß kehren in den Kader zurück, damit hat Trainer Schweikardt erstmals seinen kompletten Kader beisammen.

Die Begrüßungszeremonie vor dem Spiel wird ein bisschen länger dauern als üblich an diesem Donnerstag in der Scharrena, schließlich gibt’s reichlich Verbindungen zwischen dem TVB und TBV. Der Stuttgarter Torhüter Johannes Bitter wurde im Jahr 2007 zusammen mit dem heutigen Lemgoer Trainer Florian Kehrmann Weltmeister. Die beiden Außenspieler Bobby Schagen (Lemgo) und Patrick Zieker (Stuttgart) trugen in der vergangenen Saison noch das Trikot des Gegners.

„Lemgo hat’s auch heftig erwischt“

Sobald die Nettigkeiten ausgetauscht sind, dürfte es auf dem Spielfeld ordentlich zur Sache gehen. Beide Mannschaften müssen dringend punkten, um sich vom Tabellenende zu entfernen. „Lemgo steckt in einer ähnlichen Situation wie wir“, sagt der TVB-Trainer Jürgen Schweikardt. Bescheiden ist die Ausbeute von drei Punkten, besorgniserregend das Verletzungspech auf beiden Seiten.

Bereits gegen Ende der vergangenen Saison musste Lemgo auf Tim Suton, Andrej Kogut, Jonathan Carlsbogard und Donat Bartok verzichten. Neu hinzu kamen in dieser Spielzeit Christoph Theuerkauf und Jari Lemke. Lediglich Carlsbogard wird in Stuttgart einsetzfähig sein.

Besonders vom Pech verfolgt ist Tim Suton. Beim 27:24-Pokalsieg gegen den Bergischen HC riss sich der deutsche Nationalspieler das Kreuzband, für ihn ist die Saison gelaufen. „Lemgo hat’s auch heftig erwischt“, sagt Schweikardt. Allerdings habe der TBV auf jeder Position noch eine Alternative – und den Vorteil, dass er nicht so viele Spieler integrieren musste.

Mit Tim Hornke und Patrick Zieker verlor Lemgo zwar seine gefährliche Flügelzange, mit Bobby Schagen und Bjarki Elisson hat es diese Lücke jedoch hervorragend geschlossen. Für den rechten Rückraum holte der TBV den spielstarken Andreas Cederholm aus Minden. Der Schwede hat ein gutes Auge und ist stark im Spiel Eins-gegen-eins. „Von seinen Bewegungen erinnert er an Steffen Weinhold“, sagt Schweikardt.

Stützen im Team von Trainer Florian Kehrmann sind der Mittelblock mit dem niederländischen Nationalspieler Fabian van Olphen und Christian Klimek sowie der Spanier Isaias Guardiola.

Die personellen Voraussetzungen waren schon schlechter

Der TBV Lemgo ließ mit dem 32:28-Auftaktsieg bei der HSG Wetzlar aufhorchen, danach indes reichte es lediglich noch zu einem Unentschieden (26:26) in Erlangen. Eine magere Bilanz, von der sich die Stuttgarter aber nicht täuschen lassen werden. Mit Magdeburg, Melsungen, Hannover, Berlin und zuletzt Kiel hatte Lemgo etliche Hochkaräter zum Gegner.

Die Erinnerungen des Schweikardt-Teams an Lemgo sind so schlecht nicht. In der vergangenen Spielzeit bezwang der TVB den TBV in der Scharrena mit 25:23. Die Fans dürften sich noch gerne an den 14. Februar erinnern: Seitdem gab’s in der Liga keinen Heimsieg mehr für Stuttgart.

Es wird also höchste Zeit für den TVB, diese achtmonatige Durststrecke zu beenden. Die personellen Voraussetzungen waren schon schlechter: Dominik Weiß ist nach seiner Zahnoperation ebenso wieder im Training wie Rudolf Faluvégi, dessen Ellbogenverletzung auskuriert ist. Beide stehen wieder im Kader. Ein kleines Fragezeichen steht noch hinter dem Einsatz von Sascha Pfattheicher (Hüftprellung).


TVB-Linksaußen Patrick Zieker spielt gegen seinen Ex-Club

TVB gegen TBV: Das ist nicht nur für den Ex-Stuttgarter Bobby Schagen ein besonderes Spiel, sondern auch für den neuen TVB-Linksaußen Patrick Zieker. Sieben Jahre lang ging der 25-Jährige für Lemgo auf Torejagd. Unser Redaktionsmitglied Thomas Wagner hat mit ihm gesprochen.

Herr Zieker, in Ludwigshafen lief’s nicht nur für den TVB gut, sondern auch für Sie. Nach fünf Minuten hatten Sie schon zwei Tore erzielt, am Ende waren’s acht – ohne Fehlversuch. Spürt man es eigentlich früh im Spiel, dass es ein guter Tag werden könnte?

Schwer zu sagen. Natürlich steigert es das Selbstvertrauen, wenn man die ersten Würfe souverän verwandelt. Andererseits hat mich mein Gefühl auch schon getäuscht. Ob’s wirklich ein guter Tag wird, zeigt sich erst im Laufe des Spiels.

Jetzt steht ein besonderes Spiel an für Sie: Nach sieben Jahren beim TBV Lemgo treffen Sie mit dem TVB auf Ihren Ex-Club. Wie groß ist die Gefahr, dass Sie dem Gegner den Ball in die Hände spielen?

Zunächst einmal ist es schön, die alten Weggefährten wiederzusehen. Die Gefahr besteht aber nicht, ich bin längst komplett beim TVB angekommen.

Ihr Nachfolger in Lemgo, Bjarki Elisson, ist hervorragend in die Saison gekommen. Er führt nach acht Partien mit 64 Treffern die Torschützenliste der 1. Liga an. Sehen Sie das Spiel auch als persönliches Duell?

Elisson spielt gerade auf einem unfassbaren Niveau, er hat kaum einen Fehlwurf. Im Spiel geht’s aber nicht um persönliche Duelle, sondern in erster Linie um zwei wichtige Punkte. Sicherlich verfolgt jeder Spieler sein eigenes Ziel.

Sie kennen die Lemgoer Mannschaft aus dem Effeff, Lemgo kennt Sie sehr gut. Können Sie Ihrem Trainer ein bisschen Insiderwissen liefern oder weiß der schon alles über den Gegner?

Ich glaube nicht, dass sich das Spielsystem in Lemgo innerhalb von drei Monaten großartig verändert hat. Ich denke schon, dass ich dem Trainer den einen oder anderen Tipp geben kann. Allerdings steht auf der anderen Seite Bobby Schagen. Der kennt uns ja auch sehr gut.

Wie groß sind die Chancen, gegen den TBV Lemgo die nächste beiden Punkte zu holen?

Der Sieg gegen die Eulen war sehr wichtig, damit die Mannschaft daran glaubt, was sie macht. Ich bin zuversichtlich, dass wir gegen Lemgo an die Leistung aus dem Spiel gegen die Eulen anknüpfen können. Wir wollen die beiden Punkte unbedingt in der Scharrena behalten.

Was glauben Sie: Bei wie viel Prozent seiner Leistungsfähigkeit ist der TVB nach sieben Spielen angekommen?

Ich denke, das lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beantworten. Es wird noch eine ganze Weile dauern, bis die Automatismen greifen. Wir müssen einfach versuchen, uns von Spiel zu Spiel zu verbessern, damit wir ein gewisses Grundniveau erreichen. Sicherlich helfen uns Erfolgserlebnisse dabei.


Info

Das Spiel ist noch nicht ausverkauft. An der Abendkasse gibt es noch rund 200 Karten.

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