Selbstheilung In der Trance zurück zur Gesundheit

Steffen Günter ist Heilpraktiker und Hypnosetherapeut in Kernen. Viele seiner Klienten lassen sich von ihm in Trancezustände führen, Günter erlebt dabei immer wieder erstaunliche Heilungen.

Der 51-Jährige erinnert sich zum Beispiel an einen Klienten mit Nervenschädigungen in der Schulter. „Ich habe ihn gefragt: Was fehlt denn, damit die Schulter wieder optimal funktioniert?“ Der rote Faden, habe der Mann in Hypnose geantwortet. Für Günter ergab das keinen Sinn, aber der Klient erzählte weiter: „Der rote Faden müsste die Information weitergeben, damit der Arm gehoben werden kann.“ Günter nahm das Bild auf, der rote Faden wurde zur Nervenfaser. „Und was fehlt dem Nerv noch?“ - „Kraft“, antwortete der Mann. „Kraft, wie bei einem kraftvollen roten Sonnenuntergang?“, fragte Günter, weil der Klient in einer früheren Sitzung besonders auf die Farbe Rot reagiert hatte. „Ja, genau“, antwortete der Mann. „Stell dir also vor“, sagt Günter, „wie du die rote Farbe durch die Nerven fließen lässt und wie dadurch der Arm immer geschmeidiger, kräftiger, koordinierter wird und sich immer besser heben lässt.“ Günters Ziel war, beim Klienten die Vorstellung zu entwickeln, die Nervenverbindung stimmt wieder, die Farbe Rot sorgt für Kraft. „Da hast du zusehen können, wie es immer besser geworden ist.“ Der Klient habe ihm später eine Mail geschickt: „Ich pumpe mich heute noch jeden Tag mit Rot auf.“

Das mag verrückt und unlogisch klingen, doch in der Hypnose, im Trancezustand zählt nur, ob das Unterbewusstsein mit dem Bild etwas anfangen kann. Dann hilft es, dann heilt es. Diese Bilder, sagt Günter, aktivieren die Selbstheilungskräfte.

Negative Bilder in positive verwandeln

Günters Arbeit besteht nicht nur darin, solche Bilder zu kreieren, oft gilt es, alte, negative Bilder aufzulösen oder in positive zu verwandeln. „Wenn wir etwas Negatives erleben, sind wir den Hormonen ausgeliefert“, sagt Günter. Der Körper schaltet auf Kampf oder Flucht – auf Stress. Stress ist ein lebenswichtiges Programm in Gefahrensituationen. Zum Problem wird es jedoch, wenn es immer wieder gestartet wird, obwohl objektiv gar keine gefährliche Situation vorliegt. Dann macht Stress krank. Besonders hinterhältig sind Stressauslöser, die der Mensch gar nicht als solche erkennt, weil sie tief in seiner Psyche verborgen sind.

„Deswegen ist Hypnose so hilfreich, weil man durch sie über das Unterbewusstsein an die stressauslösende Ursprungssituation zurückgehen kann und der Klient dann merkt, dass sie lediglich eine subjektiv empfundene Bedrohung ist, dass es sie objektiv gar nicht gibt“, erklärt Günter. „Er merkt: Das Abwehrprogramm, das damals geschrieben wurde, hat sich als nicht hilfreich erwiesen.“ In der Hypnose kann es gelöscht und neu gestaltet werden.

Die Heilung wird dann letztlich durch die Psyche, durch den Geist ermöglicht. Und das hat nichts mit Esoterik zu tun. Im Spiegel schrieb Jörg Blech in der Ausgabe 21/2013: „Hirnforscher entdecken, wie die Seele die Biologie des Körpers verändert und ihm helfen kann, Erkrankungen zu überwinden. Meditieren, Yoga und positives Denken, lange als Esoterik abgetan, erobern die Schulmedizin.“

Die Kraft des Geistes jedoch wirkt auch umgekehrt. Die schlechte Prognose eines Arztes zum Beispiel „schaltet die Selbstheilungskräfte aus oder bringt sie zumindest auf ein sehr niedriges Niveau“, sagt Steffen Günter. Der Arzt beziehe sich bei seiner Prognose auf die Statistik, „dabei gibt es so viele Beispiele von Menschen, die jede Statistik kaputtmachen, weil sie entgegen allen Voraussagen immer noch leben.“

Solch einen Fall schildert Joachim Faulstich in seinem Buch/Film Das Geheimnis der Heilung. Der Cellist Dominik Polonski hat zwei Tumore im Gehirn. Die Ärzte machen ihm keine Hoffnung, Polonski ist austherapiert. Also beginnt Polonski, die Tumore mit einem inneren Bild zu bekämpfen. Er stellt sich den Tumor als Felsen vor, den er jede Nacht versucht zu zerschlagen. Er soll zu Staub zerfallen und verschwinden. Doch es geschieht nichts dergleichen. Deshalb ändert Polonski seine Taktik. Er konzentriert sich auf gesunde Zellen, lässt sie in seinen Gedanken entstehen und nach und nach den Platz der kranken Zellen einnehmen. Fünf Wochen später ist der Tumor verschwunden.

Dass dies gelingt, ist nicht zwangsläufig. Nicht jede Heilung ist gleich, jeder benötigt andere Bilder und nicht in jedem Fall führen die Bilder zum Erfolg. Deshalb dürfen sie vor allem bei lebensbedrohenden Krankheiten nicht das einzige Mittel sein.

Wie sehr die Bilder in der Hypnose aber helfen, hat Steffen Günter oft bei Schmerzpatienten verfolgt. „Ich kann die zumindest zeitweise in einen komplett schmerzfreien Zustand bringen.“ Für 30 bis 45 Minuten. „Es kann aber auch sein, dass am Ende sogar chronische Schmerzen weg sind.“

Solche Erfolge will er sich dennoch nicht ans Revers heften. „Viele Leute kommen zu mir und sagen: Mach mich gesund! Ich sage dann: Ich kann dich nicht gesund machen, Ich tue alles dafür, was in meiner Macht steht. Aber letztlich bin ich nur der Begleiter, den Rest müssen du und dein Körper machen.“

Was ist Hypnose?

Hypnose ist ein veränderter Zustand, eine Trance. Das passiert ganz von alleine, wenn wir in eine Tätigkeit völlig versunken sind und nichts drumherum wahrnehmen. In diesem Zustand sind die körperlichen Funktionen herabgesetzt, die geistigen allerdings weiter aktiv. Dieser Zustand kann auch in der Meditation erreicht werden.

In der Hypnose wird dieser Zustand genutzt, um durch Suggestionen eine Veränderung zu ermöglichen, beispielsweise sich das Rauchen abzugewöhnen. In der Trance ist das Unterbewusstsein des Menschen offen für innere Bilder und Affirmationen (positive Leitsätze), die den Heilungsprozess voranbringen.

Der Hypnotiseur, sagt Steffen Günter, muss die Rahmenbedingungen schaffen und sich seiner großen Verantwortung bewusst sein. „Dann ist Hypnose in keinster Weise gefährlich.“

Während der Hypnose führt der Therapeut den Klienten. Günter: „Durch meine offenen Fragen bringe ich ihn dazu, seine eigene Lösung zu finden.

Zum Weiterlesen

Hypnose Kurt Tepperwein: Die hohe Schule der Hypnose, Ariston, 2007. Quantenphysik Natalie Knapp: Der Quantensprung des Denkens: Was wir von der modernen Physik lernen können, rororo 2011. Hans-Peter Dürr: Wir erleben mehr als wir begreifen, Herder spectrum 2007 sowie Es gibt keine Materie, Crotona 2012. Lynne McTaggart: Das Nullpunkt-Feld, Goldmann 2007

Epigenetik Bruce Lipton: Intelligente Zellen, Wie Erfahrungen unsere Gene steuern, KOHA-Verlag 2006.

Meditation: Unsere Serie "Bewegung und Meditation" auf zvw.de/meditation

Zuerst zum Arzt

Heilung ist immer und grundsätzlich Selbstheilung, sagt die Bundesärztekammer. Die Selbstheilungskräfte aber können nicht alles von alleine regeln. Deshalb ist immer der Arzt erste Ansprechstation.

Hypnose und Meditation sind eine sinnvolle Ergänzung. Seriös angewandt, nutzen und stärken sie die Selbstheilungskräfte. Allzu euphorische Heilversprechen sollten jedoch sorgfältig geprüft werden.

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