Seltener Glücksfund Mopsfledermaus in Murrhardt entdeckt

So sieht eine Mopsfledermaus aus. Foto: Nabu/Dietmar Nill

Murrhardt. Nabu-Mitarbeiter Volker Weiß hat in seiner Heimatstadt Murrhardt eine erstaunliche Entdeckung gemacht: Er hatte auf seinem Streuobststück einen sogenannten Mini-Batcorder aufgehängt, der die nächtliche Geräuschkulisse aufzeichnet. Was als erster technischer Test für den Geräte-Einsatz in einem bundesweiten Mopsfledermausprojekt gedacht war, wurde ein echter Glücksfund.

„Ich hätte natürlich nie erwartet, dass der als reiner Test gedachte Aufbau des Geräts gleich so einen Treffer liefert“, überschwänglich erzählt Volker Weiß von seiner Entdeckung. Man merkt ihm die Freude an. „Unsere Streuobstwiese am Eulenhöfle bewirtschaften wir schon immer sehr naturverträglich. Da kommen beispielsweise immer wieder Rehe und ziehen dort ihre Jungen groß oder man sieht mal eine Schlange. In der nicht gedüngten Wiese gibt es auch noch schöne Wiesenblumen und Insekten. Und Letztere sind ja die Nahrung für Fledermäuse.“

Weiß berichtet, dass man an den wenigen Abendstunden, die seine Familie im Jahr auf dem Grundstück sei, gelegentlich Fledermäuse fliegen gesehen habe. Aber mit einer Mopsfledermaus hätte niemand gerechnet. Weiß: „Es freut mich schon, dass unsere Obstwiese auch für so seltene Tieren zum Lebensraum gehört.“

Wo gibt es in Baden-Württemberg überhaupt noch Mopsfledermäuse und wie nutzen die etwa sechs Zentimeter kleinen Tiere ihre Lebensräume? Darüber weiß man noch wenig: Wenn die seltene Art nachts zur Jagd ausfliegt, entdeckt man sie laut Nabu nur mit Spezialgeräten. Und auch dafür brauche es Glück. Denn im Südwesten lebe das spezialisierte Säugetier nach bisherigem Wissensstand nur in wenigen, kleineren und regional begrenzten Kolonien.

Jetzt beginnt die Suche nach den Unterschlüpfen

Umso erstaunlicher also, dass Volker Weiß Ende Mai eine Mopsfledermaus in seiner Heimatstadt Murrhardt nachwies. Mit einem sogenannten Mini-Batcorder hatte er die nächtliche Geräuschkulisse auf seiner Streuobstwiese aufgenommen. Was als erster technischer Test für den Geräte-Einsatz in einem bundesweiten Mopsfledermausprojekt gedacht war, wurde ein echter Glücksfund. Die spannende Frage, die sich Weiß nun stellt: Wo genau wohnt sie? „Unsere Streuobstwiese am Waldrand hat sie zur nächtlichen Jagd genutzt. Ihr Quartier kann aber einige Kilometer entfernt sein.“

Mitarbeitende der forstlichen Behörden unterstützen das Projekt. Die Projektpartner wollen mehr darüber herausfinden, wo das fliegende Säugetier lebt, überwintert und sich fortpflanzt. Dazu werden Ehrenamtliche aus dem Naturschutz und Vertretende aus der Forstwirtschaft die Mini-Batcorder im Wald aufhängen, um Mopsfledermäuse aufzustöbern. Dieses Wissen will man nutzen, um passgenaue Schutzmaßnahmen zu entwickeln und diese vor Ort umzusetzen. „Als ich mir die Tonsequenzen aus unserem ersten Test in der Software angeschaut habe, konnte ich es kaum fassen: Mehrere Rufe mit Frequenzwechsel – das macht so eigentlich nur die Mopsfledermaus“, sagt Robert Pfeifle, der das Projekt für den Nabu Baden-Württemberg betreut. „Ich habe die Datei an einige Fledermausexperten geschickt. Alle waren sich einig: Da ruft tatsächlich eine Mopsfledermaus.“

Das Tonsignal sei zwar nicht optimal, das charakteristische Jagdverhalten des Säugetiers sei aber klar zu erkennen gewesen. Alle Fledermäuse orientieren sich im Dunkeln, indem sie Ultraschall-Rufe ausstoßen. Treffen diese auf ein Objekt, kommt ein Echo zurück. Die Mopsfledermaus stößt aus ihrem Mund einen ersten Ruf aus, mit dem sie ihre Umgebung erfasst und sich orientiert. Dieser hat eine niedrige Endfrequenz, die bei der Auswertung bereits auf eine Mopsfledermaus hindeutet. Bestätigen lässt sich diese Vermutung durch einen zweiten Ruf mit etwas höherer Frequenz, den die Mopsfledermaus zum Jagen aus ihrer Nase ausstößt. Die Tiere erkennen dadurch, dass vor ihnen Insekten fliegen – und schlagen zu.

Dieses fliegende Säugetier hat einen besonderen Trick

Einige Nachtfalter haben allerdings im Laufe der Evolution Ohren entwickelt. Sie hören deshalb nahende Fledermäuse und fliehen rechtzeitig. „Die Mopsfledermaus hat jedoch einen besonderen Trick: Sie ruft viel leiser als andere Fledermäuse, die ebenfalls Nachtfalter jagen. Je näher sie sich an ihre Beute heranpirscht, desto leiser ruft sie – die Kleinschmetterlinge sind tot, bevor sie die stille Jägerin bemerken“, erläutert Pfeifle.

Was folgt nun aus diesem überraschenden Erfolg? Robert Pfeifle ist zuversichtlich, was den weiteren Verlauf des Projekts angeht: „Der Nachweis im Zuge unseres ersten Gerätetests war ein glücklicher Zufall. Er macht aber deutlich, dass die Mini-Batcorder funktionieren und es sich lohnt, auch in Gegenden ohne bekannte Vorkommen der Mopsfledermaus nach ihr zu suchen.“ Im kommenden Jahr wolle man die Geräte an einige Ehrenamtliche aus dem Naturschutz und Interessierte aus der Forstwirtschaft verleihen. „Wir hoffen, dass wir dadurch weitere, bisher unbekannte Vorkommen entdecken, die wir dann genauer erforschen können. Anschließend wollen wir an diesen Orten gemeinsam mit der Forstverwaltung passende Schutzmaßnahmen entwickeln und umsetzen.“


Das Fledermausprojekt

Die weiteren Verbundpartner des Projektes sind die Stiftung Fledermaus (Projektkoordination), die Naturstiftung David, der Nabu Niedersachsen sowie die Universität Greifswald. Das Projekt hat ein Gesamtvolumen von 5,4 Millionen Euro, 4,3 Millionen davon stellt das Bundesumweltministerium im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt zur Verfügung. Inhaltlich begleitet wird das Projekt durch das Bundesamt für Naturschutz. Der Anteil für Baden-Württemberg liegt bei mehr als 850 000 Euro.

Im Umkreis von Murrhardt hat die Entdeckungslust nun auch den Vorsitzenden des Nabu Baden-Württemberg, Johannes Enssle, gepackt: Er testet in seiner Freizeit ebenfalls eines der Geräte. Mit drei weiteren Mini-Batcordern wollen Enssle und Volker Weiß in der Nähe des Erstnachweises mehr darüber herausfinden, wo die aufgezeichnete Mopsfledermaus wohnt und jagt. Die Gegend bietet gute Bedingungen für das Tier: Gut denkbar, dass sie Unterschlupf in einem alten Baum der zusammenhängenden Waldgebiete oder unter der Holzverkleidung der zahlreichen Feldscheunen findet. „Wenn wir dort weitere Mopsfledermäuse finden, wäre das großartig. In jedem Fall sammeln wir dabei wichtige Erfahrungen mit den Aufnahmegeräten, die wir in den kommenden Jahren gut nutzen können“, fasst Robert Pfeifle vom Nabu zusammen.

Das bundesweite Projekt „Schutz und Förderung der Mopsfledermaus in Deutschland“ läuft bis 2025 in insgesamt sieben Bundesländern: Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Thüringen.

  • Bewertung
    4

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!