Seniorin lässt 19.000 Euro liegen Wer hat das Geld genommen?

Symbolbild. Foto: ZVW

Schorndorf. 19 000 Euro, verpackt in einer Tüte, hat eine Seniorin versehentlich in einer Apotheke in Schorndorf liegen lassen. Das Geld ist weg. Nun sucht die Polizei den Mann, der hinter der Dame stand, als das Missgeschick passierte. Die 77-Jährige hatte die Scheine zur Bank bringen wollen.

Vielleicht packt denjenigen, der die mit Geldscheinen gefüllte Tüte einfach mitgenommen hat, doch noch ein schlechtes Gewissen. Er oder sie könnte – bitte! – das Geld bei der Polizei einwerfen, möglichst mit Vermerk, woher es stammt. Oder er oder sie steht zu seinem Fehlverhalten und gibt das Geld persönlich ab: Dann müsste die Polizei zwar auch Anzeige erstatten. Aber dann käme der Geldtütenfinder womöglich ohne Strafe davon, weil er sich dann „nur“ wegen Unterschlagung verantworten müsste, nicht wegen Diebstahls. Und im Fall der Rückgabe könnte sich die Staatsanwaltschaft gar gnädig zeigen und das Verfahren einstellen, wer weiß?

Klar, eine freiwillige Rückgabe ist „unwahrscheinlich“, wie es Polizeisprecher Robert Kreidler ausdrückt.

Man muss sich das mal bildlich vorstellen: Die 77-jährige Dame packt zu Hause 19 000 Euro in bar in eine Tüte und steckt die Tüte in ihre Handtasche, um das Geld zur Bank zu tragen. Zuerst steuert sie aber die Apotheke in der Schulstraße in Schorndorf an. Das war am Montag gegen 11 Uhr. In der Apotheke nimmt die Frau die Tüte mit dem Geld aus ihrer Handtasche, vielleicht, weil sie ihren Geldbeutel sucht, um den Einkauf in der Apotheke zu bezahlen? Jedenfalls legt die Frau die Tüte mitsamt dem Geldbetrag, für den manche Menschen ein Jahr lang arbeiten müssen, kurz auf einen Stehtisch. Und dort lässt sie die Tüte liegen.

Hab ich hier was liegen lassen?

Das merkt sie erst, als sie schon wieder draußen ist. Sie eilt zurück – aber auf dem Stehtisch liegt nichts mehr. Kein Geld und keine Tüte, einfach nichts. Die Frau war erstaunlich ruhig, als sie zurückkam. Sie fragte einfach nur: Hab ich hier was liegen lassen? Das berichtet jene Mitarbeiterin der Apotheke, die die Frau bedient hatte. Ihr sei nichts aufgefallen. Vielleicht war also doch alles anders? Vielleicht hatte die Seniorin doch das Geld gar nicht dort liegen lassen, vielleicht dachte sie das nur?

Jedenfalls kommt die Polizei. Es gibt für die Beamten keinen Grund zum Zweifel, dass die Geldtüte wirklich existiert hat, wird es später im Polizeibericht heißen. Die Frau habe einen sehr klaren Eindruck gemacht und glaubhaft erklären können, weshalb sie das Geld dabei hatte, berichtet Robert Kreidler. Die Frau wollte das Geld einfach dorthin bringen, wo es schon die ganze Zeit am besten aufgehoben gewesen wäre: bei der Bank.

„Dieser Mann wird als Zeuge gesucht“

Als die Frau in der Apotheke ihren Einkauf erledigte – während ein kleines Jahresgehalt auf dem Stehtisch in einer Tüte lag –, stand hinter ihr ein Mann. Ob ihm irgendetwas aufgefallen ist? Oder ob ...?

Im Polizeibericht wird dieser Mann, der sich selbstredend sehr dringend bei der Polizei melden sollte, wie folgt beschrieben: Circa 40 Jahre alt, circa 1,80 Meter groß, mitteleuropäische Erscheinung, helle Haare, mit einem schwarzen oder grauen Anzug bekleidet: „Dieser Mann wird als Zeuge gesucht.“

Robert Kreidler sagt, solch ein vertrackter Fall sei ihm noch nicht untergekommen. Wir von der Zeitung erinnern uns ebenfalls nicht, zumindest nicht spontan, dass jemals so viel Geld auf solch tragische Art und Weise weggekommen wäre. Ein Moment der Unaufmerksamkeit, vielleicht eine kurze Ablenkung, was auch immer: Dann sind 19 000 Euro verschwunden, und es ist dann gar nicht mehr entscheidend, wie hart sie erspart wurden, das ist einfach weit mehr als einfach nur ärgerlich.

So viel Geld zu Hause lagern? Lieber nicht

Hinterher ist man immer schlauer, aber Matthias Layher, der Pressesprecher der Volksbank Stuttgart, hat natürlich recht, wenn er sagt: Es ist nicht ratsam, so viel Geld zu Hause zu lagern. „Fahrlässig“ sei das, sagt Layher.

Dennoch müssen Menschen manchmal viel Bargeld von A nach B transportieren, Stichwort Autokauf. Herr Layher, wie würden Sie das handhaben?

„Aktenkoffer“, sagt Matthias Layher. Abschließbarer Aktenkoffer. Auf keinen Fall: Tüte. Nun, eine ältere Dame mit einem Aktenkoffer in der Hand – fiele vielleicht auch irgendwie auf. Firmenkunden nutzen spezielle Geldkassetten, Geldtransporteure nutzen spezielle Gerätschaften: Profis schalten bei Bargeldtransporten auf Sicherheitsstufe eins.

Robert Kreidler von der Polizei rät für den Fall eines privaten, nicht vermeidbaren Bargeldtransports: nicht allein losgehen und auch nicht losgehen, sondern lieber fahren. Und das Geld natürlich für Fremde unsichtbar wegpacken. Es kommt schon hin und wieder vor, dass Leute Geld einfach vergessen. Aber nicht so und nicht in dieser Menge. An Geldautomaten passiert es hin und wieder: Man zieht die Karte und geht in Gedanken weg – ohne Geld.

Ehrlichen Findern steht ein Finderlohn zu. Die Höhe regelt das Bürgerliche Gesetzbuch: „Der Finderlohn beträgt von dem Werte der Sache bis zu 500 Euro fünf vom hundert, von dem Mehrwert drei vom hundert.“ Dem „Finder“ der 19 000 Euro wird wohl kein Finderlohn zukommen. Aber ein gutes Gewissen – sollte er das Geld zurückgeben. Jetzt.


Zeugen gesucht

Der Mann, der in der Apotheke hinter der Seniorin stand, sowie weitere Zeugen, die Angaben zur Sache machen können, werden dringend gebeten, sich mit dem Polizeirevier Schorndorf unter der Telefonnummer 0 71 81/2 04-0 in Verbindung zu setzen.

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