Sexuelle Belästigung gestoppt Backnanger Busfahrer rettet drei junge Frauen

, aktualisiert am 19.06.2019 - 13:45 Uhr
 Foto: Tobias Sellmaier

Backnang. Glück im Unglück hatten dieser Tage drei Frauen im Alter von 17 und 18 Jahren in Backnang. Sie wurden am späten Abend im Biegel von einem 32 Jahre alten Betrunkenen belästigt und sexuell genötigt. Sie erkannten einen anderen Passanten als ihren Busfahrer Bahman Farhadi und baten ihn um Hilfe. Der 55-Jährige schritt ein, wurde verletzt, konnte aber den Peiniger überwältigen.

„Ich habe keinen Moment überlegt“, sagt Farhadi. Die drei jungen Frauen seien wirklich in einer Notsituation gewesen und sie hätten ihn als ihren freundlichen Busfahrer erkannt und um Hilfe gebeten. Sofort ist der 55-Jährige auf den Mann zugegangen und hat diesen zur Rede gestellt. Wie es weiterging, teilte die Polizei in ihrer Pressemitteilung in kurzen Worten mit: „Daraufhin kam es zu einer körperlichen Auseinandersetzung, in deren Verlauf der Passant von dem Betrunkenen ins Gesicht geschlagen und in den Arm gebissen wurde. Letztlich gelang es dem 55-Jährigen dennoch, den Mann zu überwältigen und bis zum Eintreffen der Polizei festzuhalten“.

Nach Dienstschluss Beine vertreten

Die Schilderung von Farhadi hört sich noch dramatischer an. Der OVR-Omnibusfahrer ist meist auf der Linie Backnang–Murrhardt unterwegs. An diesem Tag hat er um 21.20 Uhr Dienstschluss. Dann fährt er mit seinem Auto auf die Bleichwiese und vertritt sich noch die Beine, weil er den Tag über genug gesessen ist. Jetzt braucht er noch Bewegung.

Er geht auf dem Rotgerberweg an der Murr entlang, bis er gegenüber der Gaststätte PlanB die drei 17- und 18-Jährigen auf dem Mäuerchen sitzen sieht. Ganz in der Nähe auch der Betrunkene. Als er die jungen Frauen passieren will, flüstert eine: „Busfahrer, Hilfe, Hilfe.“ Sie alle kennen ihn und er kennt sie, von klein auf. „Ich fahre ja schon seit 17 Jahren Bus.“ Er habe dann flüsternd zurückgefragt: „Was ist los?“ – Das Mädchen deutet auf den 32-Jährigen und sagt: „Der Mann belästigt uns sexuell.“ – „Ruf die Polizei an“, habe er das Mädchen aufgefordert. Doch die musste passen: „Ich habe kein Guthaben mehr, bitte, bitte" (Wichtige Anmerkung: Der Notruf ist kostenlos und kann auch ohne Guthaben angerufen werden). Dann wirft Farhadi seine Regenjacke über seine Schulter, nimmt die Frauen in den Arm und will mit ihnen weitergehen und dabei seinen Schutz anbieten. Das allerdings findet der Außenstehende gar nicht gut. Er verfolgt das Quartett und schubst den älteren Begleiter von hinten, wobei dessen Regenjacke zu Boden fällt. Farhadi will sie aufheben, doch das hat bereits der Verfolger getan, der sie sich sogleich um die Hüfte bindet. „Was macht der?“, denkt sich der Busfahrer, der bemerkt, dass das Verhalten seines Kontrahent langsam aggressiver wird. Er zückt sein Handy und ruft die Polizei an.

Daraufhin ist der 32-Jährige ausgerastet, ist auf den Busfahrer los, hat ihn zunächst geschubst, dann ins Gesicht geschlagen. Farhadi wehrt sich, will den Angreifer festhalten – beide gehen schließlich zu Boden. Um der Gefahr aus dem Weg zu gehen, dass der Übeltäter womöglich noch ein Messer zieht, will Farhadi den über 20 Jahre jüngeren Mann möglichst bewegungsunfähig am Boden halten. Doch der versucht, sich wie wild zu drehen, und beißt plötzlich zu, zweimal. Blut fließt. Doch Farhadi lässt nicht locker, schafft es schließlich, den Mann die ganze Zeit festzuhalten. Dabei habe der immer wieder gesagt: „Ich töte Deutsche, ich töte Deutsche.“ Und gespuckt habe er die ganze Zeit.

Sanitäter behandeln die Bisswunde

Dann ist zum Glück die Polizei gekommen, habe ihm Handschellen angelegt. Der habe sich noch immer gewehrt. Wegen seiner Bisswunde ist der Busfahrer von einer Krankenwagenbesatzung, die ebenfalls noch eingetroffen ist, erstversorgt worden. Zum Glück geht der Busfahrer regelmäßig zum Impfen, die letzte Tetanusimpfung hat er erst vor vier Jahren erhalten. Auf den Angreifer kommen nun entsprechende Strafverfahren zu, teilt die Polizei mit.

Farhadi ist natürlich froh, dass die Geschichte so glimpflich verlaufen ist. Aber der Mann mit persischen Wurzeln, der seit 1986 in Deutschland lebt, seit 2003 in Backnang als Busfahrer, und schön längst einen deutschen Pass besitzt, hat schon viel erlebt. Beispielsweise bei seiner lebensgefährlichen Flucht vom Iran über den Irak und die Türkei nach Ost-Berlin. Aber das ist eine andere Geschichte. Gut, nicht nur für die drei jungen Frauen, dass sich Farhadi mittlerweile in Backnang sehr wohlfühlt.

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