Silvesterreise Silvester im Tessin

Silvester im Tessin

HOLLARAIDULIJÖ

Erster Höhepunkt die Fahrt mit dem Glacierexpress

Kurz nach Weihnachten startet unsere kleine aber feine Reisegruppe ins Tessin. Gleich nach der Schweizer-Grenze steigt Bernhard, unser Guide für die nächsten Tage, zu uns in den Bus und begeistert mit seinem Fachwissen über Land und Leute, Flüsse, Seen, Berge, Pflanzen und vieles mehr. Immer wieder ruft er „HOLLARAIDULIJÖ - wie ist das schön!“ aus, um die Schönheit dessen, was draußen vorbeizieht, zu betonen und das Wort sollte ihm auch dank des schönen Wetters in den nächsten Tagen noch einige Male über die Lippen kommen.

Den Auftakt machen wir in Zürich, der heimlichen Hauptstadt der Schweiz. Wir schlendern am am Fraumünster vorbei, entlang der Limmat, am Ausfluss des Zürichsees, bis zum Zunfthaus. Von dort hat man einen wunderschönen Blick auf die Stadt und die Eidgenössische Technische Hochschule sowie auf die Universität Zürich, die beiden größten Universitäten der Schweiz. Wir spazieren entlang der Luxusgeschäfte auf der Bahnhofstraße und sind angesichts der Preise froh, dass wir keine Zeit für Einkäufe haben. Ivo, unser Busfahrer, wartet schon und weiter geht’s nach Montreux. Unser Hotel für die nächste Nacht wirbt damit, dass man von all seinen Zimmern aus einen Blick erhaschen kann auf den Genfersee – was will man mehr! Der Tag wird mit einem Abendessen in einem Lokal am See abgerundet, und wir lernen schnell die Schweizer Preise kennen.  Der günstigste Wein kostet 8 Franken - dafür gibt es aber nicht etwa ein Viertele, sondern nur 0,1 Liter. Einer unser Teilnehmer beschließt daraufhin, dass der Wein für diesen Preis gar nicht schmecken kann und bestellt sich ein Bier, das zwar auch 7 Franken kostet, aber immerhin bekommt er einen halben Liter davon.

Am nächsten Morgen sollte einer der Höhepunkte der Reise folgen, die Fahrt mit dem Glacierexpress. Nach einer kurzen Aufregung wegen der Verspätung unseres Zubringer-Zuges von Montreux nach Brig sitzen wir bei herrlichem Sonnenschein glücklich im Zug und durchqueren das Rhonetal. Bernhard erklärt uns unermüdlich den Verlauf der Flüsse, die Vegetation in der Gegend und die sprachliche Vielfalt des Landes. Diese reicht von Deutsch über Französisch und Italienisch bis hin zu Ladin, der Retoromanischen-Sprache, die Hochlatein auf die Alltagssprache reduziert. Nach einer Stunde und vielen interessanten Geschichten erreichen wir Brig und steigen in den Glacierexpress um, der uns von Brig nach Chur bringen wird, einer 4,5-stündigen Teilstrecke der Gesamtstrecke von Zermatt nach St. Moritz. Die Panoramafenster des Zuges ermöglichen uns einen perfekten Blick in alle Richtungen. Die Sonne scheint, und je höher uns der Zug bringt, umso mehr Schnee liegt auf den Bergen. Vorbei an kilometerlangen Loipen, wunderschöne Skipisten, unberührter Natur - der Tag könnte nicht perfekter sein. Unser Glück wird durch ein Mittagessen gekrönt und wir fragen uns, wie das noch zu toppen sei, schließlich ist das erst unser zweiter Tag und weitere 5 Tage warten auf uns. Erst einmal wartet aber unser Busfahrer Ivo am Bahnsteig, zu seinem großen Bedauern konnte er nicht mitfahren, schließlich musste er den Bus über die Serpentinen nach Chur bringen, um uns abzuholen. Nach 2 Stunden Busfahrt und vielen weiteren Geschichten unseren Guides erreichen wir Locarno, wo wir die nächsten vier Tage im wunderschönen Hotel Belvedere verwöhnt werden. Wunderschöne Zimmer, sehr freundliches und aufmerksames Personal und kulinarisch ein Highlight, HOLLARAIDULIJÖ - wie ist das schön!

 

LOCARNO

Auch das Frühstück lässt im Hotel Belvedere keine Wünsche offen, so dass wir gut gestärkt unseren Stadtspaziergang in Locarno starten können. Vorbei an einem still gelegten Grandhotel und weiteren schönen, aber leider vernachlässigten Gebäuden bis zum ehemaligen Gerichtsgebäude, in dem 1925 die berühmten  Locarno-Verträge verhandelt wurden. Die Stadt hat Charme, schöne Gassen, und eine Seilbahn fährt zur Wallfahrtskirche Madonna del Sasso. Von dort hat man einen herrlichen Blick auf die Stadt und auf den Lago Maggiore, der auf deutsch auch Langensee genannt wird. Bernhard weiß wieder viel zu erzählen, erklärt uns die Bedeutung des Maggiatals und dass Tessin auf Italienisch Ticino heißt. Namensgeber dieser Gegend ist der Fluss Ticino, der in Magadino in den See mündet. Selbst die Schweiz-Kenner der Gruppe hören aufmerksam zu und bestätigen, von Bernhard viel Neues erfahren zu haben. Den Nachmittag rundet ein Stadtrundgang in Ascona ab. Wunderschöne kleine Gassen mit noch schöneren kleinen Boutiquen und zahlreichen Cafes am See strahlen Lebensfreude aus.

Am letzten Tag des Jahres, ja sogar des Jahrzehnts wird ein Ausflug nach Belinzona angeboten, an dem die meisten Mitreisenden teilnehmen. Die Kantonshauptstadt, einst an einer strategisch wichtigen Lage, kann mit ihren drei Burgen verzaubern. Ein weiterer Sonnentag und weitere Informationen folgen - über den in der Eiszeit geformten Felsen und die Magadino-Ebene, sowie das angrenzende Gotthardmassivs, durch dessen Tunnel wir am Ende der Reise auf dem Weg nach Hause noch fahren werden. Nicht zu spät kehren wir ins Hotel zurück. Schließlich möchten wir uns in Ruhe auf das gigantische Silvester-Dinner im Hotel vorbereiten – ein weiterer Höhepunkt der Reise. Festlich gekleidet, bei schöner Klaviermusik und einem Glas Champagner starten wir in den Abend. Weiter geht’s in einem Festsaal, wo ein 7-Gänge Menü vom Feinsten auf uns wartet. Getränke, auch die Weine, sind inklusive – das ist durchaus erwähnenswert bei den satten Preisen in der Schweiz. Ein Musiker mit seiner E-Piano spielt auf, sein Repertoire ist unendlich groß, alle sind begeistert und viele tanzen den ganzen Abend.  Der Service ist wieder mal perfekt, kurz vor Mitternacht werden Wunderkerzen und Silvesterdeko verteilt, Champagner ausgeschenkt, eine Linsensuppe nach Tessiner-Tradition serviert und das neue Jahr beginnt einfach unbeschreiblich schön.

Am ersten Tag des neuen Jahres warten die nächsten Höhepunkte. Mit dem Bus geht es nach Lugano, dem drittgrößten Bankenplatz der Schweiz. An Luxusgeschäften und Cafes fehlt es auch hier nicht. Bei einer Bootsfahrt nach Morcote können wir die Schönheit der Gegend vom Luganersee aus betrachten und wieder einmal werden wir mit bestem Wetter belohnt.  Fast vergessen ist die spektakuläre Fahrt mit dem Glacier-Express, so viele weitere Höhepunkte durften wir danach noch erleben. Der nächste wartet schon in Montagnola, im Hermann Hesse Museum. Lucia Umiker nimmt uns mit in die Vergangenheit und bringt uns die zwölf Jahre, die Hermann Hesse hier verbrachte, sehr lebhaft und anschaulich nahe. Wir sind ihm und den insgesamt drei Frauen, die der nicht immer einfache Schriftsteller in seinem Leben hatte, zumindest für eine kleine Weile sehr nahe.  Am Abend besuchen wir noch das Feuerwerk von Ascona. An den Cafes und Restaurants an der Uferpromenade ergattern wir sehr gute Plätze und bewundern ein halbstündiges Spektakel über dem See.

Der Abschied naht, ein letztes Mal verwöhnt uns der Küchenchef, die Koffer müssen gepackt werden. Das Programm wird mit einem Stadtrundgang in Luzern am Vierwaldstättersse abgerundet. Wir laufen über die nach einem Brand wieder aufgebaute Kappelbrücke, die längste überdachte Holzbrücke in Europa, besichtigen die Jesuitenkirche St. Franz Xaver und schlendern durch die Altstadt, bestaunen die schön renovierten Gebäude. Bernhard erzählt nebenher amüsante Anekdoten, die Geschichte der Stadt und beantwortet Fragen der Teilnehmer. Sein Wissen über die Schweiz scheint endlos. Er erzählt aber auch Unterhaltsames, wie zum Beispiel, dass das Juwelier-Geschäft Bucherer in Luzern für seine asiatischen Kunden, die gerne mit Bargeldbündeln und klaren Vorstellungen anreisen, eigens eine Rolex-Abteilung aufgemacht hat.

In Luzern heißt es nun Abschied nehmen von Bernhard und Abschied nehmen von der Schweiz. Die Gruppe ist sich einig, es war eine perfekte Reise.

HOLLARAIDULIJÖ - wie war das schön!

 

Mehr zu unseren Leserreisen finden Sie im ZVW-Shop!

  • Bewertung
    5