Slowakei Kosice: Das Juwel des Ostens

Herausgeputzt: Der Blick vom Dom zeigt die Kulturhauptstadt Kosice. Foto: Stankiewicz

Kosice - So schön und doch so unbekannt: Das Land ist ein echter Geheimtipp. Schade nur, dass die Slowakei trotz ihrer vielen Reize ein Mauerblümchendasein fristet - im Jahr 2005 wurden noch 200 000 Gäste aus Deutschland gezählt, im Jahr 2011 waren es gerade noch 133 000. Die Schuld an der Entwicklung gibt man den Österreichern, die mit ihrem Flughafen Wien Touristen abfangen. Die Hauptstadt Bratislava wird von Deutschland aus seit Jahren nicht mehr angeflogen. Wer aber mit dem Auto - 750 Kilometer von Stuttgart aus - oder der Bahn hinfährt, findet lohnende Ziele:

Kosice
Die östliche Metropole Kosice (250 000 Einwohner) ist in diesem Jahr neben Marseille die Kulturhauptstadt Europas. Die in Kosice geborene Journalistin Miriam Zsilleova spricht von einer richtig guten Entscheidung. „Es ist für die Slowakei wichtig, dass hier nicht der Hauptstadt der Vorzug gegeben wurde. Wir haben doch noch mehr zu bieten. Kosice ist eine tolle Stadt, die Mentalität der Einwohner ist super.“ Gleichwohl hat sie Bedenken, ob die Präsentation gelingt. „Wir haben doch nicht so viel Erfahrung mit internationalen Veranstaltungen.“ Mit dem von der Europäischen Union verliehenen Titel schmücken konnten sich in den Vorjahren Guimarães (Portugal), Maribor (Slowenien), Turku (Finnland), Tallinn (Estland), Essen, Pecs (Ungarn) und Istanbul (Türkei). Kosice hat sich jedenfalls schon herausgeputzt für die Besucher aus aller Welt. Die einheimische Werbung preist die zweitgrößte Stadt der Slowakei als ein „Juwel“, eine Vielzahl von Ramschläden in der Altstadt mit der längsten Promenade der Slowakei beeinträchtigt allerdings das Bild, die klapprige Straßenbahn ist in die Jahre gekommen. Doch die wichtigsten historischen Denkmale - unter anderem der prächtige Dom der Heiligen Elisabeth - wurden renoviert. Für bleibenden Glanz sorgen zwei große Namen, die mit der Stadt verbunden sind: Der Schriftsteller Sandor Marai, der im damaligen österreich-ungarischen Kaschau geboren wurde, und der Pop-Art-Künstler Andy Warhol, dessen Vorfahren aus der Region stammen.

Zipser Burg
Kein Reiseführer kann auch nur annähernd den Eindruck vermitteln, der sich dem Betrachter des steinernen Kolosses bietet. Schon aus weiter Ferne bietet die Zipser Burg einen atemberaubenden Anblick. Gewaltige, über 400 Meter lange Mauerwerke beherrschen die Anhöhe. Die Festung, größte Burganlage Mitteleuropas, Unesco-Weltkulturerbe und Kulisse für historische Filme, war eine der wenigen, die der Tatareninvasion im 13. Jahrhundert widerstanden. Ein Museum mit Waffen und Rüstungen versetzen den Besucher in alte Zeiten zurück. Die mit sanften Hügeln durchsetzte Umgebung lädt zum Wandern ein.

Levoca
Viel ist nicht los in der kleinen Provinzstadt Levoca mit ihren 15 000 Einwohnern, vereinzelt huschen Passanten von einem Eck zum anderen. Doch immerhin gehört auch Levoca zum Unesco-Welterbe - das historische Stadtzentrum ist perfekt erhalten. In der Jakobskirche aus dem 14. Jahrhundert befindet sich der mit knapp 19 Metern höchste gotische Altar - ein Kunstwerk, bei dessen Anblick man den Atem anhält. Geschaffen hat es Meister Paul (1455-1540), größter slowakischer Künstler des Mittelalters. Wem das alles ein bisschen zu viel ist an sakraler Kunst, der kann sich im Kellergewölbe des Hotels Arkada bewirten lassen - ein selten heimeliger Ort.

Piestany
Wer sich im prächtigen Jugendstilhaus Thermia Palace in Piestany, erbaut im Jahr 1912, einquartiert hat, entschwebt in eine bessere, gesündere Welt. Hier, in der Westslowakei, kann der Gast eine Wasserkur genießen, die ihm neue Kräfte verschafft. Das Wahrzeichen des Orts ist dementsprechend der Mann, der mit dem Knie eine Krücke bricht. Symbol des Hotels ist ein Pfau; die Legende besagt, dass der Vogel mit verletztem Fuß in eine Grube mit Thermalwasser fiel und zu dieser immer wieder zurückkehrte, bis er geheilt war. Der ganze Stolz von Thermia Palace ist das Schlammbad - mit verjüngender Wirkung, wie die Werbung verspricht. Wer von Rheuma, Ischiasbeschwerden und Arthritis geplagt wird, ist hier gut aufgehoben.

Hohe Tatra
Es sind die Alpen im Miniformat: Am Nordrand der Slowakei erhebt sich das kleinste Hochgebirge der Welt - der Hauptkamm ist gerade mal 27 Kilometer lang. Ein grandioses Erlebnis bietet die Fahrt mit einer Seilschwebebahn ohne einen einzigen Stützmast auf die Lomnitzer Spitze (2632 Meter). Und nirgends ist das Wasser klarer als in einem der Hochgebirgsseen. Eine Seilbahn führt den Gast direkt an einen der schönsten, den Skalnate Pleso (Steinsee), auf 1700 Meter Höhe.

Banska Bystrica
Die Slowakei hat viele malerische Orte zu bieten - die alte Bergbaustadt Banska Bystrica (100 000 Einwohner, 200 Kilometer östlich von Bratislava) steht in der Rangliste ganz oben. Liebevoll instand gehaltene Häuser mit hübschen Fassaden bilden das historische Zentrum mit einer Fülle von Renaissance-, Gotik- und Barockelementen. Es waren Kupfer und Silber, das Banska Bystrica zu seinem Reichtum verhalf. In der Stadt wird auch die typisch slowakische Hirtenflöte gefertigt: Fujara heißt das Musikinstrument aus Holunderholz, das seit 2005 zu den Unesco-Schätzen zählt.

Bratislava
Die Hauptstadt Bratislava (430 000 Einwohner) ist das touristische Aushängeschild des Landes - quirlige Studentenstadt und Wirtschaftsmetropole mit prunkvollen Palästen und romantischen Gassen. Hoch über der Donau thront die Burg, das Wahrzeichen der Stadt, einst Sitz des ungarischen Königs. Wer in die Vergangenheit versinken will, der hat im einstigen Pressburg, 1536 zur Hauptstadt von Ungarn ausgerufen, alle Möglichkeiten. Doch es ist auch eine junge Stadt - von jungen Leuten Partyslava genannt. Ebenfalls zum modernen Bratislava gehört ein riesiges Einkaufszentrum am Donauufer. Auch dies zeigt: Die Slowakei hat längst zum Westen aufgeschlossen.

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