Smartphone-Spiel „Kuleana“ Waiblinger Student entwickelt App für Klimaschutz

Johannes Seitz mit einigen Produkten, die seinem Superhelden Punkte verschaffen. Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Waiblingen. Von wegen Klimaschutz macht keinen Spaß: Der 23-jährige Waiblinger Student Johannes Seitz hat das Smartphone-Spiel „Kuleana“ entwickelt, das zu nachhaltigem Konsum motivieren soll. Wer bio kauft, steigt zum Superheld auf – und wird dafür belohnt.

Unser Heimatplanet ist in Gefahr. Es ist an der Zeit, zu handeln. Superhelden müssen ran, nämlich wir alle. „Ich schwöre feierlich, ich begehe eine Heldentat!“, so spricht die Spielfigur – und schon scannt das Smartphone den Strichcode des Bio-Kaffees mit Fairtrade-Siegel. Sechs Punkte gibt’s dafür, kein schlechter Wert. Mit einem gut gefüllten Punktekonto kann ein Kuleana-Spieler nach Herzenslust shoppen – und zwar im Heldenshop. Dort gibt’s Superhelden-Anzüge und -Umhänge, Haare in allen gewünschten Farben und für besonders eifrige Öko-Einkäufer auch Schwert und ein Klimaschutz-Plakat. Ein Spaß mit ernstem Hintergrund – der Name Kuleana ist nicht zufällig gewählt.

Echte Helden sind ehrlich

Johannes Seitz ist in Waiblingen aufgewachsen und studiert an der Uni Stuttgart technische Kybernetik. Sein Hobby: Apps entwickeln. „Mich reizt die Kombination aus Programmieren und dem Design einer ansprechenden Oberfläche“, erklärt er. Die Nachhaltigkeits-App gibt’s kostenlos im Google Playstore. Eine Apple-Version ist in Planung. 100 Mitspieler haben sich bislang gefunden. Die Gruppe ist also noch ausbaufähig. Ein paar davon sind Freunde des Entwicklers, die meisten kennt er nicht. Er selbst hat es nach gut einem Monat auf 240 Punkte und auf Level elf geschafft. Sein Held „andjojo“ darf ein Schwert tragen und sieht seinem Schöpfer hinsichtlich Frisur und Schnauzbart auffällig ähnlich.

„Fridays for future“ und die weltweite Bewegung für den Klimaschutz elektrisiert auch den Studenten, der am Albert-Magnus-Gymnasium in Sommerrain sein Abi gemacht hat. Eigentlich sei er gar keiner, der bewusst bio einkaufe, gesteht er. Das beginnt sich dank Kuleana zu ändern, auch wenn mancher Mitspieler punktemäßig schon an ihm vorbeigezogen ist. Angesichts der alarmierenden Prognosen der Wissenschaftler, überlegte er sich, was er selbst tun kann – und kam auf die Idee mit der App: „Ein Spiel, das dazu motiviert, Konsumverhalten zu ändern und umweltbewusster zu leben.“

Als Heldentaten gelten das Scannen von nachhaltigen Produkten, Bahnfahrten und Einkaufen auf dem Wochenmarkt. Verschiedene Nachhaltigkeitsgeschäfte für Second Hand und faire Mode sowie Unverpackt-Läden sind für Stuttgart und Umgebung eingepflegt. Das Spielen mit Freunden steht im Vordergrund – und Ehrlichkeit ist angesagt. Denn Scannen kann man theoretisch alles, ohne zu kaufen. Und auf dem Wochenmarkt gibt’s nichts zu scannen – der Besuch wird wir die Bahnfahrt von Hand eingetragen. Aber Mogeln wäre fehl am Platze unter wahren Helden und macht sowieso keinen Spaß.

Übersicht mit Ökoläden

Punkte gibt es bei Produkten, die aus biologischer Herstellung, fairem Handel oder vegan sind. Wenn alles zusammenkommt wie beim fairen Kaffee, multiplizieren sich die Punkte. Die App scannt den Strichcode und durchforstet das Internet nach Informationen dazu. Es kommt freilich vor, dass keine gefunden werden. Einmal in der Woche wird abgerechnet. Der Spieler, der am meisten Punkte sammeln konnte, gewinnt die Runde und erhält einen Bonus.

Als Karte beinhaltet die App eine Übersicht über der Nachhaltigkeitsläden und Wochenmärkte. Und über Sharing-Funktionen können die Heldentaten in den sozialen Netzwerken geteilt werden. Gekauft wird bei Kuleana übrigens nur real. „In-App-Käufe“, Fluch aller Smartphone-Spiele, gibt es nicht und soll es nie geben. Ebenso, wie die App kostenlos bleibt, da sie keinem kommerziellen Interesse folgt.

Was aber heißt Kuleana? Das hawaiianische Wort bedeutet grob übersetzt Verantwortung. „Ich habe mir extra ein Land gesucht, das vom Klimawandel besonders betroffen ist“, sagt Johannes Seitz. Das Wort beschreibt, abweichend von der Übersetzung, eine Beziehung: Die Hawaiianer tragen Kuleana für ihr Land – und das Land hat das Kuleana, die Menschen zu ernähren.

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