Spaß am eigenen Dialekt Und wie schwäbisch bisch du?

Stuttgart - Vorbei sind die Zeiten, da sich Schwaben außerhalb ihres Sprengels etwas schwergetan haben. Für ihre Mundart hat man sie einst belächelt – heute gilt das Bekenntnis zur Herkunft als Stärke.

Eifrig sammelt die in Herrenberg geborene Marketingexpertin Petra J. Stotz – sie hat vor drei Jahren ein Start-up-Unternehmen mit dem Namen Schwabenliebe gegründet – Weisheiten ihrer Landsleute wie diese: „Wer ned will, hot keht, ond wer keht hot, braucht nix mehr!“ Das mag exotisch in den Ohren von Touristen klingen, die sich für Stuttgart entscheiden. Doch die englische Übersetzung offenbart die Tiefe dieser Erkenntnis: „Who doesn’t want anything, has got enough already and who’s got enough doesn’t need anything more!“

75 Sprüche sind es bereits, die in schwäbischer und englischer Fassung in Glückskeksen darauf warten, freigeknabbert zu werden. Das knusprige Süßgebäck gehört zu den Umsatzbringern der Firma Schwabenliebe, die mit Online-Versand angefangen hat und nun auch einen Geschenkladen in Sillenbuch betreibt. Dass Schwaben nicht nur im eigenen Saft schmoren, sondern internationale Einflüsse zu nutzen wissen, unterstreicht das Lächeln einer dunkelhäutigen Schönheit, die auf der Verpackung der Glückskekse die moderne Schwäbin verkörpert. Keine Kittelschürze trägt sie, sondern ein tiefgeschnittenes Dekolleté.

Warum das Royal Baby der Briten auch ein „Royal Swaby“ ist

Es ist nicht allein der Zufall, der schwäbische und englische Sätze auf einen Zettel zusammengebracht hat. „Der kürzlich geborene britische Thronfolger George Alexander Louis stammt aus einer langen Reihe schwäbischer Vorfahren ab“, sagt Petra J. Stotz. Das Royal Baby sei damit auch ein „Royal Swaby“. Seine Urururgroßmutter Maria von Teck war als Gemahlin von König Georg V. Königin von Großbritannien – ihr Vater Franz von Teck wirkte als Herzog im Königreich von Württemberg.

Zur Geburt schickte Schwabenliebe dem Thronfolger ein schwäbisches Dreirad mit Anhänger, handgefertigt von der Holzwerkstatt einer Behindertengruppe in Stuttgart. Ein Dank der stolzen Eltern kam bisher noch nicht. Dabei würde sich die Geschäftsführerin Petra J. Stotz dem britischen Palast gern als „Haus-und-Hof-Beraterin zum Erlernen des Schwäbisch-Sprechens“ zur Verfügung stellen. Ehrenamtlich, versteht sich, allein der Ehre wegen. Eines sei schon mal klar, warnt die Schwäbin: „Der Vorname George schreit nach einer schwäbischen Koseform wie Georgle oder Schorsch.“

Dass medienwirksame Aktionen der Schwabenliebe-Gründerin liegen, ist einfach zu erklären: Petra J. Stotz hat in Stuttgart im zweiten Anlauf Werbung und Kommunikationslehre studiert. Davor hatte sie 16 Jahre in der IT-Branche gearbeitet. Nach der Babypause setzte sie einen Traum in die Tat um: Die gebürtige Herrenbergerin, die nach der Schule den Beruf der Groß- und Außenhandelskauffrau erlernt hatte, machte sich selbstständig mit ihrer durch und durch schwäbischen Geschäftsidee. Eigentlich wollte sie ihre Firma „Made in Schduargard“ nennen. Davon rieten der Handwerkskammer und der Patentanwalt dringend ab. Bei diesem Namen müsste gewährleistet sein, dass alle ihre Produkte tatsächlich aus Stuttgart hergestellt werden. Dabei greift sie oft auch auf Waren aus der Region zurück, etwa bei den Brezelnudeln beim Bäcker Kutterer aus dem Rems-Murr-Kreis.

Auf den Servietten steht „Butz’ Dei Göschle!“

So entstand schließlich der schöne Name Schwabenliebe – ein Glücksfall, wie sich inzwischen herausgestellt hat. Ihre Geschäftsidee soll nun auch Baden und auf Bayern übertragen werden. Die Rechte auf den Namen Badenliebe und Baverian Love (Bayernliebe war schon von einem Bauernhof vergeben) hat sich Frau Stotz schützen lassen. In Zeiten der weltweiten Ausdehnung wächst die Heimatlust.

Der Wunsch der Verbraucher ist groß, sich auf die eigenen Wurzeln zu besinnen, sich zum eigenen Dialekt zu bekennen und das lokales Handwerk zu unterstützen, statt sich nur mit Fernost-Waren einzudecken. Bei der Schwabenliebe gibt es deshalb Quittenbrand aus heimischen Streuobstwiesen und Servietten, auf denen „Butz’ Dei Göschle“ steht. „Wir unterstützen den Werterhalt“, sagt die Chefin. Jeder müsse für sich selbst eine existenzielle Frage klären;: „Und wie schwäbisch bisch du?“

www.schwabenliebe.com

 

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