Spiegelberg Wer hat die Fische in die Luft gesprengt?

Symbolbild. Foto: Pixabay License

Spiegelberg. 1000 Euro Belohnung hat die Tierschutzorganisation Peta ausgesetzt: Wer kann Hinweise liefern zur massenhaften Fischtötung in Spiegelberg? Vermutlich hatte jemand einen Sprengsatz in einen Weiher geworfen.

350 Forellen tot: Die Fische lagen teils im Wasser, teils außerhalb des Weihers, der etwa 100 Meter nach dem Ortsende von Spiegelberg in Richtung Prevorst liegt. Gut einen Monat liegt der Vorfall zurück. Die Polizei geht von einer Unterwasserdetonation aus. Wer tut so was?

Noch gibt’s keine Hinweise auf den oder die Täter, sagt Polizei-Pressesprecher David Ebert. In Spiegelberg war der Fall Anfang Oktober Gesprächsthema Nummer eins, berichtet Bürgermeister Uwe Bossert. Er wisse auch nicht mehr, als seinerzeit der Zeitung zu entnehmen war: Mutmaßlich handelt es sich um Fischwilderei, hieß es in der Polizeimeldung vom 9. Oktober. Fischwilderei liegt vor, wenn jemand ohne gültige Erlaubnis Fische aus einem Gewässer entnimmt, erläutert Udo Spichtinger, der Vorsitzende des Fischerei-Vereins Waiblingen.

"Könne man ihre Schreie hören, wären Menschen sicher sensibler"

Fischen mit Sprengstoff ist viel schlimmer und sowieso ausdrücklich verboten, so Steffen Kienzle, Sprecher am Landratsamt Rems-Murr. Als die „russische Methode“ bezeichnet Udo Spichtinger Unterwasserdetonationen mit dem Ziel, auf einen Schlag viele Fische zu töten. Sämtliche Kleinfische sterben gleich mit, und es ist lange her, als Dynamitfischen als gute Methode für effektiven Fischfang galt. In der Nachkriegszeit benutzten Menschen Sprengstoff und Granaten, um auf diese Weise schnell an Nahrungsmittel zu gelangen. Die illegale, zerstörerische und auch für Umwelt wie Menschen höchst gefährliche Methode ist zwar längst international geächtet, wird aber in einigen Ländern nach wie vor praktiziert.

„Die Täter müssen überführt und zur Rechenschaft gezogen werden“, begründet Judith Pein laut Pressemitteilung im Namen von Peta, weshalb die Tierrechtsorganisation eine Belohnung ausgesetzt hat „für Hinweise, die die Tierquäler überführen“. Fische seien „wie Hunde und Katzen Wirbeltiere. Könnte man ihre Schreie hören, wären Menschen sicher sensibler für das Leid der empfindsamen Lebewesen.“

Der korrekte Weg zur Forelle

Unterdessen fragt sich Udo Spichtinger vom Fischerei-Verein Waiblingen, was hinter der mutmaßlichen Unterwassersprengung in Spiegelberg stecken könnte. Vermutlich ging’s den Tierquälern nicht um die Aussicht auf Forelle Müllerin mit Zitrone und Mandeln. Auf eine frische Fisch-Mahlzeit haben es hin und wieder Angler abgesehen, die illegal etwa aus der Rems Forellen holen. „Wir wissen, dass hin und wieder gewildert wird“, sagt Udo Spichtinger; „aber ich würde das nicht als Problem ansehen.“ Dem Vereinsvorsitzenden ist nicht bekannt, dass in großem Stil etwa an der Rems Fischwilderei betrieben würde.

Der korrekte Weg zur Forelle führt über einen Fischereischein. Einen solchen erhält nur, wer Kurse belegt und eine Prüfung besteht. Man darf auch nicht ohne Jagdschein Wildschweine schießen – beim Angeln verhält es sich ganz genauso. Der Fischerei-Verein Waiblingen hat sich bei der Stadt die Erlaubnis geholt, an einem bestimmten Abschnitt der Rems angeln zu dürfen. Kommunen vergeben solche Berechtigungen gegen Gebühr. Der Verein gibt Fischereikarten an seine Mitglieder aus, auch das kostet Geld. Sie dürfen dennoch nicht Zander und Hechte aus dem Fluss holen, so viele sie wollen: Für diese und andere Fischarten gelten Begrenzungen, erklärt Udo Spichtinger. Der Verein führt Fangstatistiken und „wir schauen, was wir nachbesetzen müssen. Wir versuchen, natürliche Bestände wieder aufzubauen“, erklärt Spichtinger. In der Rems leben Fischarten, von welchen ein Laie vermutlich noch nie gehört hat. Gründlinge und Brassen, Döbel und Alande – die Liste ließe sich noch lange fortsetzen.

Auch der Weiher in Spiegelberg bot ganz sicher nicht nur Forellen einen Lebensraum. Bis ein Mensch kam und – mutmaßlich – einen Sprengsatz ins Wasser warf.


Hinweise erbeten

Wer Hinweise geben kann, wende sich an den Polizeiposten Sulzbach, Telefon 0 71 93/3 52.

Die Tierschutzorganisation Peta nennt diese Nummer für Hinweisgeber: 0 15 20/7 37 33 41. Peta nimmt auch anonym Hinweise entgegen. Ein Kontaktformular ist zu finden unter www.peta.de

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