Sportfreunde und TSV Schwaikheim So dringend wird eine weitere Sporthalle gebraucht

Symbolbild. Foto: pixabay.com (CC0 Public Domain)

Schwaikheim. Ein neuer Bauhof und eine weitere Sporthalle stehen oben auf der Vorhabenliste des Gemeinderats für die kommenden Jahre. Allerdings ist außerdem ein Bürgersaal im Gespräch, auch mit der Begründung, eine Umfrage unter den Vereinen habe keine Dringlichkeit für die Sporthalle ergeben. Die Vorsitzenden der beiden größten Vereine schütteln den Kopf darüber.

Bislang sind die Ergebnisse der Umfrage nicht veröffentlicht. Jörg Motz von den Sportfreunden und Wolfgang Krämer vom TSV bezweifeln ohnehin deren Aussagekraft. Erstens sei der Rücklauf sehr mager gewesen. Zweitens sei die überwiegende Zahl der Vereine in Schwaikheim keine sporttreibenden und von denen wiederum seien nur einige auf eine Halle angewiesen. „Außerdem: Wenn man die Fragen entsprechend stellt, bekommt man natürlich auch entsprechende Antworten“, so Motz.

Motz: Seit mindestens 20 Jahren im Gespräch

Eine weitere Sporthalle sei schon rund 20 Jahre Thema in Schwaikheim, so lange mindestens sei der Verein dazu im Gespräch mit der Gemeinde. Die Sportfreunde haben 14 Handballjugend-, acht Aktivenmannschaften sowie drei Freizeitgruppen. Weil die Belegungsstunden in Schwaikheim nicht mehr ausreichen, hat der Verein Hallenkapazität in Winnenden angemietet. Der Bedarf habe sich nicht verringert, im Gegenteil, so Motz, der auf die sich seit drei Jahren verschärfenden Folgen der Ganztagesschule verweist: „Wir brauchen mehr Zeiten am Abend.“

Ständig müssten Kompromisse gemacht werden, sprich die Fritz-Ulrich- und die Gemeindehalle aufgeteilt werden. „Wir trainieren immer mindestens mit zwei Mannschaften gleichzeitig.“ In der Württembergliga, in der sowohl die erste Herren- als auch die erste Damenmannschaft spielen, sei das, soweit er die Konkurrenz kenne, einmalig. „Nicht einmal die haben also die komplette Halle mit dem ganzen Spielfeld so für sich.“ Für eine Liga dieser Spielstärke sei das eigentlich untragbar. „Hut ab vor den Trainern und Betreuern, dass sie das mitmachen.“

Bedarf „zu 100 Prozent gegeben“

Krämer verweist darauf, dass die Gemeindehalle auch eine Fest- und Veranstaltungshalle ist, oft an den Wochenenden für anderes gebraucht wird und der Aufbau meist schon am Freitag oder noch früher beginne, ab da die Halle also schon nicht mehr für Sport zur Verfügung stehe. Der Bedarf für eine weitere Sporthalle sei auch aus Sicht des TSV „zu 100 Prozent gegeben, darüber kann es doch gar keine Diskussion geben“. Der Verein hat acht Abteilungen, sieben davon betrieben Hallensport.

Die A- und die B-Fußballjugend trainierten wegen der knappen zur Verfügung stehenden Zeiten im Winter nicht mehr in der Halle, von den drei Aktivenmannschaften ganz zu schweigen. Gäbe es den ganzjährig bespielbaren Kunstrasenplatz nicht, sähe es ganz düster aus. Man habe schon als Kompromiss die Trainingsstunden von 60 auf 45 Minuten verkürzt, Zeitraster gebildet, um die Auslastung noch mehr zu optimieren. „Aber irgendwann ist auch da das Ende der Fahnenstange erreicht.“ Die Sportfreunde wiederum haben ihre Freizeitmannschaften in die Wiesentalhalle ausgelagert.

Trainingszeiten der Erwachsenen immer später abends

Motz und Krämer verweisen auch darauf, dass Trainingszeiten bei den Erwachsenen immer weiter in den späten Abend verschoben worden sind. Die Letzten kämen mittlerweile erst um 20.30 oder gar 21 Uhr in die Halle. „Und dort geht um 22.30 Uhr das Licht aus“, so Krämer. Für Berufstätige, die am nächsten Morgen früh rausmüssen, sei die Situation eigentlich unzumutbar, so Motz: „Wenn die vom Training so spät heimkommen, können die ja nicht sofort einschlafen.“ Krämer verweist auch darauf, dass der Bedarf für den Reha- und Gesundheitssport immer größer werde. Der TSV führe da mittlerweile Wartelisten.

Zusammen fast 3000 Mitglieder

Die Sportfreunde haben rund 800 Mitglieder, der TSV knapp 2000.

Krämer und Motz bezweifeln den Sinn eines Bürgersaals mit der Frage, welcher Art denn die Veranstaltungen wären, die dort stattfinden sollen. Die ihnen bekannten Feste oder Feiern mit entsprechender Besucherzahl fänden ohnehin in der Gemeindehalle statt, der man mit Deko, Gestaltung, Aufteilung durchaus Charme verleihen könne. Motz verweist auf die Halloween-Party der Sportfreunde, Krämer auf die Oldie-Party des TSV.

Ausschlaggebend ist für Motz, dass eine weitere Sporthalle garantiert komplett ausgelastet sein werde, an fünf, sechs Wochentagen, das ganze Jahr über. „Wie oft würde in einem Bürgersaal etwas stattfinden? Zwölfmal, 20-mal im Jahr?“

Motz und Krämer betonen außerdem, dass es „nur“ um eine weitere Übungs- und Trainingsstätte gehe, keine also für den Spielbetrieb, bei der es auch eine Tribüne bräuchte.

Die Situation sei seit vielen Jahren unbefriedigend, so Motz (seit 2012 im Vorstandsduo), seit den 90er Jahren lebe man mit dem Mangel, verwalte ihn. „Die Halle ist jetzt einfach mal dran oder es kommt dazu, dass wir Mannschaften nicht mehr melden können. Die wäre wirklich eine dauerhafte Entlastung.“ Motz betont auch, dass die Vereine die Halle bislang nie massiv gefordert, sondern stets mitgetragen hätten, dass sie eben wegen anderer Vorhaben vertröstet worden seien.

Krämer verweist darauf, dass das Grundstück für die Halle im Freizeitzentrum seit etlichen Jahren im Besitz der Gemeinde ist. „Vielleicht erleb ich’s ja noch“, so der TSV-Vorsitzende (seit 2006) mit Galgenhumor.

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