Sporthallen in Leutenbach Mann filmt mehrfach heimlich Mädchen in der Umkleide

Symbolbild. Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Leutenbach. Ein 29-jähriger Deutscher sitzt in U-Haft, weil er in zwei Leutenbacher Sporthallen mehrfach Mädchen beim Umziehen heimlich gefilmt haben soll. Laut Polizei hielt sich der Mann zudem unter einem Vorwand mehrmals nackt in Umkleideräumen auf. Das Amtsgericht Waiblingen hatte den gehörlosen Mann erst Ende 2018 wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Am Donnerstagabend informierte die Kriminalpolizei die Eltern der Mädchen persönlich über die Vorfälle. Mehr als 20 Mädchen im Alter zwischen 10 und 14 Jahren sind von den Vorfällen betroffen – möglicherweise, ohne es zu wissen. Die heimlichen Aufnahmen sind nicht beim Schulsport entstanden, sondern vor oder nach Sportangeboten eines örtlichen Vereins. Die Aufnahmen wurden laut Polizei in zwei Sporthallen in Leutenbach angefertigt. Laut Polizei-Pressesprecher Ronald Krötz haben die Ermittler bisher keine Erkenntnisse, dass der Mann die Aufnahmen von den Kindern an andere Personen verschickt hätte. Die Bilder zeigen die Mädchen in Unterwäsche, aber nicht nackt, teilt die Polizei mit.

Die Ermittlungen laufen bereits seit Monaten. Kinder- und jugendpornografisches Material, das in der Wohnung des Mannes gefunden wurde, ist bereits ausgewertet. Diese Bilder stehen laut Krötz „nach bisherigen Erkenntnissen in keinem lokalen Bezug“. Es gebe keine Hinweise, dass der Mann diese Bilder selbst angefertigt haben könnte.

Festnahme im August

Nach der Durchsuchung tauchte der Mann, laut Krötz ein alleinstehender Arbeiter aus dem Raum Winnenden, zunächst unter. Im August wurde er festgenommen; seitdem sitzt der Mann in U-Haft.

„Dringend verdächtig“ sei der 29-Jährige, „wiederholt“ eine Kamera in Umkleideräumen der Sporthallen versteckt zu haben. Ferner wird ihm vorgeworfen, er habe sich mehrmals in den Umkleideräumen nackt aufgehalten und so getan, als habe er sich im Raum geirrt – alles mit dem Ziel, sich den Mädchen nackt zu zeigen. „Es wird davon ausgegangen, dass den Mädchen die Motivation des Mannes hierbei nicht bewusst war“, so die Polizei. Soweit bisher bekannt, ist es nie zu Körperkontakt gekommen und der Mann hat auch nicht versucht, Kontakt zu den Mädchen aufzunehmen.

Auf weitere Vorfälle wurden die Ermittler aufmerksam, als sie nach der Wohnungsdurchsuchung Aufzeichnungen auswerteten. Offenbar gibt es Aufnahmen, die den Mann im Auto zeigen, wie er an seinem Geschlechtsteil manipuliert. Währenddessen kam eine Vielzahl von Kindern und Jugendlichen an dem Auto vorbei.

Wohnung durchsucht

Der Verdächtige hat laut Ronald Krötz keinerlei Verbindungen zu den Mädchen oder zum Sportverein – doch er ist offenbar vor Monaten bereits aufgefallen. Im Februar und April 2019 gingen bei der Polizei Hinweise ein, ein Unbekannter habe in Winnenden in der Öffentlichkeit Mädchen fotografiert. Im Mai führten dann die Ermittlungen zu dem 29-Jährigen. Bei einer Durchsuchung stellte die Polizei ein Smartphone, einen Laptop und Speichermedien sicher. Ein Strafverfahren wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und „Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen“ ist eingeleitet worden.

Laut Staatsanwaltschaft Stuttgart ist der Mann im Dezember 2018 vom Amtsgericht Waiblingen wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden, die auf Bewährung ausgesetzt wurde. Die Bewährungszeit läuft aktuell noch. Weswegen der Mann vergangenes Jahr genau verurteilt worden ist, dazu war am Donnerstag bei der Staatsanwaltschaft keine Auskunft zu bekommen.

Der Leutenbacher Bürgermeister Jürgen Kiesl war beim Informationsabend für die Eltern am Donnerstag dabei, ebenso Vertreter des betroffenen Vereins, des Jugendamts und der Anlaufstelle gegen sexualisierte Gewalt.

„Ich bin froh, dass der Täter gefasst ist“, sagt Jürgen Kiesl: „Ich war natürlich schockiert“ – und erschrocken, dass der Mann, obwohl frisch verurteilt, sein Unwesen treiben konnte. Der Bürgermeister hofft sehr, dass nun keine bleibende Unsicherheit unter Kindern entsteht.

Hallen nicht abschließen

Jetzt die öffentlichen Sporthallen abzuschließen, sobald drinnen Kinder und Jugendliche Sport treiben, hält Jürgen Kiesl nicht für den richtigen Weg. Es kommt mal jemand zu spät, und wer sollte dann entscheiden, wer noch in die Halle darf und wer nicht? Solch ein Vorgehen würde ferner den Eindruck erwecken, als sei dauernd mit Gefahr zu rechnen, fürchtet der Bürgermeister – „Stand jetzt“, wie er am Donnerstagmittag sagte: Er wolle am Abend den Eltern zuhören und ihre Sicht der Dinge erfahren.

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