Städtischer Ordnungsdienst Waiblingen Ärger mit Autos in der Fußgängerzone

Lieferverkehr am Postplatz und in der Langen Straße zur erlaubten Uhrzeit vor zehn Uhr. Aber auch außerhalb der Lieferzeit wird in der Fußgängerzone gefahren. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Waiblingen. Vor ihrer Einführung war die Fußgängerzone in der Waiblinger Altstadt durchaus umstritten – heute möchte sie keiner vermissen. Für Ärger sorgen aber regelmäßig Autos, denen Fußgänger beim Bummeln ausweichen müssen. Die Fußgängerzone gehört daher zu den Einsatzschwerpunkten des städtischen Ordnungsdienstes.

Es ist Mittagszeit, da steht ein Grüppchen von fünf Menschen an der Ecke zwischen Rathaus, Bachofer und Osiander und versucht, sich in einen Plausch zu vertiefen. Doch alle paar Minuten nähert sich ein Auto und fährt, wenn auch im Schritttempo, unangenehm nah am Rücken der Gesprächsteilnehmer vorbei. Solche Szenen gehören zum Alltag in der Innenstadt. Nicht selten blicken die Fahrer am Steuer suchend um sich: Anwohner können das dann wohl nicht sein.

Das Dauerthema des unberechtigten Verkehrs hält den städtischen Vollzugsdienst beziehungsweise Ordnungsdienst auf Trab, seit es die Fugängerzone überhaupt gibt. Vergangenes Jahr wurden bei 48 gezielten Kontrollen 306 Fahrzeuge beanstandet, die dort verbotenerweise fuhren oder parkten. Zur Jahresmitte 2019 waren es 156 Fahrzeuge bei 35 Schwerpunktkontrollen.

Der subjektive Eindruck täuscht

Die Statistik verwundert angesichts eines gefühlt viel höheren Verkehrsaufkommens. Doch der subjektive Eindruck täuscht, denn in vielen Fällen gilt einfach: Die dürfen das. Anwohner, Essen auf Rädern oder Klempner und Elektriker, die vor Ort zu tun haben, dürfen fahren. So konnte bei der Überwachung die Mehrzahl der kontrollierten Fahrzeugführer eine Berechtigung nachweisen.

Der Stadtverwaltung ist aber sehr wohl bekannt, dass sozusagen im Windschatten der Einfahrtsberechtigten sich auch Autofahrer bewegen, die mit ihren Karossen dort nichts verloren haben. Immer wieder erleben Timo Lösch, Bernd Luithardt und ihre Kollegen vom Kommunalen Ordnungsdienst, dass die Fahrer nach dem Motto „Der macht das doch auch“ auf andere zeigen und kein Unrechtsbewusstsein an den Tag legen.

„Wir dürfen die Kontrollen nie schleifen lassen“

Ähnlich wie bei den Kontrollen freilaufender Hunde in der Talaue oder Müll und Gebrüll am Postplatz gilt auch hinsichtlich der Fußgängerzone: Je öfter der Ordnungsdienst kontrolliert, desto besser wird mit der Zeit die Regeltreue der Autofahrer. „Man darf das nicht schleifen lassen“, weiß Werner Nußbaum, Chef des zuständigen Fachbereichs Bürgerdienste, aus langjähriger Erfahrung. Statt um die Bußgelder, die sich mit 20 Euro fürs Fahren und 30 Euro fürs Parken in der Fußgängerzone auf überschaubarem Niveau halten, geht es darum, die Regeln zu erklären und auf ihre Einhaltung zu pochen, sagt KOD-Leiter Timo Lösch: „Die Ansprache steht immer an erster Stelle.“

Das entspricht der grundsätzlichen Philosophie des Rathauses in Bezug auf die Fußgängerzone: „Wir wollen ein gutes Miteinander“, sagt Erste Bürgermeisterin Christiane Dürr. Obwohl „Gespräche immer der schwierigere Weg“ seien. Die lapidare Alternative wären Poller oder Schranken an den Zufahrtsstraßen in die Altstadt. Ein Problem wären sie schon wegen der Anwohner – mehr als 50 Stellplätze haben schon aus Zeiten vor der Fußgängerzone baurechtlich Bestandsschutz.

Relativ wenig Ärger gibt es in der Innenstadt wegen Lärm durch Veranstaltungen oder dem um 5.30 Uhr beginnenden Auf- und Abbau des Wochenmarkts, beteuern Werner Nußbaum und Christiane Dürr. „Wir haben sehr verständnisvolle Anwohner, die eine lebendige Innenstadt zu schätzen wissen.“


Die Regeln in der Fußgängerzone

  1. Das Einfahren von Fahrzeugen ist zum Be- und Entladen nur zwischen 6 und 10 Uhr sowie zwischen 18 und 20 Uhr gestattet
  2. Ansonsten dürfen lediglich Anwohner mit Sondergenehmigung einfahren
  3. Jedoch dürfen auch Handwerker, Soziale Dienste und Taxiunternehmen unter bestimmten Voraussetzungen ebenfalls zufahren
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