Stau durch Radwege-Baustellen Das unternimmt Schorndorf gegen das Verkehrschaos

So sieht es in den späteren Nachmittags- und in den Abendstunden auf der Benz-Straße bis zurück über die Arnold-Brücke aus, wenn in der Stadt zwei von vier Ausfallstraßen gesperrt sind. Foto: Schneider/ZVW

Schorndorf. Das durch die beiden Radwege-Baustellen in der Stuttgarter Straße und in der Gottlob-Bauknecht-Straße ausgelöste Stauchaos hat für viel Wirbel gesorgt: erst bei den Autofahrern, dann innerhalb der Verwaltung und schließlich auch noch im Technischen Ausschuss. Die Konsequenz: Eine der beiden stadteinwärts orientierten Einbahnregelungen wird von Donnerstag an gedreht. Die Bauknecht-Straße ist dann stadtauswärts durchgängig bis zur Welzheimer Straße befahrbar.

Hauptsache, die Menschen kommen rein in die Stadt, raus finden sie dann schon irgendwie: Diese dem Citymarketingverein Schorndorf Centro zugeschriebene Erwartungshaltung ist spätestens seit Anfang der Woche widerlegt. Denn nachdem allein schon die stadtauswärts gesperrte Gottlob-Bauknecht-Straße vor allem in den Abendstunden für reichlich (Rück-)Stau auf der Benzstraße und der Arnold-Brücke geführt hatte, ist nach der zusätzlichen Sperrung der Stuttgarter Straße als weiterer Ausfallstraße vollends das Chaos ausgebrochen: die Benzstraße vollends dicht, Stau auch auf der Westumfahrung, Schleichverkehr, der die Vorstadtstraße verstopft, Autofahrer, die – von der Bauknecht-Straße her umgeleitet – ebenfalls noch in den stark überlasteten Kreisel beim ZIB (Ecke Schlachthaus-, Benz-Straße) drängen – und dazu noch hie und da ein Unfall.

Die empörten und teilweise auch gleich wieder sehr unverschämten und hemmungslosen Reaktionen vor allem im Netz ließen nicht lange auf sich warten.

Thorsten Englert: „Wir können uns nur entschuldigen“

„Wir haben auch intern hart diskutiert, weil uns das stark belastet“, sagte Oberbürgermeister Matthias Klopfer im Rahmen eines Pressegesprächs, in dem die Änderung der Einbahnstraßenregelung für die Gottlob-Bauknecht-Straße angekündigt wurde und in der Bürgermeister Thorsten Englert, zu dessen Dezernat der für die Baumaßnahmen zuständige Fachbereich Infrastruktur gehört, auf Nachfrage einräumte, dass die Stauproblematik, die sich aus der gleichzeitigen Sperrung von zwei Ausfallstraßen ergeben könnte, unterschätzt worden sei.

„Wir können uns nur entschuldigen“, sagte Englert und machte gleichzeitig deutlich, dass es aus seiner Sicht keine andere Möglichkeit gegeben habe, als die beiden Radwege-Baumaßnahmen gleichzeitig in Angriff zu nehmen. Zum einen, weil der Baubeschluss für die Stuttgarter Straße im Gemeinderat erst Ende September 2018 gefallen sei, zum andern, weil die Gottlob-Bauknecht-Straße bis weit in den Herbst hinein durch den Baustellenverkehr des Gartenschauprojekts „Baurenwasen“ blockiert gewesen sei. „Wir haben bis zur Gartenschau noch eine Vielzahl von Maßnahmen zu koordinieren und fertigzustellen, und es war immer klar, dass irgendwann auch der Verkehr zum Thema wird“, sagte Englert mit Blick auf die derzeitige „Ausnahmesituation“ („Normalerweise bauen wir im Januar ja keine Straßen“), die aber natürlich auch wieder Anlass sein müsse, darüber nachzudenken und daraus zu lernen, „wie wir in Sachen Planung und Ausführung besser werden können“.

Die Stuttgarter Straße ist nicht die Feuerseestraße

Die verkehrsrechtlichen Anordnungen, die das Stauchaos verursacht haben, fallen in den Zuständigkeitsbereich des Ersten Bürgermeisters Edgar Hemmerich, dem’s nicht ganz so leicht fiel wie seinem Kollegen Englert, von einer Fehleinschätzung der zu erwartenden Lage zu sprechen. Er sei zunächst einmal tatsächlich davon ausgegangen, dass sich die Autofahrer stadtauswärts ihre ganz unterschiedlichen Wege suchen und sie auch finden würden und dass sich die Situation dann ähnlich wie seinerzeit bei der Feuerseestraße entspannen und einpendeln werde.

Nur: „Die Stuttgarter Straße ist nicht die Feuerseestraße“, musste auch Hemmerich einsehen, der gleichwohl darauf verweisen konnte, dass die bis jetzt geltende Regelung Ende Oktober letzten Jahres auch im Verkehrsausschuss besprochen worden und in enger Abstimmung mit der Polizei erfolgt ist. Die im Übrigen auch jetzt noch, so Hemmerich, dazu geraten habe, alles so zu belassen, wie es bis Mittwochabend war.

"Mit allen Beteiligten abgestimmt" - auch wenn sich manche nicht erinnern

Die gleichzeitige Sperrung der beiden Ausfallstraßen sei also „mit allen Beteiligten abgestimmt“ gewesen, sagte Hemmerich später auch im Technischen Ausschuss, in dem sich verschiedene Stadträte, allen voran CDU-Fraktionschef Hermann Beutel und SPD-Stadtrat Marcel Kühnert, vom Vorgehen der Stadt distanzierten – und zwar sowohl was die beiden parallel in Angriff genommenen Baustellen als auch was die Verkehrsregelung angeht. Gar von „Überrumpelung“ sprach in seiner apodiktischen Art („Nur dass das mal klar ist!“) Kühnert, der sich daraufhin aber von Thorsten Englert dezent darauf hinweisen lassen musste, dass er sogar dabei war, als die Verkehrsregelung im Verkehrsbeirat besprochen worden ist. Außerdem, so ein weiterer Hinweis von FDP/FW-Fraktionschef Gerhard Nickel, seien beide Maßnahmen im Gemeinderat beschlossen worden – verbunden mit der Ansage, sie erst im neuen Jahr zu realisieren.

Zurück zu Edgar Hemmerich: Der will am Donnerstagmorgen, wenn die Einbahnregelung in der Bauknecht-Straße gedreht wird, zwei Besatzungen Vollzugsbediensteter auf die Straße bringen – nicht damit die in den fließenden Verkehr eingreifen, was sie auch gar nicht dürfen, sondern um einfach präsent zu sein und den Autofahrern, die dann zentral nur noch über die Benz-Straße stadteinwärts fahren können, die neue Situation zu erklären. Auch das eine Lehre für die Zukunft. „Wir müssen in solchen Fällen als Stadt stärker präsent sein.“

Klopfer: „Man ist nicht nur im Stau, man ist auch der Stau“

„Die Situation wird sich von Donnerstag an hoffentlich verbessern, aber es wird auch in den nächsten Wochen nicht ohne Stau abgehen“, meinte der Oberbürgermeister, der – ohne die eigenen Versäumnisse und Fehlplanungen kleinreden zu wollen – im Technischen Ausschuss auch keinen Hehl aus seiner Enttäuschung machte, dass eine Stadtgesellschaft einschließlich des Gemeinderats eine Diskussion wie die über die unliebsamen Folgen zwei solcher Baumaßnahmen nicht besser hinkriegt. „Man ist nicht nur im Stau, sondern man ist auch der Stau“, gab Klopfer in diesem Zusammenhang zu bedenken und bekam – wieder einmal – Schützenhilfe ausgerechnet von Grünen-Stadtrat Andreas Schneider, der seine Anmerkungen mit einem bemerkenswerten Satz einleitete, der da lautete: „I schaff’ ja en dr Schual, ond da gibt’s viele Verhaltensauffällige.“ Und diesen Kindern und Jugendlichen sei eigen, dass bei Problemen immer die anderen schuld seien, sagte Schneider an die Adresse des Gemeinderats, der alles beschließe und alles „ruckizucki“ umgesetzt haben wolle und sich dann wegducke, wenn was schiefgehe.

„Ich kenne kein System, das bei Mehrbelastung besser wird“, sagte der Grünen-Stadtrat mit Blick auf das derzeitige Verkehrschaos und stellte abschließend fest: „Wir können keine perfekte Gesellschaft schaffen, aber wir sollten auch mal dran denken und sagen, was in dieser Gesellschaft jeden Tag super läuft.“


Kommunikation

  • Wie schon bei den Verwerfungen um die Zukunft der Rainbrunnen-Grundschule erkennt Oberbürgermeister Matthias Klopfer auch beim jetzigen Verkehrschaos ein offenkundiges Defizit in Sachen Kommunikation.
  • In diesem Fall geht es dabei vor allem um die frühzeitige Kommunikation im Vorfeld, für die auch aus Sicht von Fachbereichsleiter Herbert Schuck in Zukunft noch stärker alle verfügbaren Kanäle genutzt werden müssen – vor allem auch die, über die jetzt die ganze Kritik kommt.
  • Ein Mittel könnten aber auch großflächige Plakate sein, die – ähnlich wie bei Autobahn-Baumaßnahmen – die Autofahrer darauf einstimmen, dass da in absehbarer Zeit etwas Folgenschweres passiert. Und auch die Beschilderung der Umleitungsstrecken könnte verbessert werden.
  • Folgende Nachricht hat der VVS den Abonnenten seines Benachrichtigungsservices zukommen lassen: Aufgrund der katastrophalen Verkehrslage in Schorndorf (Straßensperrungen wegen Radwegebau) kommt es auf der Linie 263 ganztags zu Verspätungen bis zu 30 Minuten und Teilausfällen auf einzelnen Linienabschnitten. Anschlüsse an den Zugverkehr und andere Buslinien können nicht garantiert werden; bitte planen Sie entsprechend einen zeitlichen Mehrbedarf ein. Umlaufbedingt kann es auch zu Verspätungen auf den Linien 228 und 266 kommen.
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