Staufer-Gymnasium Waiblingen Schüler drehen Film über Ersten Weltkrieg

Nach der Präsentation des Videos erklärten die Projektteilnehmer ihren Mitschülern die dazugehörige Ausstellung über den Ersten Weltkrieg. Foto: Palmizi/ZVW

Waiblingen. Mit ihrem Kurzfilm „Denk mal! Im Gedenken Freunde werden“ haben zehn Schüler des Staufer-Gymnasiums im wahrsten Sinne des Wortes ein Denkmal gesetzt – für die deutsch-französische Freundschaft und den Ersten Weltkrieg. Gemeinsam mit Schülern aus dem ostfranzösischen Besançon drehten sie ein Video. Am Freitag stellte die Projektgruppe es ihren Mitschülern vor.

Geschichtsunterricht in sechs Minuten und 30 Sekunden: Das Video der Staufer-Gymnasiasten erklärt, wie es zum Ersten Weltkrieg kam, welche Länder beteiligt waren und wie unterschiedlich der Krieg noch heute durch Denkmäler aufgearbeitet ist. Im Waiblinger Raum nahmen die deutschen und französischen Schüler Gedenkstätten in Waiblingen, Fellbach, Kernen und Weinstadt sowie Besançon unter die Lupe.

„Dass die Franzosen auf Deutsch und die Deutschen auf Französisch sprechen, finde ich gut“, sagte ein Schüler nach der Präsentation des Videos. „Diese bilinguale Zusammenarbeit war uns sehr wichtig“, betonte Katrin Engel. Sie ist Französischlehrerin und betreute das Projekt gemeinsam mit Irene Brechtelsbauer.

Die Projektteilnehmer stellten den Klassen 9 und 10 zunächst eine Folge der Arte-Sendung „Karambolage“ vor. Diese erläutert deutsche und französische Eigenarten. Passend zum Thema ging es um Denkmäler. „Die sind in den Ländern ganz anders präsentiert“, stellte Sina aus der Klasse 9 fest. In Frankreich stehen Denkmäler oft im geografischen Herzstück einer Stadt, also auf Marktplätzen. Nach dem Ersten Weltkrieg förderte der Staat die Anschaffung von Kriegsdenkmälern. Die Gemeinden stellten diese aus Katalogen zusammen. Oft zeigen sie trauernde Frauen, aber auch stolze Krieger posieren auf Steinsäulen.

„In Besançon stand das Denkmal in der Stadtmitte, mit einem riesigen Platz drumherum“, berichtete Projektteilnehmer Luke. „Wenn Denkmäler kriegsverherrlichend sind, sollte man sie lieber weglassen“, findet er.

Das Video zeigt Kriegsdenkmäler in der Umgebung im Detail

In Deutschland sind diese Gedenkstätten oft nicht so präsent, sind sie doch oft privat finanziert und religiösen Ursprungs. Früher befanden sie sich nahe Kirchen oder an Hauptstraßen. Heute sind sie oftmals schwieriger zu finden: In Kirchen oder auf Friedhöfen erinnern Steine und Skulpturen an den brutalen Krieg. Der Film zeigt Bewegtbilder dieser Denkmäler oft in Detailaufnahmen. Auffällig sind die langen Opferlisten.

Mancher Familienname erscheint gleich siebenmal hintereinander auf der Liste, ganze Familien hat der Krieg ausgelöscht. Schon oft haben die Schüler hier auch ihre Familiennamen gelesen. „Es ist interessant, sich über eine lange Zeit mit dem Thema zu beschäftigen“, berichtete Ben, der Teil der Projektgruppe ist. „Ich fühle mich dem Thema nun näher, weil ich weiß, dass meine Vorfahren dabei waren.“ Für Amelie, die sich nun auch seit einem Jahr mit dem Thema befasste, ist die „Zusammenarbeit mit den Franzosen“ am wichtigsten.

Seit November 2017 beschäftigten sich die Schüler mit Werken über den Ersten Weltkrieg. Gemeinsam schauten sie Filme wie „Au revoir là-haut“ und „Joyeux Noël“. Sie recherchierten unter anderem im Graphic Novel-Band „Tagebücher/ Carnets 14-18“, der die Kriegsgeschichte durch Tagebucheinträge und Briefe rekonstruiert und im Comicstil bebildert.

„Ich fühle mich dem Thema nun näher“

Im Januar 2018 verbrachten die Schüler des Lycée Victor Hugo eine Woche in Waiblingen. Der Gegenbesuch folgte zwei Monate später. Zehn Waiblinger Schüler besuchten Besançon. Nach dem Dreh an beiden Orten folgte der Schnitt. Nun ist das Video fertig.


Projekt-Wettbewerb

Das Deutsch-Französische Jugendwerk (DFJW) hat von 2014 bis 2018 insgesamt 100 Projekte unterstützt, die darauf abzielen, dass sich junge Leute mit dem Ersten Weltkrieg auseinandersetzen.

Lehrer Christian Jehle aus Besançon hat die Teilnahme am Wettbewerb des DFJW eingereicht. Ein Ergebnis ist zu Beginn des Jahres 2019 zu erwarten.

Das Filmprojekt des Staufer-Gymnasiums hatte das Thema „100 Jahre nach dem Ersten Weltkrieg – 100 Projekte für den Frieden in Europa“.

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