Stihl in Waiblingen Akku treibt Absatz und Umsatz an

„Unser Ziel ist, peu à peu auch Profigeräte mit Akkugeräten auszurüsten“, sagte die neue Entwicklungsvorständin Anke Kleinschmit beim Medientag in Waiblingen. Sie gehört seit Juli dem Stihlvorstand unter Vorsitz von Dr. Bertram Kandziora (Zweiter von rechts), Personalchef Dr. Michael Prochaska (rechts) und Vorstand Marketing und Vertrieb, Norbert Pick, an. Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Waiblingen. Vor zwei Monaten ist die Serienproduktion der Akkupacks für Stihl-Profigeräte in Waiblingen-Hohenacker angelaufen. Erstmals hat die Stihl-Gruppe beim Medientag mit mehr als 100 Journalisten aus 15 Ländern Einblicke in die Akkufertigung in Waiblingen-Hohenacker gewährt. Ein Blick auf die Geschäftszahlen von Januar bis August 2019 zeigt: Akkuprodukte treiben mehr denn je Absatz und Umsatz der Stihl-Gruppe an.

Am Ende einer Sackgasse in einem Industriegebiet in Hohenacker beginnt die Zukunft des Motorsägen- und- geräteherstellers Stihl. Im Zwei-Schicht-Betrieb stellt Stefan Seiler, Leiter der Akkufertigung, mit seinen Leuten in einem neuen Werk Akkupacks für Profigeräte her. Der Absatz der Akkugeräte ist in den ersten acht Monaten um 20 Prozent gestiegen, der Umsatz legte gar um 30 Prozent zu, sagte der Vorstandsvorsitzende Dr. Bertram Kandziora im Bürgerzentrum Waiblingen vor mehr als 100 Medienvertretern.

Schon heute stecke in 1,3 von 8,3 Millionen verkauften Geräten ein Akku. „Die Entwicklung geht in Richtung 50 Prozent!“ Der Abschied vom Benzinmotor werde jedoch noch lange auf sich warten lassen, betonte Kandziora und sagte mit einem Schmunzeln. „Vielleicht in 50 Jahren ...“ Es werde auch künftig noch Märkte wie Russland, Lateinamerika oder Australien geben, die am Benzinmotor hängen werden.

Die Akkuproduktion ist vor zwei Monaten angelaufen

Doch dass die Zukunft dem Akku gehört, daran ließ die neue Stihl-Entwicklungsvorständin Anke Kleinschmit keine Zweifel. „Unser Ziel ist, peu à peu auch Profigeräte mit Akkus auszurüsten.“ Im neuen Zweigwerk in Hohenacker montiert Stihl nun seit zwei Monaten just solche Huckepack-Akkupacks, die vorwiegend für Blasgeräte und Freischneider im geräuschempfindlichen kommunalen Einsatz gedacht sind. Aber auch auf Rasenmäher sollen diese Akkus passen.

Die Sicherheitsvorschriften für Besucher sind streng. Ausgerüstet mit speziellen Jacken und Schutzstreifen an den Schuhen, die elektrostatische Entladungen verhindern, geht es durch eine Sicherheitsschleuse in die Produktion. In einem Wechsel von manuellen und vollautomatischen Arbeitsprozessen setzen Roboter 60 beziehungsweise 90 ganz gewöhnliche aussehende Batterien zusammen. Zug um Zug werden die Batterien mit Zellbinderblechen verschweißt, vergossen und schließlich zu sieben bis zehn Kilogramm schwere rückentragbare Akkus montiert.

Spitzentechnologie – auch bei Akkuprodukten

Wie viele der sieben bis zehn Kilogramm schweren Akkupacks AR 2000L beziehungsweise AR 3000L täglich produziert werden, fällt unter das Geschäftsgeheimnis, sagte Stefan Seiler den Fachjournalisten, die es allzu genau wissen wollten. Dass Stihl überhaupt in eine eigene Akkufertigung eingestiegen und sich nicht wie bei den günstigeren Consumerprodukten auf Zulieferungen aus China verlässt, hat technische Gründe. Stihl untermauere mit der Eigenproduktion seinen Anspruch auf Spitzentechnologie - auch bei Akkuprodukten, lautete die Begründung.

Stihl verkauft seine Motorsägen und -geräte künftig auch online

Der Wandel von Benzin zu Strom hat weitreichende Konsequenzen. Immer stärker steigt der Weltmarktführer für Motorsägen von den Profigeräten, bei denen vor allem technische Spitzenleistung zählt, in den preisempfindlichen Markt für einfache Motorgeräte ein. Hier ist der Preis eine entscheidende Größe. Die Branche für motorbetriebene Garten- und Forstgeräte befinde sich im Umbruch, sagte Vorstandschef Kandziora über die digitale Transformation, die zunehmende Bedeutung von Akku-produkten und neue Kundenanforderungen beim Onlinehandel. Folgerichtig verkauft Stihl künftig seine Produkte auch über einen eigenen Onlinekanal, will aber seine Fachhändler, auf deren Service das Unternehmen traditionell setzt, nicht vor den Kopf stoßen. „Wir lassen den Handel am Geschäft teilhaben“, sagte Norbert Pick, Vorstand für Marketing und Vertrieb. So haben die Kunden auch die Wahl, ein online bestelltes Gerät bei einem Händler abzuholen und sich beraten zu lassen.

„Wir lassen bei der Entwicklung von Benzingeräten keinen Millimeter nach und geben gleichzeitig Vollgas bei Akkuprodukten“, sagte Kandziora. Er verwies auf zahlreiche Neuentwicklungen in den beiden Segmenten, die traditionell bei der Herbstpressekonferenz für Fachjournalisten im Mittelpunkt stehen. Mit Blick auf die Geschäftserwartungen in der Zukunft erklärte Vorstandschef Kandziora, dass er „insbesondere kurzfristig nur verhalten optimistisch“ sei. Ein Wachstumsmarkt mit langfristiger Perspektive ist für die Stihl-Gruppe Afrika – allerdings mit einem Umsatzanteil von unter zwei Prozent - noch auf einem sehr niedrigen Niveau. Größter Einzelmarkt von Stihl ist und bleibt Nordamerika, wo Stihl rund 30 Prozent seines Geschäfts macht.


Zahlen, Daten und Fakten

Die Stihl-Gruppe hat in den ersten acht Monaten des Jahres 2019 einen Umsatz von 2,8 Milliarden Euro erzielt. 6,1 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. „Das Plus ist vor allem zurückzuführen auf eine stärkere Nachfrage nach höherpreisigen Produkten“, sagte der Vorstandsvorsitzende Dr. Bertram Kandziora beim Medientag in Waiblingen. Dabei ist der Absatz von Akkuprodukten um 20 Prozent gestiegen, die Nachfrage nach Benzinprodukten sei hingegen leicht zurückgegangen.

Die Geschäfte haben unter der trockenen Witterung gelitten, aber auch die schwächelnde Weltkonjunktur, zunehmende Handelsschranken und der unklare Brexit schlagen sich negativ nieder. Dies zeigt sich auch bei den Einstellungen, sagte Personalvorstand Dr. Michael Prochaska. Während Stihl rund 350 offene Stellen in den Bereichen Elektro-/Nachrichtentechnik, Informatik, Soft- und Hardwareentwicklung, Elektro-/Akku- und Produktentwicklung sowie IT hat, werden in der Produktion keine neuen Mitarbeiter eingestellt und ging die Zahl der befristet Beschäftigten zurück.

Bei Stihl arbeiteten Ende August weltweit 16 823 (2018: 16 928) Mitarbeiter. Die Belegschaft im deutschen Stammhaus betrug 5032 Personen. Davon waren 3563 (3885) in Waiblingen und 381 (-) in Fellbach sowie 258 (265) in Ludwigsburg beschäftigt. In Ausbildung sind bei Stihl 210 (187) junge Leute.

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