Streifenpolizist erzählt Vier Jahrzehnte beim Polizeirevier in Schorndorf

Entspannt und energisch: Er konnte beides sein, der Streifenpolizist Rainer Manshaupt aus Haubersbronn, der vier Jahrzehnte lang Dienst beim Polizeirevier Schorndorf getan hat. Foto: Palmizi / ZVW

Schorndorf. Vielleicht hat ihn der eine oder andere ja schon vermisst im Stadtbild: Streifenpolizist Rainer Manshaupt aus Haubersbronn ist nach insgesamt 43 Jahren im Polizeidienst, davon genau 40 Jahre beim Polizeirevier in Schorndorf, zum Jahresende in den Ruhestand verabschiedet worden. Rückblickend sagt er, dass er in all den Jahren vor allem eines sein wollte: „Ein Polizist zum Anfassen.“

„Ich wollte eigentlich auf ein Amt und bin dann bei der Polizei gelandet, sagt der aus Nordbaden stammende Rainer Manshaupt, der dann aber nach der Mittleren Reife eine einjährige Wartezeit in Kauf genommen – und als Hilfsarbeiter überbrückt – hat, ehe er Anfang September 1975 bei der Bereitschaftspolizei in Bruchsal eingestellt wurde. Dort gehörte er dann unter anderem einer Einsatzbereitschaft an, die während des RAF-Terrors mit Personen- und Objektschutz betraut war. „Eine spannende Zeit, aber Gott sei Dank ist nichts passiert“, sagt der 61-jährige Polizeihauptkommissar.

Gut und schnell integriert

Im Jahr 1978 wurde er zur Polizeidirektion Waiblingen und hier wiederum zum Polizeirevier Schorndorf versetzt. Ungeachtet dessen, dass er wegen seines badischen Dialekts zunächst einmal von den Kollegen aufgezogen worden ist, hat er sich, wie er selber sagt, gut und schnell integriert. Er ist, zumal nachdem er gemeinsam mit seiner Frau Tina nach einem Zwischenschritt in Urbach in Haubersbronn eine neue Heimat gefunden hatte, nach und nach „Teil der Stadtgesellschaft“ geworden.

„Meine Ziele waren immer Bürgernähe und der direkte Draht“

Was genau dem Selbstverständnis von Rainer Manshaupt als Streifenpolizist, der er immer sein wollte und der er immer aus Überzeugung und Leidenschaft war, entsprach. „Mein Ziel war immer Bürgernähe“, sagt der 61-Jährige, dem der direkte und gute Kontakt zu den Bürgern genauso wichtig war, wie der direkte Draht zu Behörden, Rettungsdiensten und zum Krankenhaus. Und der damit ausgesprochen gut gefahren ist und dem es aber sicher auch geholfen hat, dass er als einer, der auch hier gelebt und sich außerhalb seiner Dienstzeit ehrenamtlich engagiert hat (siehe „Fußball und SchoWo“) viele Menschen persönlich gekannt hat. „Ich habe nie größere Probleme gehabt, egal ob ich es in einem Lokal mit Deutschen oder mit Türken oder mit beiden zu tun hatte“, sagt Rainer Manshaupt. Er bedauert, dass diese Bürgernähe und dieses Interesse an persönlichen Kontakten „ein Stück weit verloren gegangen, in dieser Form vielleicht auch gar nicht mehr erwünscht“ sind.

Vom ersten Tag an mit Herzblut Streifenpolizist

Diese größere Distanz habe aber, vermutet der Neu-Ruheständler, auch damit zu tun, dass der Polizei- und vor allem der Streifendienst für viele junge Kolleginnen und Kollegen halt „einfach ein Job“ sei – was auch damit zusammenhänge, dass sie in aller Regel nicht mehr am Ort oder in einer dem Polizeirevier zugeordneten Kommunen lebten, so dass es ihnen leichter falle, nach Beendigung des Schichtdienstes, den der 62-Jährige vier Jahrzehnte lang durchgängig gemacht hat, einfach alles hinter sich zu lassen. Bei Manshaupt selber war das anders: „Ich war vom ersten Tag an mit Herzblut Streifenpolizist und wollte immer an der Front sein, wo man nie weiß, was passiert.“ Der Streifendienst, sagt Manshaupt auch, sei „die Feuerwehr der Polizei“, habe aber bedauerlicherweise innerhalb der Polizei „eigentlich keine Lobby“.

Auf jungen Polizistinnen und Polizisten lastet Druck

Rainer Manshaupt hat in seinen 40 Jahren in Schorndorf sieben oder acht Revierleiter "erlebt und überlebt". Im Zusammenhang mit den verschiedenen Polizeireformen, die er miterlebt hat, bedauert es Rainer Manshaupt vor allem, dass sie „immer mehr den Oberen als den Unteren genützt“ haben und dass das jeweils mit den Reformen verbundene Versprechen, mehr Polizei auf die Straße zu bringen, nicht eingelöst worden ist. Im Gegenteil: Durch die Auflösung kleinerer Reviere sei bei entsprechenden Vorkommnissen „der Markt oft schon verloffen, bis endlich die Polizei da sei“. Zu diesen Defiziten, die gleichwohl nichts am zunehmenden Druck änderten, der auf vielen jungen Polizistinnen und Polizisten lastete, die ganz schnell raus in die Reviere müssten, um dort die durch das Wegbrechen der in den Ruhestand gehenden starken Jahrgänge entstandenen Löcher zu stopfen, passt aus Sicht von Manshaupt auch nicht, dass es mittlerweile für die einzelnen Reviere Zielvorgaben (Erfüllungswerte) gibt, wonach innerhalb einer gewissen Zeit eine vorgegebene Anzahl von bestimmten Delikten oder Verstößen erfasst sein müssen.

Pistole mit zwei Fingern simuliert

„Es gab früher auch Schwerpunkteinsätze, aber für mich war Polizei immer alles: Ich wollte auch einfach mal nachts durch ein Wohngebiet laufen,“ sagt Rainer Manshaupt und erinnert sich gerne an die eine oder andere spontane oder vor Ort improvisierte Observierungs- und Zugriffsaktion, wenn es etwa darum ging, gemeinsam mit einem Kollegen eine illegale Spielhölle auffliegen zu lassen oder eine Pkw-Aufbruchserie zu beenden, die von Besuchern der berühmt-berüchtigten Diskothek Nexus begangen wurden – neben anderen Straftaten, wie sich später herausstellte. Und wenn Manshaupt bei der nächtlichen Verfolgung von Flüchtigen mal seine Dienstwaffe verloren hat, dann hat er die Pistole halt mit zwei Fingern simuliert und anschließend seine Waffe wieder aufgesammelt. „Ich hab’ die Zeit wirklich genossen“, sagt Rainer Manshaupt, wobei dieses Fazit mit ganz wenigen Abstrichen für alle seine insgesamt 43 Dienstjahre gilt.


Fußball und SchoWo

Wann immer der TSV Haubersbronn seinen SchoWo-Stand aufgebaut hat, war sie nicht zu überhören, die immer noch badenserisch eingefärbte Stimme von Rainer Manshaupt, der sich nach seiner Umsiedlung ins Württembergische frühzeitig im TSV eine Vereinsheimat gefunden und dann maßgeblich dazu beigetragen hat, „die Fußballer wieder auf Vordermann zu bringen“.

Heute sei er im Verein und bei der SchoWo mehr im Hintergrund tätig, sagt Rainer Manshaupt, der auch 20 Jahre lang in der örtlichen Kommunalpolitik aktiv war.

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