Streik in Urbach Coca-Cola-Beschäftigte fordern mehr Lohn

Das Angebot der Arbeitgeber sei „unverschämt“, so der Redner Hartmut Zacher. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Urbach. „Wir Mitarbeiter fordern unseren Anteil am Erfolg“, mit diesem Aufruf legten am Montag die Beschäftigten der Coca-Cola-Standorte Urbach und Deizisau ihre Arbeit nieder und versammelten sich vormittags zu einer gemeinsamen Streikkundgebung vor dem Standort Urbach.

Aufgerufen zum Streik hatte zuvor die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), nachdem erneut eine Verhandlung über einen neuen Entgelttarifvertrag für die 7500 Beschäftigten der Coca-Cola European Partners Deutschland (CCEP) gescheitert war. „Wir fordern die Erhöhung der Gehälter um 180 Euro monatlich und der Vergütungen für die Auszubildenden um 100 Euro“, so Karin Brugger, Geschäftsführerin der NGG-Region Ulm-Aalen/Göppingen.

Die CCEP bietet im Gegenzug eine Erhöhung der Gehälter um 90 Euro pro Monat im Jahr 2019 und um 80 Euro pro Monat im Jahr 2020. Außerdem bietet sie eine vorzeitige Verlängerung der Tarifverträge Struktur, Arbeitszeit und Altersteilzeit über 2019 an, bestätigte eine Sprecherin der CCEP: „Das würde einen Anspruch auf Altersteilzeit ab 59 Jahren, einen Altersvorsorgebeitrag von 1000 Euro und eine weitere Erhöhung des Urlaubsgeldes bedeuten.“ Zusätzlich solle eine saisonale Kapazitätsausweitung durch längere Anlagelaufzeiten für ausgewählte Produktionsstandorte verhandelt werden.

Der Stuttgarter NGG-Geschäftsführer Hartmut Zacher bezeichnete dieses Angebot als „unverschämt“, da der Arbeitgeber dieses „Magerangebot“ nur unter der Bedingung abgegeben hat, dass die NGG einer weiteren Flexibilisierung der Arbeitszeiten zustimmt. Das führe zu einer „Verschlechterung der Arbeitsbedingungen“, so Zacher.

Gehälter sollen angepasst werden

Bei seiner Rede während der Streikkundgebung in Urbach verdeutlichte er ferner, dass er nicht verstehe, wieso die Arbeitgeber den Arbeitnehmern nicht mehr Geld eingestehen, immerhin seien diese „maßgeblich am Erfolg von Coca-Cola beteiligt“.

Brigitte Faust, Verhandlungsführerin der CCEP, betont allerdings laut Mitteilung, dass längere Maschinenlaufzeiten mit „Personalaufbau und angepassten Schichtmodellen“ erreicht werden sollen. „Die individuelle Jahresarbeitszeit des einzelnen Mitarbeiters soll nicht ausgeweitet werden.“

Die Arbeitnehmer hingegen beharren weiterhin auf ihrer Forderung über eine Erhöhung der Gehälter von 180 Euro. Ein Beschäftigter, der namentlich nicht genannt werden wollte, beklagte sich am Rande der Streikkundgebung: „Ich habe früher in der Metallbranche gearbeitet, da verdient man viel mehr. Die Arbeit bei Coca-Cola macht mir zwar Spaß, aber es kann nicht sein, dass die Schere immer weiter aufgeht. Außerdem wird das Leben auch immer teurer, da sollte man die Gehälter entsprechend anpassen.“

Prämien wurden abgeschafft

Alexander Wachtenmeier, Betriebsratsvorsitzender bei Coca-Cola in Urbach, unterstrich ebenfalls, dass er die Arbeit bei Coca-Cola sehr schätze, diese Bedingungen allerdings „nicht länger akzeptieren werde“. „Früher gab es zum Jubiläum der zehnjährigen, 25-jährigen und 40-jährigen Betriebszugehörigkeit wenigstens noch eine Prämie, aber sogar die wurde letztes Jahr abgeschafft. Mich erwartet höchstens ein Blumenstrauß“, erzählt er.

Dominik Gaugler, Abteilungsleiter des öffentlichen Dienstes des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), verkündete auf der Streikkundgebung die Solidarität des DGB gegenüber den Arbeitnehmern. „Eure Forderung bedeutet bei weitem nicht den Ruin für Coca-Cola. Die Summe, die ihr fordert, ist mehr als legitim“, ermutigte er die Streikenden.

Am 11. und 12. April findet die nächste Tarifverhandlungsrunde statt. „Wenn die Ergebnisse dann immer noch nicht zur Zufriedenheit der Arbeitnehmer ausfallen“, so Karin Brugger von der NGG, „rufen wir eine Urabstimmung unter unseren Mitgliedern aus.“ Sie ist allerdings zuversichtlich, dass letztendlich „der gesunde Menschenverstand auf Seiten der Arbeitgeber siegt und den Forderungen nachgekommen wird“.

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