Sturmtief Burglind Sturmschäden – was tun? Sechs Tipps

Sturmtief Burglind fegte am 3. Januar zwar nicht ganz so schlimm über den Rems-Murr-Kreis wie andernorts – die Murrhardter allerdings hatten mit dem nachfolgenden Regen und Hochwasser zu kämpfen. Foto: Kohls/SDMG

Waiblingen/Murrhardt. Burglind ist Vergangenheit – doch das nächste Sturmtief kommt bestimmt. Bei Burglind ist der Rems-Murr-Kreis relativ glimpflich davongekommen. Nur die Murrhardter mussten wegen des nachfolgenden Regens kräftig Wasser schöpfen. Was aber tun, wenn am eigenen Haus und Auto der Sturm gerüttelt und das Wasser gezerrt haben?

Mit Sicherheit sind sie längst auch im Rems-Murr-Kreis unterwegs: „Schadenregulierer“ heißen die Versicherungsleute, die nach Ereignissen wie Burglind vor Ort die Schäden begutachten und einschätzen. Doch was muss der sturmgebeutelte Mensch eigentlich tun, damit die entstandenen Schäden so schnell wie möglich und so gut wie’s irgend geht von der Versicherung übernommen werden?

Erst mal, sagt Peter Grieble, Fachmann in Sachen Versicherung von der Verbraucherzentrale Baden Württemberg, muss man sich klarmachen, dass Schadenregulierer immer für die Versicherung arbeiten. Auch wenn sie sich als unabhängig vorstellen. Und deshalb sollte – im Zweifelsfall und wenn allzu schnell eine feste Summe den Schaden abgelten soll – lieber noch ein eigener Experte die Misere anschauen und einschätzen. Das kann auch der Handwerker sein, der den überfluteten Keller oder das ramponierte Auto wieder flottmachen soll. Alles in allem aber stimmen Versicherung und Verbraucherschützer in Sachen Policen und Vorgehen überein und raten:

1. Melden Sie sich sofort bei Ihrer Versicherung

Haben Sturm, Hagel oder Starkregen Schäden am eigenen Hab und Gut angerichtet, sollte der Schaden der Versicherung unverzüglich gemeldet werden. Um die Schadensregulierung so einfach und schnell wie möglich durchführen zu können, rät die Sparkassenversicherung in einer Pressemitteilung, die Schäden zu fotografieren. Peter Grieble von der Verbraucherzentrale geht sogar noch weiter: Video und Zeugen seien ebenfalls sehr hilfreich. Erste Maßnahmen, die den Schaden mindern, wie zum Beispiel das Leerpumpen und Trocknen der vom Wasser beschädigten Räume, sollten außerdem umgehend veranlasst werden. Dazu ist der Geschädigte sogar verpflichtet. Also nicht das Wasser stehen lassen, um dem Schadenregulierer zeigen zu können, dass Rems, Murr oder Wieslauf auch wirklich übers Ufer getreten waren. Um den Höchststand des Wassers dokumentieren zu können, muss eben wieder eine Kamera zum Einsatz kommen.

Die für die ersten Rettungsmaßnahmen entstandenen Kosten, schreibt die Sparkassenversicherung, „werden grundsätzlich vom Versicherer im vertraglichen Rahmen übernommen“. Außerdem wollen die Versicherungen ein Liste aller beschädigten Gegenstände.

Grieble rät, im Anschluss an die ersten Rettungsmaßnahmen unbedingt nochmals mit der Versicherung Kontakt aufzunehmen und die nächsten Schritte abzusprechen. Das reicht erst mal telefonisch, sollte aber auch noch schriftlich erfolgen – zur Sicherheit und damit das Besprochene Schwarz auf Weiß vorliegt.

2. Verschaffen Sie sich einen Überblick

Welche Versicherung brauchen Sie? Klassische Wohngebäude- und Hausratsversicherungen decken Schäden an Haus und Hausrat ab, die durch Sturm und Hagel entstehen. Allerdings nur, wenn das Sturmrisiko mitversichert ist, was bei den meisten Policen der Fall ist. Ein Blick vor allem in ältere Versicherungsbedingungen schadet jedoch nicht. Denn nicht jede Police bietet diesen Schutz. Grundsätzlich gilt: Sturm herrscht ab Windstärke 8, also ab einer Windgeschwindigkeit von mindestens 62 Kilometern pro Stunde. War der Wind nicht so kräftig, zahlt diese Versicherung nicht. Ganz gleich, was passiert ist. Schäden von Burglind, die mit bis zu 150 Kilometern pro Stunde übers Land raste, können aber definitiv als Sturmschäden gemeldet werden.

Falls ein Blitz direkt in Gebäude oder Einrichtungsgegenstände einschlägt, übernimmt in der Regel auch die Wohngebäude- oder Hausratsversicherung den Schaden. Schäden an Elektroinstallationen und -geräten durch blitzbedingte Überspannung sind meist ebenfalls über die Wohngebäude- oder Hausrat-Police versichert.

3. Da zahlt auch die Gebäudeversicherung

Sturm- und Hagelschäden an Gebäuden durch umgefallene oder abgebrochene Bäume, Äste, Schornsteine sowie Masten deckt ebenfalls die Gebäudeversicherung ab. Die Versicherung zahlt auch bei abgedeckten Dächern, eingedrückten Fensterscheiben sowie Schäden, die durch eindringende Niederschläge entstehen. Für Gebäude, die sich noch im Bau befinden, benötigen Häuslebauer unbedingt eine Bauleistungsversicherung. Die wird, so Grieble, nur für die Bauzeit abgeschlossen.

4. Wenn der Schaden innen liegt

Verwüsten Sturm und Hagel die Wohnungseinrichtung, springt die Hausratversicherung ein. Diese kommt auch für Folgeschäden auf, wenn beispielsweise das Dach abgedeckt und die Wohnungseinrichtung beschädigt wurde.

5. Bei Überschwemmung braucht’s noch mehr

Schäden an Gebäuden und am Hausrat, die durch Überschwemmungen entstehen, werden als Elementarschäden bezeichnet. Dafür benötigen Immobilienbesitzer eine extra Elementarschadenversicherung, die mit der Hausrat- und Wohngebäudeversicherung abgeschlossen werden kann. Diese Versicherung, sagt Peter Grieble, ist sehr sinnvoll, denn nur sie sichert auch Schäden durch Schnee, Erdbeben oder den sogenannten Rückstau ab. Das sind Wasserschäden, die bei überfluteter Kanalisation entstehen, wenn das Wasser aus den Rohren zurück ins Haus drückt.

6. Wenn das Auto kaputt ist

Sturm-, Hagel- und Überschwemmungsschäden an Autos und auch an Motorrädern deckt die Teil- oder Vollkaskoversicherung. Die Teilkasko zahlt bei Schäden, die durch die unmittelbare Einwirkung des Sturmes oder Hagels entstehen. Häufig geschieht dies durch umherfliegende Gegenstände wie Ziegel, Dachpfannen oder Äste. Reine Sturm- und Hagelschäden werden immer über die Teilkaskoversicherung reguliert. Vollkaskoversicherte müssen also kein Hochstufen befürchten. Selbstbeteiligungen werden angerechnet.

Wenn das Auto während der Fahrt durch eine Sturmböe von der Straße abkommt, ist dies ein Vollkaskoschaden. In diesem Fall wird der Schadenfreiheitsrabatt des Versicherten belastet.

Der Versicherer übernimmt bei Sturm-, Hagel und Überschwemmungsschäden die Kosten für die Reparatur des Fahrzeugs, sofern kein Totalschaden eingetreten ist. Bei einem Totalschaden ersetzt die Versicherung den Wiederbeschaffungswert. Zur Ermittlung des vorhandenen Restwerts des beschädigten Autos sind unter anderem Alter, Laufleistung und Ausstattung eines Autos maßgeblich.
 


Schäden im Kreis

Menschen wurden durch Burglind glücklicherweise nicht verletzt.

Von den 31 Gemeindefeuerwehren aus dem Landkreis waren an diesem Tag 24 Gemeindefeuerwehren bei insgesamt 41 Einsätzen.

Hauptsächlich ging es um umgestürzte Bäume auf Straßen oder Gebäuden, um abgedeckte Dächer oder gelöste Verkleidungen an Gebäuden.

Die zwei Regentage nach Burglind brachten der Feuerwehr noch acht Wassereinsätze, teilt die Stabsstelle Brand- und Katastrophenschutz im Landratsamt mit: Es standen Keller und Einliegerwohnungen unter Wasser und Straßen waren überspült. Betroffen waren Rudersberg, Murrhardt, Plüderhausen, Auenwald, Oppenweiler und Sulzbach.

  • Bewertung
    4
 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. (Anschrift und E-Mail sind keine Pflichtangabe, allerdings können Kommentare ohne Angabe der vollständigen Adressdaten in der gedruckten Ausgabe leider nicht berücksichtigt werden. E-Mail, Straße und Nummer werden nicht veröffentlicht.)
    Kommentare werden vor der Veröffentlichung auf der Seite geprüft. Es gelten unsere Kommentarregeln (siehe Link oben rechts) und unsere Datenschutzerklärung . Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden nicht veröffentlicht.

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!