Stuttgart Geraubte Kulturgüter: Museumsdirektorin für Dialog

Inés de Castro, Leiterin des Linden-Museums, hält die Bibel des namibischen Nationalhelden Witbooi in den Händen. Foto: Marijan Murat/Archiv Foto: dpa

Stuttgart.
In der Diskussion um den Umgang mit Kolonialobjekten setzt die Stuttgarter Museumsdirektorin Inés de Castro auf eine Zusammenarbeit mit den Herkunftsgesellschaften. "Wir betreiben aktiv Provenienzforschung und gehen bei Sammlungen mit ethisch verwerflichen Kontexten auf die Herkunftsgesellschaften zu", sagte de Castro, die das Linden-Museum leitet. "Wir möchten gemeinsam entscheiden, ob eine Restitution infrage kommt", sagte sie zur möglichen Rückgabe von Kolonialobjekten.

Die Afrika-Sammlung des Museums umfasst rund 60 000 Objekte, davon kommen rund 2200 aus Namibia, das früher deutsche Kolonie war. De Castro ist Teil einer baden-württembergischen Delegation, die am Donnerstag (28.2.) eine Bibel und eine Peitsche an Namibia zurückgibt. Die Gegenstände waren zu Kolonialzeiten geraubt worden und lagerten zuletzt im Linden-Museum. Sie gehörten Hendrik Witbooi, der ein bedeutender Anführer des Stammes der Nama war und heute in Namibia als Nationalheld gilt.

"Wir haben von namibischer Seite gehört, dass die Bibel ins Nationalarchiv und die Peitsche ins Nationalmuseum gebracht werden", sagte de Castro. "Wir sollten jedoch keine Bedingungen an eine Restitution knüpfen." Sie trat Befürchtungen entgegen, dass deutsche Museen irgendwann leergeräumt sein werden, wenn man diesen Weg weitergehe. "Es erscheint mir wichtig, auf die Wünsche und Vorstellungen der Herkunftsgesellschaften zu hören." Restitution sei nicht immer das primäre Ziel. Nötig sei aber, dass die Museen ihre Sammlungen zugänglich machten und zum Beispiel online stellten.

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