"Manou - flieg’ flink!" Trickfilm von Plüderhausener läuft im Kino

Der kleine Mauersegler Manou wird von einem Möwenpaar adoptiert und lernt als Mauersegler das Fliegen bei den Möwen und scheitert dabei grandios. Foto: Luxx Studios

Stuttgart/Plüderhausen. Erst war er der Zulieferer für spezielle Effekte, Trick-Sequenzen im Film. Auch bei „Independence Day“. Jetzt kann Christian Haas, in Plüderhausen aufgewachsen, zusammen mit Partnerin Andrea Block das erfolgreiche Abheben seines animierten Mauersegler-Dramas „Manou“ feiern. Eine internationale Produktion. Die Stimmen für die gefiederten Geschöpfe kommen von Kate Winslet und Willem Dafoe. Aber auch Dodokay krächzt prächtig.

Christian Haas hat ein langes, strenges Wochenende hinter sich. Er kennt jetzt die Kinolandschaft in und auswendig - bis nach Wien. In drei Vorstellungen an drei verschiedenen Orten am Tag sitzen. Hernach die Fragen beantworten, mit den Zuschauern diskutieren. Schön geduldig, meist sind es ja Kinder. Ein Knochenjob, der Haas heute bereits wieder lächeln lässt. Da ist er ganz der Profi. „Wir als kleines Unternehmen . . .“, hebt er an. Ja, wenn man nicht alles selber macht.

Er sowie die Regisseurin und Co-Produzentin Andrea Block wissen, dass sie als Trickfilm-Startup persönlichen Einsatz bringen müssen. Den Film bekannt machen. Das nachmittagfüllende Erstlingswerk von Luxx Film, derweil es die Luxx Studios mit der reinen Trickfilm-Kompetenz schon seit 2006 gibt. Und deren Zuarbeit etwa für Hollywood nun auch als Türöffner dient – jetzt fürs erste eigenständige Produkt. So viele sind es nicht, die sagen können, sie haben für Roland Emmerichs „Independence Day“ oder für „White House Down“ Tricksequenzen geliefert. Auch wenn viel Rechnerleistung und Grafikkompetenz in und um Stuttgart sitzt.

Das alles war noch nicht absehbar, als der heranwachsende Junge Christian Ende der 80er Jahre in der Hohbergschule in Plüderhausen saß. Gut, vielleicht hätten es die Eltern merken können. Filme gucken war schon sein Ding in dieser smartphone-losen Zeit. „Indiana Jones“, „Terminator“, was Jungs halt so schauen. Und da gab es auch früh das Interesse an Computerspielen. Zudem für die Grafik, die dahintersteckt. Müsste man doch selber machen können. Ein Freund hat programmiert, er machte sich an die 3D-Grafiken. Sehr zukünftig, das damals. Der Weltraum war das Spielfeld.

Der Berufsberater lag falsch

Physik hatte den Schüler Christian interessiert. Der Wechsel ans Technische Gymnasium nach Waiblingen lag nahe. Nach dem Abi erst einmal eine Enttäuschung. Der Berufsberater winkt ab. Bei der Filmakademie in Ludwigsburg müsse er es erst gar nicht versuchen - bei den wenigen Glücklichen, die pro Jahr aufgenommen werden. Haas hat dann Kontakt aufgenommen bei einem Hersteller von teuren Grafikcomputern. Dort hat man ihm gesagt, er soll’s auf jeden Fall in Ludwigsburg versuchen. Also hat er’s gewagt. Und gewonnen.

2011 war es: Andrea Block und Christian Haas nehmen eine kleine Auszeit vom Geschäft. Sie segelt. Man sitzt im Hafen von Nizza und schaut zu den Felsen hoch. Sieht die Möwen, wie sie im Aufwind schwerelos segeln. Sieht in der Stadt die Mauersegler, wie sie energisch flügelflatternd auf der Jagd nach Käfern sind. Im Kopf hat man auch 2011 schon, dass sich Europa schwerlich abschotten kann gegen Flüchtlinge, gerade aus Afrika, sagt Andrea Block. An Nizza könne man es studieren, wie gut es funktionieren kann: Schwarz und Weiß. Man schaue nur zu den Marktständen. Dann die Gedankenübertragung: Die Möwe ist weiß, der Rumpf des Mauerseglers schwarz.

Heute sehen wir auf der Leinwand die Umsetzung der Idee: Manou, der kleine Mauersegler, ist Waise. Ratten haben seine Eltern verbissen. Manou findet Platz unter dem Gefieder bei Möwenmutter Blanche. Und lernt, was Möwen können müssen. Am Ende schlägt er sich prächtig in der Flugschule. Zwischendurch japst das herzige Vöglein paddelnd im Wasser und schimpft: „Was soll ich noch beweisen“. Da kommt ein Paradiesvogel angeflogen, ein brasilianisches Perlhuhn. Ihm leiht der Reutlinger Comedy-Star Dodokay die Krächz-Stimme: „Fliegen wird überbewertet.“

Am Ende wird aus dem Außenweiter Manou ein Lebensretter. In seinen blitzenden Augen sind die Vögel eine Familie. Und damit die ganze Menschheit

Die Filmkritik ist durchaus aus dem Vogelhäuschen, schwebt aber auch nicht in den luftigsten Höhen. Die traumhaft animierten Stadtansichten und Landschaften werden gelobt. Die Idee, die ganze Erzählung, ist stimmig. Man sieht tricktechnisch furios umgesetzte Wettrennen in der Luft. Und nur manchmal wird gemäkelt, dass die Szenen nicht schlüssig ineinander greifen.

Es wird nach wie vor mit Hand gezeichnet

Christian Haas zeigt derweil beim Besuch in Stuttgart, wie ein solches Großprojekt Gestalt annimmt. Erst einmal überraschend traditionell. Es wird von Hand gezeichnet, das Storyboard hängt noch an der Wand. Die Vögel nehmen als Hardware-Modell Gestalt an. Die Animatoren, und zeitweise saßen 35 im Loft in der Kornbergstraße im Stuttgarter Westen, haben kleine Spiegel neben ihrem Rechner. Da können sie am eigenen Gesicht überprüfen, wie sich die Lippen verziehen, wenn ein Vogel auf die Meinung des anderen pfeift. „Das ist kein Automatisierungsprozess“, erklärt Haas. „Die Emotionen sind handgemacht“. Freilich am Ende mit der Maus an der Hand und mit ganz viel Rechnerleistung im Hintergrund. Die dann gut ist, wenn man sie nicht sieht. Die der vergessen soll, der im Kino sitzt. Und das ist der Fall.


Flieg flink

Manou, flieg flink!. Regie Andrea Block, Christian Haas. Animationsfilm, 89 Minuten. Ohne Altersbeschränkung. Haas spricht vom idealen Kinderalter zwischen sechs und 13.

Das Luxx-Studio beteiligt sich den Schulkinowochen ab 21. März mit dem Wettbewerb „Vielfalt ist cool“

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