Super Bowl Wie die Backnang Wolverines vom Football-Hype profitieren

Football-Training im Etzwiesenstadion. Foto: Ralph Steinemann

Backnang.
Im Discounter gibt es Erdnussflips in der XXL-Packung, der Lieferservice bietet Chicken Wings gleich eimerweise an und der Elektromarkt verkauft große Fernseher zum Sonderpreis: Der Super Bowl hat längst Einzug in unseren Alltag gehalten. Etwa 1,5 Millionen Deutsche werden in der Nacht zum Montag das Endspiel der National Football League verfolgen. Mitfiebern werden auch Michael Müller, Martin Häuser und Kai Westphal von den Backnang Wolverines. Die Verantwortlichen des Football-Vereins sehen den Hype, der momentan um ihre Sportart gemacht wird, durchweg positiv. Denn auch sie profitieren davon.

Kickoff des 54. Super Bowls ist am Montag früh um 0.30 Uhr. "Mit viel Kaffee und vorschlafen" will Kai Westphal, erster Vorsitzender der Wolverines, sicherstellen, dass er wach bleibt. Westphal, Headcoach Michael Müller und Spielbetriebsleiter Martin Häuser haben sich Urlaub genommen, um die Partie zwischen den San Francisco 49ers und den Kansas City Chiefs zu verfolgen. Die Wolverines veranstalten ein internes Public Viewing. Das Spiel wird auf einer Leinwand gezeigt, es gibt Bier und Burger.

Spieltag mit Eventcharakter

Als Michael Müller 1994 als Jugendspieler zu den Wolverines kam, war Football in Deutschland noch etwas ganz besonderes. Selbst zehn Jahre später erntete er noch erstaunte Blicke, wenn er jemandem von seinem Hobby erzählte. Erstaunt war damals auch Klassenkammerad Martin Häuser. Der wollte den Sport sofort selbst ausprobieren - und ist bei den Wolverines geblieben. "Als ich angefangen habe, haben wir noch vor einer Handvoll Leuten gespielt", erinnert sich Häuser. Inzwischen kämen etwa 200 Zuschauer zu den Spielen. Das auch, weil es bei den Wolverines klassisch ein Rahmenprogramm zum Football gibt. Manchmal spielt im Vorfeld eine Band, an anderen Tagen lockt eine Hüpfburg Familien an den Spielfeldrand.

Jugendliche spielen noch ohne Körperkontakt

Es gibt aber nicht nur mehr Zuschauer, sondern auch immer mehr Leute, die den Sport selbst einmal ausprobieren möchten. Das macht sich auch im Ligabetrieb bemerkbar, wo immer mehr Mannschaften gemeldet werden. Die Wolverines haben neben der aktiven Mannschaft eine U17 und eine U15 Mannschaft. Die Jüngsten spielen noch den kontaktlosen "Flag-Football". Statt den Gegner zu "tackeln", also mit dem Körper zu Boden zu bringen, stoppt man den Spieler hier, indem man ihm eine Flagge aus dem Gürtel zieht. "Das gefällt dann vor allem den Eltern besser", weiß Häuser, der die Zehn- bis Fünfzehnjährigen trainiert. Die Jugendspieler bekommen außerdem die Ausrüstung vom Verein gestellt. "Dann müssen die Eltern nicht in Vorleistung gehen, wenn der Sohn dann nach drei Wochen doch keine Lust mehr hat". Die Einstiegshürden sollen so gering wie möglich sein.

Die gesamte Ausrüstung kostet etwa 300 bis 400 Euro, schätzt Häuser. Deshalb können sich auch Anfänger in der aktiven Mannschaft erst einmal Equipment leihen. Die Backnanger suchen immer Verstärkung. Mindestens 22 Spieler müssen im Kader sein, "wenn wirklich mal alle da sind, hab ich 36", so der Trainer. Deshalb wollen die Wolverines auch die Aufmerksamkeit rund um den Super Bowl aktiv nutzen, um auf ihren Verein aufmerksam zu machen. Mehrere Schnuppertage werden angeboten, Marketing-Aktionen sollen folgen.

Wer zum Training kommen möchte, braucht keinerlei Vorkenntnisse. "Football ist ein Teamsport, der die unterschiedlichsten Charaktere zusammenbringt. Ob man Erfolg hat, hängt davon ab, wie viel Einsatz man zeigt, nicht, was man mitbringt", erklärt Coach Müller. Wer sich vielleicht bei anderen Sportarten unwohl fühle, weil zu viel oder zu wenig auf den Rippen sei, sei hier genau richtig. Den ein oder anderen blauen Fleck sollte man allerdings wegstecken können. "Wenn's dann mal so richtig scheppert, ist das aber schon cool. Da fließt das Adrenalin", schwärmt Häuser.

Die Übertragung des Super Bowls beginnt am Sonntag bereits um 22.45 Uhr. Anders als beim Fußball häufig zu hören haben die Experten von den Wolverines wenig an den TV-Kommentatoren auszusetzen. Durch das gestiegende Interesse seien die Übertragungen "weniger plump" als früher. Es würden nicht mehr die Grundregeln erklärt, sondern Spielzüge analysiert, mehr in die Tiefe gegangen. 

Und wer gewinnt?

Bei der Frage, wer den 54. Super Bowl gewinnen wird, gehen die Meinungen auseinander. Martin Häuser glaubt, dass die San Francisco 49ers gewinnen. "Die sind einfach das komplettere Team", sagt er und erntet dafür sofort Protest von Kai Westphal. Dieser glaubt an einen Sieg der Kansas City Chiefs. "Die haben den dynamischeren Quarterback und spielen auch zielgerichteter". Michael Müller wiederum traut den 49ers den Sieg eher zu als den Chiefs. "Entscheidend wird sein, wer zu Beginn besser mit der Nervosität zurecht kommt. Da sehe ich die 49ers vorn." In einem Punkt jedoch sind sich alle einig: Der Super Bowl wird ein spannendes Spiel mit vielen Punkten werden.


Frauen im Football?

Frauen gibt es bei den Backnang Wolverines nicht. Bis zur U17 dürfen Mädchen bei den Jungen mitspielen. Danach müssen sie in ein Frauenteam wechseln. Inzwischen gibt es in Deutschland zwei Damenligen im American Football. Die nächste Damenmannschaft in der Region sind die "Sisters" der Stuttgart Scorpions.

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