SV Winnenden Schwierigkeiten bei Integrationsmannschaft

Timo Loos (rechts) erklärt Teilen seiner Mannschaft eine Übungseinheit. Foto: ZVW/Alexandra Palmizi

Winnenden. In der Kreisliga B 3 steht die SV Winnenden mit mickrigen drei Pünktchen und 70 Gegentoren auf dem letzten Tabellenplatz. Doch sind das für die Verantwortlichen die kleinsten Sorgen. Neben Alltagsproblemen hat der Verein auch mit rassistischen Anfeindungen bei Auswärtsspielen zu kämpfen.

Letztes Jahr im Sommer entwickelte Trainer und Abteilungsleiter Timo Loos mit anderen Beteiligten der SV Winnenden und der Stabstelle für Integration die Idee, eine Herrenmannschaft bestehend aus Flüchtlingen zusammenzustellen. Im Juni folgten dann Probetrainings mit Geflüchteten aus der Region. Die besten davon sind nun im Kader des Kreisligisten, in dem allerdings auch Einheimische spielen.

Alltagsprobleme und Streitigkeiten bei Auswärtsspielen

Nach der ersten Hinserie in der Geschichte der Herrenmannschaft zieht der 33-jährige Timo Loos nun ein Resümee: „Inzwischen haben uns einige Alltagsprobleme eingeholt“, erzählt er. „Viele Spieler sind nun in Ausbildung oder haben Sprachkurse. Deshalb können sie nicht regelmäßig am Training teilnehmen. Auf der einen Seite ist das sportlich für uns schade. Auf der anderen Seite ist es natürlich super, dass die Jungs hier in Deutschland Fuß fassen.“ Bei einigen Auswärtsspielen gab es außerdem oft Streitigkeiten, weil Spieler der SV von Zuschauern rassistisch angefeindet wurden. „Unsere Jungs versuchen, dem keinen Raum zu geben und sich nicht provozieren zu lassen. Wir wollen solch einem Verhalten entgegenwirken“, sagt der Trainer.

Loos: „Ich stehe auch als Pädagoge auf dem Platz“

Loos weiß, dass er in seiner Rolle nicht nur als Trainer gefordert ist. „Ich stehe auch als Pädagoge auf dem Platz. Viele der Spieler kannten das klassische Vereinsleben gar nicht. Sich gemeinsam in der Kabine umzuziehen oder 30 Minuten vor Trainingsbeginn da zu sein, war für sie neu“, erzählt er. Auf dem Trainingsplatz wird meistens Deutsch gesprochen. Manchmal ist es jedoch auch nötig, Dinge auf Englisch zu erklären. Konkrete sportliche Ziele hat Loos keine. „Wir wollen als Mannschaft weiterwachsen“, sagt er.

Ob nach dem Training oder nach Spielen auch das eine oder andere Bier zusammen getrunken wird, wie es bei vielen Amateurmannschaften üblich ist? „Das machen wir nicht“, sagt Loos. „Wir haben viele Muslime in der Mannschaft, die keinen Alkohol trinken. Trotzdem geht es bei uns immer ziemlich lustig in der Kabine zu.“

Die Stimmung in der Kabine ist besser als der Tabellenplatz

Ein Eindruck, der sich unserer Redaktion beim Trainingsbesuch bestätigt. In der Kabine tauschen sich die Spieler über bevorstehende Champions-League-Spiele aus. Ein Spieler kommt ohne Sporttasche herein. „Wo sind deine Fußballsachen?“, fragt ein anderer. „Oh nein!“, ruft er. „Die habe ich zu Hause vergessen. Ich habe alles bereitgelegt, dann musste ich zum Bus rennen und habe die Tasche zu Hause gelassen.“ Gelächter in der Kabine. Mit dem Fahrrad eines Mannschaftskollegen fährt er daraufhin wieder heim, die Sachen zu holen.

Training ist gute Abwechslung

„Ich bin schon seit sechs oder sieben Monaten dabei“, erzählt Kesete, der im Mittelfeld spielt. „Ich bin den ganzen Tag bei der Arbeit, deshalb ist das Training eine gute Abwechslung“, sagt er.

Draußen ist es ungemütlich. Der Regen peitscht über den Rasenplatz. Zwei Spieler gehen zurück in die Kabine, um Handschuhe zu holen. „Im Sommer haben sie alle gesagt: Nicht einmal in Afrika war es so heiß. Wir wollen den Winter. Inzwischen wollen sie aber glaube ich alle wieder den Sommer zurück“, sagt Timo Loos und lacht.


Auszeichnung vom Landessportbund

Die Integrationsmannschaft der SV Winnenden wurde vom württembergischen Landessportbund am 15. März in der Kategorie „Soziale Kompetenz“ ausgezeichnet.

Über das Sportmagazin „Kicker“ rief die SV zu einer Spendensammlung im Internet auf (Crowdfunding). So kamen 2000 Euro zusammen, die der Verein unter anderem in Trainingsklamotten für die Spieler investierte.

Ein Großteil der Mannschaft kommt aus Gambia (neun Spieler). Allerdings sind auch jeweils drei Spieler aus Eritrea und Syrien dabei. Zwei Spieler kommen aus Nigeria.

In der Winterpause wickelte die SV ihren ersten Spielertransfer ab. Torhüter Fabian Feeser schloss sich dem Landesligisten TSV Schornbach an.

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