SWR Sommerfestival Jan Delay: Das sieht gut aus!

Stuttgart - Vor dem Neuen Schloss in Stuttgart hat Jan Delay ein letztes Mal zur Funk- und Soulparty geladen. Am Samstag trat der Hamburger beim SWR Sommerfestival vor 5500 Fans auf, spielte Hits wie "Oh Jonny" oder "Klar". Wenn er das nächste Mal kommt, dann wahrscheinlich als Rocker verkleidet.

"Stuggi Town - was'n los?", ruft Jan Delay als er im Maßanzug in Blasstürkis auf die Bühne kommt - pünktlich nach der Tagesschau um 20.15 Uhr, begleitet von seiner Band Disko No. 1 und einem wild aufstampfender Funkbeat. Sein musikalisches Repertoire, mit dem er die kommenden zwei Stunden äußerst unterhaltsam füllen wird, kennt man hier bereits bestens. Er hatte es schon im März 2010 in der Stuttgarter Schleyerhalle vorgestellt. "Ja diese funkelnde und aufregende Glitzerwelt zieht alle in den Bann von Düsseldorf bis Bitterfeld", wird Delay wieder in "Showgeschäft" singen und das Konzert schließlich mit einem Medley rund um Technotronics "Pump Up The Jam" beenden. Und wieder wird der Mann aus Hamburg-Eppendorf beweisen, dass keiner so geschmackvoll-intelligente Partys auf die Beine stellt, wie er.

"Das sieht gut aus!" ruft Delay dem Publikum zu

"Das sieht gut aus!" ruft er dem Publikum zu. Ein Kompliment, das man allzu gern an ihn zurückgibt. Und auch wenn sich Jan Phillip Eißfeldt als Jan Delay in der Rolle des Snobs, des selbstgefälligen Schnösels gefällt, von dem er auch in "Large" singt, ordnet er sich doch auch bei diesem Freiluftkonzert immer wieder gerne seiner ausgezeichneten Band unter, lässt sich bereitwillig von seinen verblüffend präzise agierenden Bläsern regelmäßig die Show stehlen. Zwischen der zackigen Cameo-Variationen "Türlich Türlich", bei der die Gitarre funky herumwüten darf, und "Abschussball", in dem sich Delay überzeugend als Prince-Nachahmungstäter verdingen darf, denkt sich der 34-Jährige aber auch immer neue ulkige Partyspiele aus und unterhält das Publikum nicht nur musikalisch prächtig.

Jan Delay: "Das Streberland Baden-Württemberg wird zugrunde gehen."

Seine letzten Auftritte in Baden-Württemberg hätten immer vor Schlössern stattgefunden, erzählt er zum Beispiel grinsend: "Erst in Mannheim, dann in Ludwigsburg und jetzt hier in Stuttgart - überall Schlösser. Aber damit ist bald Schluss. Jetzt seid ihr grün: Das Streberland Baden-Württemberg wird zugrunde gehen." Seine Band Disko No. 1 tauft er an diesem Abend in Anlehnung an die Auseinandersetzungen um Stuttgart 21 in "Disko No. 21" um, und ein Medley aus "Everybody" von den Backstreet Boys und "This Is How We Do It" von Montell Jordan, in das er wieder mal ein paar Takte lang "Bring It Back" von den Fantastischen Vier eingeschmuggelt, erklärt er zu einer Komposition Günther Oettingers: "Den Song hat er geschrieben, als er erkannt hat, dass Baden-Württemberg bald im gründen Chaos versinken wird."

Keiner bringt Reggae, Pop, Hip-Hop, Soul, Funk und Rock so eifrig durcheinander

Ob zwischen oder in den Liedern, stets gefällt Delay mit einer ironisch-lakonischen Haltung. Keiner wirbelt so versiert mit den Verweisen und Anspielungen herum, bringt Reggae, Pop, Hip-Hop, Soul, Funk und Rock so eifrig durcheinander. Wie Antwort der Generation Praktikum auf James Last spielt er den Grandseigneur des Pop, liebt Posen, lässt feiern und dreht vor den Zugaben mit einer überdreht twistenden Version von "Oh Jonny" noch einmal kräftig an der Partyschraube. Wenn Jan Delay dann bei den Zugaben mit den Orsons, die fürs Vorprogramm zuständig waren, noch "Die Sonne, die scheint" spielt, möchte man glauben, dass diese knallbunte Tanzparty, diese "Nonstop Dancing"-Revue nie enden wird.

Doch Delay sieht das anders. Vor dem Konzert hat er im Interview verraten, dass sein nächstes Album eine Rockplatte wird. "Mit dem ganzen Funkding ist jetzt Schluss", sagt er. Wer allerdings glaubt, dass er, wenn er sich von den zackig-souligen Grooves verabschiedet, sich auch seiner modischen Garderobe entledigen wird, täuscht sich: "Man kann sich ja auch als Rocker gut anziehen", sagt Delay.

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