Tafelspitzen Restaurant im Mercedes-Benz-Museum bietet Gesundes

Das Restaurant im Mercedes-Benz-Museum schließt abends um 19 Uhr. Foto: Peter Petsch

Stuttgart - Velbekomme! Sahtain! Buon appetito! Enjoy­ your meal! In 13 Sprachen wird den Besuchern des Restaurants im Mercedes-Benz-Museum auf der Speisekarte ein guter Appetit gewünscht. Ein internationales Publikum ist es ja auch, das nach den Rundgängen durch „Mythosräume“ und an der Silberpfeil-Steilkurve vorbei, nach einer Zeitreise durch die 125-jährige Automobilgeschichte hungrig im Untergeschoss ankommt. Vielsprachig freundlich wird man in dem Restaurant empfangen, für das seit Juni 2011 die TV-Köchin Sarah Wiener – meist aus der Ferne – verantwortlich ist und in dem neuerdings Michael Braun am Herd steht, einst hochgelobter Koch im Sterne-Restaurant 5 und danach selbstständig im inzwischen geschlossenen Gourmet-Lokal Brauns. Doch weder mit Braun noch mit Wiener, deren Namen in der Gastroszene einen guten Klang haben­, wird offensiv geworben. Die alleinigen Stars im Museum sind halt Autos, von denen man auch das eine oder andere Exemplar vom Restaurant aus sehen kann.

Die österreichische Unternehmerin Sarah Wiener zählt zu den meistbeschäftigten Stars der Kochszene. Wenn sie etwas hasst, dann ist es wohl Untätigkeit. Allein in Berlin betreibt sie vier Restaurants sowie ein Café und eine Bäckerei. Auch als Buchautorin ist sie erfolgreich. Die 51-Jährige will das Bewusstsein für gesunde Ernährung schärfen. „Eine frisch zubereitete, gesunde Mahlzeit nährt nicht nur den Körper, sondern auch die Seele“, sagt sie. Die Texte in der Speisekarte des Museums­restaurants tragen ihre Handschrift. Nur regionale Produkte kommen hier auf den Tisch. Und das Fleisch stammt aus „art- und wesensgerechter Haltung“, wie zu lesen ist.

In Michael Braun, der für Raffinesse an seinen früheren Wirkungsstätten bekannt und geschätzt ist, hat Sarah Wiener einen perfekten Partner gefunden. Leider ist das Restaurant abends nicht geöffnet, sonst hätten Gourmet-Freunde auch nach der Arbeit ein Ziel – und das bei günstigen ­Preisen.

Doch Brauns Küche zielt allein auf die Besucher des Mercedes-Benz-Museums, das bereits um 18 Uhr schließt. Sie müssen sich beeilen. Zwar ist das Restaurant bis 19 Uhr offen, doch die warme Küche wird bereits um 18 Uhr eingestellt. Bei unserem Besuch kam eine russische Familie um zehn vor 18 Uhr. Man hat sie zwar nicht fortgeschickt, doch ein Rostbraten, so sagte man ihnen, könne nicht mehr bestellt werden – der dauere 20 Minuten. So gab es Kässpätzle, die ganz wunderbar schmeckten und als kleine Portion 8,50 Euro kosten. Vorzüglich war auch das Lachsforellenfilet mit Linsen für 16,90 Euro. Beim Coq au Vin – als Tagesempfehlung für 7,20 Euro – war das Hühnchen in Weinsoße etwas trocken, die Kartoffeln aber waren hervorragend. Am frühen Abend war das Restaurant ziemlich leer, so dass die dabei entstehende Kantinenatmosphäre nicht zu den Vorzügen gehört. Trotzdem würden wir gern mal wieder kommen, am liebsten natürlich abends, wenn mehr Zeit dafür ist. Doch noch wagt dies das Museum­ mit seinen Partnern Sarah Wiener und Michael Braun nicht. Vielleicht würde es sich lohnen, mehr Werbung mit diesen Namen zu machen.

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